06.10.2026 - Hannover
Wie verändern Extremwetterereignisse die Rahmenbedingungen für Gebäude? In der VHV und IFB-Studie „Klimawandel und Extremwetterereignisse - Schadenentwicklung und Anforderungen an Wohngebäude“ wird auf Basis langjähriger Versicherungsdaten der VHV Allgemeine deutlich, wie sich Extremwetterschäden entwickeln und bereits in der Schadenrealität widerspiegeln. Die Studie zeigt zudem, welche Regionen in Deutschland besonders betroffen sind und welche Anforderungen daraus für widerstandsfähigere Gebäude entstehen.
Extremwetter zeigt sich in Deutschland zunehmend vielfältig: Stürme, Starkregen, Hagel, Hochwasser und Hitze treten intensiv und in Kombination miteinander auf - dies hat Folgen für die Planung und den Bau von Gebäuden, so die Ergebnisse der gemeinsamen Studie der VHV Allgemeine Versicherung AG mit dem Institut für Bauforschung e.V. (IFB).
In den Jahren 2013, 2022 und 2023 verursachten großflächige Hagelereignisse erhebliche Sachschäden, beispielsweise an Häusern und Autos; 2018 führte Orkan Friederike zu Sturmschäden, während gleichzeitig eine Dürreperiode begann, die bis ins Jahr 2020anhielt. Im Sommer 2021 folgten auf Hitzewellen schwere Gewitter mit Sturmböen, Starkregen und Hagel sowie die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. 2022 prägten zudem schwere Gewitterlagen mit sogenannten Superzellen das Schadengeschehen, während langanhaltende Regenfälle Weihnachten 2023 in Niedersachsen und im Frühsommer 2024 in Bayern und Baden-Württemberg zu Überflutungen führten.
„Mit unserer Studie machen wir darauf aufmerksam, wie stark Gebäude durch Extremwetter gefährdet sind und wie wichtig Prävention und die richtige Absicherung der Risiken zunehmend werden. Extremwetterereignisse verursachen nicht nur Schäden an Dächern, Fassaden und Kellern von Gebäuden – häufig ist auch die gesamte Gebäudetechnik betroffen. Gleichzeitig beobachten wir auch in der Kfz-Versicherung vermehrt Kumulschadenereignisse infolge von Hagel, Sturm, Hitze, Trockenheit, Starkregen und Überschwemmungen“, so Dr. Sebastian Reddemann, Sprecher des Vorstandes der VHV Allgemeine Versicherung AG.
Länger anhaltende oder rasch aufeinanderfolgende Extremwetterlagen können Schadenwirkungen verstärken und komplexe Schadenzusammenhänge auslösen.
Die Studie zeigt, dass Sturm, Hagel, Starkregen, Hitze und Überschwemmungen die Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb deutlich verändern. Widerstandsfähige Gebäude- und Quartierskonzepte rückendaher stärker in den Fokus – von hagelresistenteren Materialien über bessere Entwässerung und Regenwasserrückhaltung bis hin zu wirksamem Hitzeschutz.
„Unser Anspruch als führender Versicherer der Bauwirtschaft ist es, Risiken nicht nur zu versichern, sondern Schäden möglichst frühzeitig zu erkennen und im besten Fall zu vermeiden. Mit der Extremwetterstudie rücken wir deshalb das Thema Prävention in den Vordergrund. Die Studienergebnisse bieten eine wichtige Grundlage, um die Auswirkungen von Extremwettereignissen auf Gebäude zu verstehen und daraus Maßnahmen für langfristig funktionsfähige Gebäudeabzuleiten“, erklärt Dr. Sebastian Reddemann.
Nicht nur einzelne Extremereignisse, sondern auch viele kleine lokale Schadenereignisse prägen die Gesamtbilanz. Während Sturm und Hagel besonders häufig auftreten, verursachen Elementargefahren wie Starkregen, Rückstau, Überschwemmung oder Schneedruck zwar seltener Schäden, können im Einzelfall aber besonders teuer werden.
Neben einzelnen Ereignissen wie Sturm, Hagel oder Starkregen gewinnen komplexe Schäden an Bedeutung, bei denen mehrere Einwirkungen zusammenkommen oder aufeinander folgen – etwa Starkregen mit Rückstau, Überflutung, Hagel und Sturmböen. Dadurch steigen die Anforderungen an Gebäudehülle, Kellerbereiche und technische Anlagen. Die Studie unterscheidet dabei zwischen Schäden durch Sturm, Hagel, Blitz und Frost sowie durch die zusätzlich versicherbaren Elementargefahren wie Starkregen, Überschwemmung oder Schneedruck.
Während Sturmschäden traditionell vor allem im Winterhalbjahr auftraten und Hagel- sowie Blitzschäden die Sommermonate prägten, zeigen die Jahre 2023 und 2024 auch hier deutliche Verschiebungen: Sturmschäden nahmen auch im Sommer zu, Hagelschäden verlagerten sich stärker zum Sommerende in den August und lagen zuletzt deutlich über dem langjährigen Mittel. Auch regional zeigten sich neue Muster – mit zusammenhängenden Zonen erhöhter Sturmaktivität und einer stärkeren Betroffenheit süddeutscher Regionen bei wasserbedingten Schäden.
Die soeben erschienene Studie „Klimawandel und Extremwetterereignisse - Schadenentwicklung und Anforderungen an Wohngebäude“ basiert auf Schadenstatistiken der VHV Allgemeine Versicherung AG zu Schadenmeldungen der Wohngebäude- (inkl. Elementar-) und Bauleistungsversicherung ab 2002 in Deutschland sowie auf Daten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) ab 1970. Diese detaillierten Zeitreihen erlauben eine differenzierte Betrachtung von Schadenhäufigkeiten, Schadenhöhen sowie deren zeitlicher Entwicklung. Berücksichtigt wurden ausschließlich gemeldete und versicherte Schäden. In der Regel entspricht in der Wohngebäudeversicherung ein Vertrag auch einem versicherten Gebäude. Deswegen können die Kennzahlen auch je Gebäude interpretiert werden.
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Quelle und Fotos: VHV Gruppe
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