Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
Mitreden. Mitgestalten.
Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

18
19
20

Mitgliederprojekt: Photovoltaikanlage im Ensembleschutz - Acht Dachflächen, drei Gebäude, ein Wechselrichter

Projekt von Kammermitglied Dipl.-Ing.(FH) Lena Kehl vom Ingenieurbüro Kehl in der Bayerischen Staatszeitung vom 24.07.2026

24.07.2026 - München

Mitgliederprojekt: Photovoltaikanlage im Ensembleschutz - Acht Dachflächen, drei Gebäude, ein Wechselrichter

Unter dem Motto „Kein Ding ohne Ing.“ stellt die Bayerische Staatszeitung auf einer Sonderseite regelmäßig Projekte von Kammermitgliedern vor. Im neuesten Artikel erläutern Lena Kehl und Kevin Bjarsch vom Ingenieurbüro Kehl, wie auf einem denkmalgeschützten Ensemble in München trotz komplexer Auflagen, lückenhafter Bestandsunterlagen und anspruchsvoller Dach- und Elektrotechnik eine leistungsfähige Photovoltaikanlage realisiert wurde. Acht Dachflächen, drei Gebäude und ein gemeinsamer Wechselrichter zeigen, wie Ingenieurwissen Klima- und Denkmalschutz sowie wirtschaftliche Nutzung sinnvoll zusammenbringt.

Photovoltaikanlage im Ensembleschutz

Fuß- und Radwegbrücke über die Offenbachstraße Nord in München

Das Grundstück in der Kaiserstraße umfasst drei Wohngebäude und mehrere kleine Hallen, die früher als Wäscherei genutzt wurden. Historisch zuerst errichtet wurde das Vorderhaus mit Gewerben im Erdgeschoss; später folgten die beiden Rückgebäude und die Hallen. Das Vorderhaus ist ein typisches innerstädtisches Mehrfamilienhaus mit Laden- und Gastronomieflächen; das Ensemble steht unter Denkmalschutz und ist zudem Teil der Erhaltungssatzung „Nordschwabing“.

Die Eigentümer sind zwei Brüder mit zwei Wohnungen im Rückgebäude und einer Pizzeria im Vorderhaus. Angesichts steigender Energiepreise wurde die Installation einer Photovoltaikanlage geprüft. Die Besonderheit des Projekts ist die Kombination aus vielfältigen Denkmalschutzauflagen, kaum vorhandenen Planungsunterlagen und der Notwendigkeit, eine praktikable Lösung für die Nutzung des PV-Stroms sowohl für die Wohn- als auch die Gewerbeeinheiten der Eigentümer zu entwickeln.

Ein Problem in vielen Bestandsprojekten ist der Mangel an detaillierten Planunterlagen. In der Kaiserstraße war die Dokumentation des Daches und der haustechnischen Infrastruktur lückenhaft. Vorhanden waren Ansichten ohne Maße und eine Idee, wie die elektrische Verteilung sei.

3D-Modell aus Drohnenaufnahmen

Übersicht der Dachflächen 
Übersicht der Dachflächen

Um nicht mehrere Stunden mit einem Dachaufmaß zu verbringen, wurde anhand von Drohnenaufnahmen ein 3D-Modell erstellt. Die Drohnenaufnahmen lieferten entscheidende Informationen zu Dachneigungen, Maßen und Lage der Dachaufbauten und Nachbargebäuden.

Um einen Drohnenflug durchzuführen, muss geprüft werden, in welchem Luftraum sich das Bauvorhaben befindet und ob oder wie geflogen werden darf. Das Bauvorhaben in der Kaiserstraße liegt im Einzugsgebiet des Helikopterlandeplatzes des Krankenhauses in Schwabing und bedarf dort einer Genehmigung. Da der Helikopterlandeplatz direkt mit der Notaufnahme verbunden ist, hat die Versorgung der Patienten oberste Priorität. Um die Qualität der Notaufnahme nicht zu beeinflussen, ist ein Drohnenflug pro Tag geduldet. Der genaue Tag und die Uhrzeit sind vorab anzumelden.

Am Flugtag selbst ist in den Notaufnahmen die Anwesenheit telefonisch an- und abzumelden. Wichtig ist bei der Terminplanung der Ortstermine zu beachten, dass in München z.B. während der Wiesn oder Sicherheitskonferenz eine Flugverbotszone herrscht. Auch sollte vor dem Termin nochmal geprüft werden, ob der Luftraum auch noch freigegeben ist.

