31.07.2026 - München
Klimaschutz beginnt nicht erst auf der Baustelle, sondern auch im eigenen Büroalltag. In der aktuellen Kammerkolumne in der Bayerischen Staatszeitung zeigt Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Edelhäuser, warum Klimaneutralität für Ingenieurbüros mehr ist als eine freiwillige Zusatzaufgabe - und wie die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ihre Mitglieder auf dem Weg zum klimaneutralen Ingenieurbüro künftig mit einem Online-Tool bei der Analyse und Reduzierung ihrer CO₂-Emissionen unterstützt.
Der Einsatz für den Klima- und Ressourcenschutz ist der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau schon lange ein wichtiges Anliegen. Als Ingenieurinnen und Ingenieure wissen wir, wie wir Gebäude möglichst ressourcenschonend errichten oder instand setzen und auch so gestalten können, dass der Gebäudebetrieb möglichst emissionsarm sichergestellt werden kann - völlig unabhängig davon, wie sich die gesetzlichen Anforderungen darstellen.
Verschiedene Statistiken zeigen, dass sich das Interesse in der Bevölkerung diesbezüglich in den letzten Jahren verändert hat. Während das Thema Klimaschutz noch im Jahr 2019 eine massive Medienaufmerksamkeit zeigte, wurde es dann durch andere Krisen etwas in den Hintergrund gedrängt. Zwar bleibt das Thema für einen Großteil der deutschen Bevölkerung sehr wichtig, gleichzeitig ist aber auch eine gewisse „Klimamüdigkeit“ zu spüren.
Preisschwankungen, Versorgungsengpässe und die Notwendigkeit strategischer Unabhängigkeit machen deutlich: Wer heute CO₂-Emissionen senkt, stärkt nicht nur das Klima, sondern auch die Resilienz was die eigene Energieversorgung betrifft. Klimaneutralität ist damit schon lange keine bloße Marketingfloskel mehr, sondern eine zentrale unternehmerische und gesellschaftliche Aufgabe.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das klimaschonende Bauen zu bewerben, sondern will auch ihre Mitglieder dahingehend sensibilisieren, wie in den Unternehmen Emissionen reduziert werden können.
Ein klimaneutrales Ingenieurbüro beginnt
im Kleinen,
im Alltag des Bürolebens.
Die meisten Emissionen eines typischen Dienstleistungsunternehmens entstehen nicht durch spektakuläre Prozesse, sondern durch banale Routinen: Pendeln der Mitarbeitenden, Heizen und Kühlen der Räume, Stromverbrauch von Rechnern und Servern, Dienstreisen sowie die Beschaffung von Material und Verbrauchsgütern.
Studien zeigen, dass der Gebäudebetrieb und die Mobilität zusammen oft über zwei Drittel der direkten und indirekten Emissionen ausmachen. Hier anzusetzen, ist machbar, wirtschaftlich sinnvoll und kann einen enormen Beitrag zum Klimaschutz darstellen.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau gibt ihren Mitgliedern ab September die Möglichkeit, über ein Online-Tool das eigene Unternehmen hinsichtlich der CO2-Emissionen zu bewerten und in diesem Zuge herauszufinden, wo die wichtigsten Stellschrauben zur Verbesserung liegen.
Es geht dabei nicht um eine Benchmark oder um einen „erhobenen Zeigefinger“. Die regionale Lage der Ingenieurunternehmen sowie auch deren Tätigkeitsfelder sind signifikante Einflussgrößen, die sich letztendlich auf die CO2-Emissionen pro Mitarbeiter und Jahr auswirken. Es sollen und dürfen sich keine negativen Bewertungen ergeben, wenn ein Büro beispielsweise im ländlichen Raum mit ungünstigen ÖPNV-Anbindungen tätig ist und gleichzeitig womöglich auf Grund des Tätigkeitsfeldes lange Wegstrecken mit Firmenfahrzeugen zurückgelegt werden müssen.
Das Tool gibt die
Möglichkeit, die gegenwärtigen
Emissionen zu analysieren und dabei aufzuzeigen,
wo es Verbesserungspotential gibt.
Vergleichbar sind dann ggf. die Entwicklungen eines Unternehmens, wenn Verbesserungen umgesetzt werden und eine erneute Analyse, die entsprechenden Ergebnisse liefern.
Neben der Möglichkeit der Bilanzierung des Unternehmens stellt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auch weiterführende Informationen, beispielsweise zur Mitarbeitersensibilisierung zur Verfügung. Auch das sind wichtige Instrumente, das eigene Ingenieurbüro in den Bereich der Klimaneutralität zu lenken und damit nicht nur einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sondern letztendlich die eigenen Energiekosten in den gegenwärtig sehr turbulenten Zeiten so weit wie möglich zu reduzieren.
www.bayika.de/de/klimaschutz/klimaneutrales-ingenieurbuero.php
Kolumne von Dipl.-Ing. (FH) Klaus-Jürgen Edelhäuser, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 31.07.2026
Kolumne zum Download
Die Bayerische Ingenieurekammer veröffentlicht einmal im Monat eine Kolumne zu aktuellen Themen in der Bayerischen Staatszeitung. Hier nehmen die Mitglieder des Vorstands der Kammer Stellung zu Themen aus Bauwesen, Politik und Gesellschaft.
Hier haben wir Ihnen alle Kolumnen zum Lesen oder als Download bereitgestellt.
Foto: Tobias Hase
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