22.09.2026 - Berlin
Eine breite Verbändeallianz aus Eigentümervertretern, Immobilienwirtschaft, Handwerk und Bauindustrie, die die ganze Wertschöpfungskette der Bau- und Gebäudewirtschaft vertritt, fordert in einem offenen Brief vom 21.09.2026 an die Abgeordneten des deutschen Bundestags: Die Emissions-Einnahmen sollen im Klima- und Transformationsfonds (KTF) verbleiben, damit Eigentümer und Unternehmen sicher langfristig planen können. Der Verbändeallianz gehören u. a. die Bundesingenieurkammer, die Bundesarchitektenkammer sowie Haus und Grund an.
Im von der Bundesregierung vorgelegten Haushaltsentwurf für 2027 fließen Einnahmen in Milliardenhöhe aus dem Europäischen Emissionshandel (ETS I) nicht wie vorgesehen in den KTF, um über Förderprogramme private Investitionen zu ermöglichen. Stattdessen sollen sie Lücken im Kernhaushalt füllen. Dies läuft der Ankündigung der Bundesregierung zuwider, bei der Gebäudeförderung auf Kontinuität zu setzen und sie bis zum Ende der Legislaturperiode verlässlich und auskömmlich auszustatten.
Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer: „Wenn KTF-Mittel nicht für ihre eigentlichen Zwecke eingesetzt werden und notwendige Sanierungen ausbleiben, verschieben wir die Kosten lediglich in die Zukunft. Die Klimafolgekosten werden die Gesellschaft langfristig deutlich stärker belasten. Gerade weil der Gebäudesektor seine Klimaziele weiterhin verfehlt, brauchen wir verlässliche Fördermittel für die energetische Sanierung des Gebäudebestands.“
„Der Gebäudesektor kann wieder zum Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft werden. Die verfügbaren Fördermittel im KTF sind zentral, um den Markt nach langer Unsicherheit wieder zu aktivieren. Insbesondere die BEG sorgt dafür, dass viele Projekte bei den aktuell hohen Zinsen leistbar bleiben. Ein Modernisierungsturbo kann aber nur zünden, wenn sicher ist, dass die Mittel im Gebäudebereich verlässlich zur Verfügung stehen.“, so Henning Ellermann, Geschäftsführender Vorstand der DENEFF (Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V.).
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist das zentrale Investitionsprogramm im KTF. Die Fördermittel für Gebäudemodernisierung sorgen für einen sinkenden und nachhaltigen Energieverbrauch. Dies stärkt die Energiesicherheit für jeden Bürger, der sein Gebäude modernisiert. Aber auch für ganz Deutschland, das weniger abhängig von Energieimporten wird.
Zusätzlich ist die BEG ein Jobmotor: Die energetische Gebäudemodernisierung sichert 600.000 Arbeitsplätze und 2,5 Prozent des BIP. In allen Regionen löst die BEG massive Modernisierungsinvestitionen aus. Jeder Fördereuro des Staates löst vier Euro private Investitionen aus, die zumeist lokale Wertschöpfung und Beschäftigung vor Ort sichern.
„Die ganze Branche hat aufgeatmet, als mit der BEG-Reform langfristige Stabilität angekündigt wurde. Dieses Versprechen muss jetzt gehalten werden.“, so Henning Ellermann.
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Der Verbändebrief im Wortlaut:
Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages, sehr geehrte Damen und Herren,
bitte verhindern Sie die Verschiebung der ETS-Einnahmen in den Kernhaushalt und ermöglichen Sie eine BEG-Mittelausstattung, die mehr angereizte private Investitionen ermöglicht. Damit würden Sie:
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist das wichtigste Investitionsprogramm im Klima- und Transformationsfonds. Sie ist nicht nur die zentrale Maßnahme für mehr Klimaresilienz und Energiesicherheit, sondern mit einem Förderhebel von mehr als 1:4 auch ein äußerst effektives Instrument, um technologieübergreifend und mit großer Breitenwirkung in allen Regionen des Landes dringend benötigte private Modernisierungsinvestitionen anzureizen. Ein erheblicher Teil der 600.000 Arbeitsplätze und der 2,5 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts, die auf die energetische Gebäudemodernisierung zurückgehen, werden durch die BEG mit stabilisiert. Durch Wachstum, hohe lokale Wertschöpfung und Beschäftigungssicherung kommen die eingesetzten BEG-Mittel damit auch wieder den öffentlichen Haushalten und den Sozialversicherungen zugute. Überdies wird das Risiko teurer Klima-Ausgleichszahlungen auf EU-Ebene verringert. Diese Gelder verlöre die deutsche Volkswirtschaft.
Die unterzeichnenden Verbände begrüßen deshalb, dass die Bundesregierung bis 2030 insgesamt ca. 44 Milliarden Euro für die BEG vorgesehen hat. Allerdings beobachten wir mit Sorge, dass die jährlichen Mittelansätze für die BEG ab 2028 deutlich sinken sollen, obwohl für die Zielerreichung wie die Binnenkonjunktur deutlich steigende Investitionen benötigt werden. Für den KTF ist zudem im Entwurf des Wirtschaftsplans ab 2027 eine in den nominalen Programmmitteln nicht abgebildete, globale Minderausgabe und eine Mittelverschiebung von 2,7 Milliarden Erlösen aus dem Europäischen Emissionshandel (ETS-1) in den Kernhaushalt geplant. Die auf EU-Ebene zur Diskussion stehenden Reformen von ETS-1 und ETS-2 setzen die Einnahmeseite des KTF perspektivisch weiter unter Druck.
Mit ihrem Bekenntnis zur BEG hat die Bundesregierung die entscheidende Rolle von Verlässlichkeit und Planungssicherheit für Investitionen von Unternehmen sowie Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern erkannt. Dieses Versprechen kann sie jedoch nur einlösen, wenn die Einnahmen aus dem Emissionshandel langfristig klar und konsistent den investiven Programmen im KTF zugeordnet bleiben. Werden dem KTF Einnahmen entzogen, gerät die künftige Ausfinanzierung essenzieller Förderprogramme wie der BEG ins Wanken. Bereits diese Unsicherheit bremst dringend gebrauchte Investitionen, die längere Planungsvorläufe haben, denn die BEG ist der zentrale Ermöglicher für die Leistbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Projekten.
Die Einnahmen des Emissionshandels müssen vollständig dafür verwendet werden, möglichst schnell die CO2-Belastung zu senken, Energieimporte und Krisenanfälligkeit zu reduzieren und somit auch den künftigen öffentlichen Mitteleinsatz zur Energiepreisstabilisierung zu senken.
Wir bitten Sie deshalb eindringlich, sich im Zuge der laufenden Verhandlungen zum Bundeshaushalt 2027 für die vollständige Zuführung der ETS-Einnahmen in den KTF und eine Mittelausstattung der BEG einzusetzen, mit der die Modernisierung des Gebäudebestands zum echten Konjunkturmotor werden kann.
Quelle und Grafik: Bundeingenieurkammer
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