Das Ingenieurbüro Kehl hat bei der Zusammenarbeit mit allen Stellen, bei denen Genehmigungen einzuholen waren, positive Erfahrungen gemacht.

Das Ensemble in der Kaiserstraße in Schwabing steht unter Denkmalschutz 
Das Ensemble in der Kaiserstraße in Schwabing steht unter Denkmalschutz

Bei den Gebäuden in der Kaiserstraße handelt es sich selbst um ein Baudenkmal, d.h. sie unterliegen der Erhaltungspflicht. Nicht nur die äußeren Bauteile wie Dach, Fassaden, Fenster, Eingangstüren etc., sondern auch die aus der Erbauungszeit oder späteren historischen Bauepochen stammende innere Bausubstanz und Ausstattung wie Grundrisse, Dachstuhl, Treppen, Geländer, Böden, Wandverkleidungen, Wohnungs- und Zimmertüren sowie Zierelemente sollen erhalten bleiben. Die Zähleranlage ist davon ausgenommen.

Da das Anwesen Bestandteil des Ensembles "Nordschwabing" ist, musste gegenüber der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt München nicht nur ein Belegungsplan eingereicht werden, sondern auch eine Bestätigung eines Tragwerks- und Brandschutzplaners, dass die Photovoltaikanlage die Dachkonstruktion nicht beschädigt.

In München gibt es zusätzlich zum Denkmalschutz noch die Erhaltungssatzung. Da der betreffende Wohnraum in diesem Geltungsbereich liegt und die Installation einer Photovoltaikanlage eine Änderung der baulichen Anlage darstellt, bedarf es auch hier einer Genehmigung. Dies ist meist keine Schwierigkeit, allerdings entstehen hier für die Bauherren Kosten.

Photovoltaik und Kupferfalzdach

Ab auf's Dach mit den Modulen 
Ab auf's Dach mit den Modulen

Aus der beauftragten Machbarkeitsprüfung für die Installation einer Photovoltaikanlage ergab sich eine Flächenauswahl von acht Dachflächen. Diese gehören zu den drei Wohngebäuden mit Kupferfalzeindeckung. Weitere Dachflächen schieden wegen ungünstiger Neigung, starker Verschattung oder zu hohen Umbaukosten aus.

Für Falzdächer gibt es drei fachlich zugelassene Regeln: Die Unterkonstruktion wird entweder über extra eingefügte Leisten oder mit Hülsen direkt verschraubt. Ein dritter Weg ist, die Unterkonstruktion auf die Falze zu klemmen.

Das Befestigen der Modulunterkonstruktionsschienen mit Falzklemmen stellt eine durchdringungsfreie Montage dar, dadurch kommt es auch den Denkmalschutzanforderungen entgegen. Diese Art der Befestigung eignet sich vorrangig für Metalldächer, bei denen die Haftanzahl und -abstände zur Aufnahme von großen Lasten entsprechend geplant und ausgeführt wurden. Das heißt auch, es müssen Schiebehaften verbaut sein, damit sich das Metalldach bei Temperaturschwankungen bewegen kann.

Bei Metalldächern ist die Steifheit der Konstruktion zu vermeiden. Es werden kleinere Modulfelder gebildet als auf dem Ziegeldach. Aus diesem Grund sind aufgeständerte, ballastierte Flachdachlösungen nicht für Falzdächer geeignet, da hier die Beschwerung die Beweglichkeit des Metalls verhindert.

In der Kaiserstraße wurde der Dachdeckerbetrieb, der die Dachfläche vor mehreren Jahren saniert hatte, damit beauftragt, die Klemmen auf die Falze zu setzen. Der Solarteur hat die Unterkonstrutionsschiene auf die Klemmen gesetzt, um darauf die Module zu befestigen.

Die Kupferfalzeindeckung ohne Module 
Die Kupferfalzeindeckung ohne Module
Die Kupferfalzeindeckung mit Modulen 
Die Kupferfalzeindeckung mit Modulen
 

Metalldach: Steifheit der Konstruktion vermeiden

Die Dachneigung des Metalldaches 
Die Dachneigung des Metalldaches

Gleichsam zur Errichtung der Gebäude mit der Zeit ist auch die Elektroanlage im Haus gewachsen. Sämtliche Leitungen und Verteilungen sind am Hausanschluss des Vordergebäudes angeschlossen, dieser ist mit 160 A ausgestattet, die Verteilung für 2 Wohngebäude und Hallen mit 125 A. Die Zähler des Vordergebäudes sind im Keller angebracht, in den hinteren Wohngebäuden, wie früher üblich, auf den Etagen selbst.

Für die Pizzeria werden zwei Ladeneinheiten separat genutzt. Eine Wohnung eines Bauherrn ist aus drei einzelnen zusammengelegt, dem anderen Bauherrn gehört eine Wohnung mit einem Zähler. D.h. die Eigentümer zahlen nun nur noch eine Zählergebühr statt wie zuvor vier Zählergebühren im Hinterhaus und zwei im Vorderhaus für zwei Wohnungen und eine Gewerbenutzung.

Die Bestandszähler waren, wie früher üblich, auf den Etagen, teilweise auf dem Hausflur. Das ist heute nicht mehr TAB konform. TABs sind die Technischen Anschlussbedingungen der Netzbetreiber. Wenn diese nicht eingehalten sind, muss der Netzbetreiber den Anschluss verweigern.

Da im Hinterhaus die Zähler auf den Etagen waren, mussten diese bzw. der Leitungsstrang nach unten und ins Vorderhaus verlegt werden. Dazu musste der Leitungsstrang erst gefunden und gemessen werden. 

Die Zähler der Wohnungen und der Gewerbeeinheiten wurden zusammengelegt, eine Wandlermessung errichtet und mit eichrechtskonformen Unterzählern versehen, um intern die Abrechnung zwischen den einzelnen Einheiten zu erleichtern. So können sie außerdem den eigenerzeugten Strom gleich verbrauchen und sparen sich Zählergebühren.

Photovoltaik und Mehrfamilienhaus

Zu Projektbeginn war es noch sehr komplex, in einem Mehrfamilienhaus Photovoltaikstrom an alle Wohneinheiten zu verteilen. Um den Photovoltaikstrom selbst verbrauchen zu können, musste die PV-Anlage an die entsprechenden Verbraucher angeschlossen werden. Damals gab es noch kein virtuelles Summenzählermodell (Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder Energy Sharing). Deshalb entschied sich der Bauherr, den Strom selbst zu nutzen.

Die Leitungen und die Befestigung 
Die Leitungen und die Befestigung

Bei acht Dachflächen auf drei Gebäuden in alle Himmelsrichtungen - auch auf der Nordseite - und unterschiedlichen Dachneigungen kommen beispielsweise viele kleine Wechselrichter, wie man sie von den Balkonsolaranlagen kennt, in Betracht. 

Bei dieser Variante wären lange AC-Leitungswege zum Einspeisepunkt notwendig gewesen, welche einen höheren Leistungsverlust haben als DC-Leitungen. Um diese Nachteile zu vermeiden, wurde für den Wechselrichter ein Typ gewählt, der mit Moduloptimierern den richtigen Arbeitspunkt für den Wechselrichter herausarbeitet, was bei den vielen Dachflächen und langen Leitungswegen die beste Lösung ist. 

Das Modulmonitoring durch die Moduloptimierer ist ein zusätzlicher Effekt, der die Anlagenwartung vereinfacht. Hier kann jedes Modul einzeln überwacht werden und zeigt z.B. die Leistung pro Modul an. Daher wurden die DC-Leitungen mit einer Drahtseilsicherung über den freigegebenen Kamin vom Dachgeschoss über fünf Stockwerke ins Untergeschoss geführt.

Ertrag der Photovoltaikanlage

Die Photovoltaikanlage ist seit Dezember 2025 in Betrieb und die installierte Leistung der Dachfläche beträgt 29,81 kWp. Der simulierte spezifische Jahresertragswert ist 950 kWh/kWp/a. Der spezifischen Jahresertragswert beschreibt die Anlageneffizienz. Eine Photovoltaikanlage, bei der die Module im Keller stehen, hat einen spezifischen Jahresertragswert von 0 kWh/kWp/a, die gleiche Anlage auf einem Münchener Süd-Dach mit 30° Dachneigung ohne Verschattung hat den Wert 1.200 kWh/kWp/a. Dieser Wert ist abhängig von Dachneigung, Dachausrichtung und geographischem Standort. Die Photovoltaikanlage in der Kaiserstraße mit 29,81 kWp produziert 28.300 kWh/Jahr.

Die Pizzeria hat mit den beiden Wohnungen einen Gesamtstromverbrauch von 37.000 kWh/a. Aktuell liegt der Eigenverbrauch bei über 60 %, der Stromverbrauch wird zu 40 % durch den Photovoltaikstrom abgedeckt.

Autoren: Dipl.-Ing.(FH) Lena Kehl und Kevin Bjarsch M.Sc.

Dipl.-Ing.(FH) Lena Kehl ist Geschäftsführerin des Ingenieurbüros Kehl in München und Mitglied im Ausschuss "Leben | Arbeit | Karriere" sowie in einigen Arbeitskreisen der Bayerischen Ingenieurekammer- Bau. Kevin Bjarsch M.Sc. ist Projektleiter im Ingenieurbüro Kehl.

Kooperation

Kein Ding ohne ING
In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau stellt die Bayerische Staatszeitung auf einer Sonderseite in regelmäßigen Abständen spannende Projekte von Mitgliedern der Ingenieurekammer-Bau vor.

Fotos: Ingenieurbüro Kehl


Download

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Staatszeitung.

Ihr Projekt in der Bayerischen Staatszeitung

Einmal im Quartal erscheint ein ganzseitiger Artikel über ein Projekt eines Mitgliedes der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau in der Bayerischen Staatszeitung. Auch Ihr Projekt kann dabei sein!

Alles, was Sie tun müssen, ist eine Mail an Sonja Amtmann, Pressereferentin der Kammer, zu schicken und kurz zu skizzieren, welches Projekt Sie gerne vorstellen möchten und was Ihr Projekt ausmacht.

Es gibt keinerlei Begrenzungen hinsichtlich des Fachgebietes. Auch kann das Bauvorhaben an jedem beliebigen Ort der Erde realisiert worden sein.

Einzige zwingende Voraussetzung ist, dass der Autor des Artikels Kammermitglied ist und das Projekt möglichst nicht älter als fünf Jahre ist.

Wenn noch Fragen offen sind...
... hat Sonja Amtmann, die Pressereferentin der Kammer, stets ein offenes Ohr für Sie. Rufen Sie an unter +49 (0) 89 419434-27 oder schicken Sie eine E-Mail an smtmnnbykd.


Die bisherigen Ausgaben unserer "Mitgliederprojekte-Seite"

Beitrag weiterempfehlen

Die Social Media Buttons oben sind datenschutzkonform und übermitteln beim Aufruf der Seite noch keine Daten an den jeweiligen Plattform-Betreiber. Dies geschieht erst beim Klick auf einen Social Media Button (Datenschutz).

5 gute Gründe für die Mitgliedschaft

Die Kammer auf Social Media

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei LinkedIn: #bayika-bau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auf Instagram #bayikabau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei Facebook @BayIkaBau   #BayIkaBau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei XING #bayerischeingenieurekammer-bau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei YouTube
 

Jetzt Newsletter abonnieren!

Newsletter abonnieren und immer auf dem Laufenden bleiben - Grafik: Web Buttons Inc /  Fotolia

Frage des Monats

Nutzen Sie den Newsletter der Ingenieurakademie Bayern?
Ja, ich lese den Newsletter regelmäßig
Ja, ich lese den Newsletter ab und zu
Nein, ich brauche keinen Newsletter

Frühere Ergebnisse

Sustainable Bavaria

Sustainable Bavaria

Nachhaltig Planen und Bauen

Klimaschutz - Nachhaltig Planen und Bauen

Netzwerk junge Ingenieur:innen

Netzwerk junge Ingenieur:innen

Frauennetzwerk ingenieurinnen@bayika

Frauennetzwerk ingenieurinnen@bayika

Werde Ingenieur/in!

www.zukunft-ingenieur.de

www.zukunft-ingenieur.de

Veranstaltungstipps

Veranstaltungstipps

Beratung und Service

Beratung und Serviceleistungen - Foto: © denisismagilov / fotolia.com

Planer- und Ingenieursuche

Planer- und Ingenieursuche - Die Experten-Datenbank im bayerischen Bauwesen

Für Schüler und Studierende

Infos für Schüler und Studierende - © Foto: Drubig Photo / Fotolia.com

Einheitlicher Ansprechpartner

Einheitlicher Ansprechpartner

Berufsanerkennung
Professional recognition

Berufsanerkennung

Gebäudeforum klimaneutral

Partner des Netzwerks „Gebäudeforum klimaneutral“

Digitaltouren - Digitalforen

Digitaltouren - Digitalforen - Jetzt kostenfei ansehen

Meine Bayika - Bayika-Portal

Anschrift

Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München