29.07.2026 - Berlin
Deutschland erlebt erneut eine Hitzewelle mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Dazu kommen immer häufiger Tropennächte, in denen sich Gebäude kaum noch abkühlen. Die Folgen reichen von schlaflosen Nächten bis hin zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen insbesondere für ältere Menschen, Kinder und chronisch Erkrankte. Eine neue Broschüre der Bundesingenieurkammer zeigt, wie sich Wohnräume auch ohne aufwendige Technik wirksam vor Überhitzung schützen lassen, bündelt leicht umsetzbare Empfehlungen für den Alltag und erläutert zugleich verständlich die bauphysikalischen Hintergründe.
„Viele Menschen wissen, dass sie Rollläden schließen oder nachts lüften sollten. Weshalb diese Maßnahmen besonders wirksam sind, wird jedoch selten erklärt“, sagt der Initiator der Broschüre, Dipl.-Ing. (FH) Friedhelm Maßong. „Wer die physikalischen Zusammenhänge versteht, kann sein Gebäude deutlich effektiver vor Hitze schützen.“
Die Broschüre unterscheidet sich damit bewusst von klassischen Hitzeratgebern. Statt allgemeiner Verhaltensempfehlungen vermittelt sie Ingenieurwissen in verständlicher Sprache.
So erfahren die Leserinnen und Leser beispielsweise,
Der Leitfaden zeigt außerdem, dass sich bereits mit einfachen Maßnahmen erhebliche Verbesserungen erzielen lassen. An erster Stelle steht dabei immer, möglichst wenig Sonnenwärme in das Gebäude gelangen zu lassen. Erst wenn passive Maßnahmen wie Verschattung und richtige Lüftung nicht ausreichen, sollten technische Kühllösungen in Betracht gezogen werden.
„Mit dem Klimawandel wird der sommerliche Wärmeschutz vor allem für den bestehenden Gebäudebestand zu einer dauerhaften Aufgabe“, erklärt Friedhelm Maßong, Vorsitzender des Arbeitskreises Nachhaltigkeit und Energie der Bundesingenieurkammer. „Viele wirksame Maßnahmen kosten wenig oder gar nichts. Entscheidend ist, sie richtig anzuwenden.“
Die Bundesingenieurkammer möchte mit der Broschüre einen Beitrag dazu leisten, die Bevölkerung über wirksamen Hitzeschutz aufzuklären.
Download
Die Broschüre „Kühle Räume trotz Sommerhitze - Ratgeber der Bundesingenieurkammer für wirksamen Hitzeschutz in Wohngebäuden“ steht ab sofort kostenlos zum Download zur Verfügung.
Herr Maßong, Deutschland erlebt derzeit erneut außergewöhnlich heiße Wochen. Warum gewinnt das Thema Hitzeschutz gerade jetzt so stark an Bedeutung?
Die Sommer verändern sich spürbar. Früher waren einzelne heiße Tage eher Ausnahmen. Heute erleben wir immer häufiger längere Hitzeperioden mit mehreren Tagen über 30 Grad und Nächten, in denen sich Gebäude kaum noch abkühlen können. Genau das ist das eigentliche Problem. Gebäude speichern die Wärme in ihren Bauteilen. Wenn sie nachts nicht ausreichend auskühlen, steigen die Temperaturen in den Innenräumen von Tag zu Tag weiter an. Das beeinträchtigt nicht nur den Wohnkomfort, sondern kann insbesondere für ältere Menschen, Kinder oder gesundheitlich vorbelastete Personen zu einer erheblichen Belastung werden.
Es gibt bereits viele Ratgeber zum richtigen Verhalten bei Hitze. Was macht Ihre Broschüre anders?
Die meisten Ratgeber beschränken sich auf Empfehlungen wie „Rollläden schließen“, „nachts lüften“ oder „viel trinken“. Das ist selbstverständlich richtig. Uns ging es jedoch darum, einen Schritt weiter zu beraten.
Wir erklären die ingenieurtechnischen und bauphysikalischen Zusammenhänge hinter diesen Empfehlungen. Wer versteht, warum eine Maßnahme funktioniert, kann sie deutlich gezielter einsetzen. Warum wirkt außenliegender Sonnenschutz wesentlich besser als ein Vorhang? Weshalb bringt Lüften tagsüber oft genau das Gegenteil des Gewünschten? Warum kühlt ein Ventilator den Menschen, aber nicht den Raum? Diese Fragen beantworten wir verständlich und ohne unnötigen Fachjargon. Genau darin unterscheidet sich die Broschüre von klassischen Hitzeschutz-Ratgebern.
Welche Maßnahme ist aus ingenieurtechnischer Sicht die wichtigste?
Ganz klar: Die Sonne gar nicht erst ins Gebäude zu lassen.
Jede Wärmemenge, die nicht durch das Fenster gelangt, muss später auch nicht mühsam wieder heruntergekühlt werden. Deshalb ist außenliegender Sonnenschutz die mit Abstand wirksamste Einzelmaßnahme. Rollläden, Raffstores oder Markisen halten die Sonnenstrahlung bereits vor der Scheibe zurück. Innenliegende Rollos oder Vorhänge können die bereits eingedrungene Wärme dagegen nur noch begrenzt aufhalten.
Viele Menschen öffnen tagsüber die Fenster, weil sich frische Luft zunächst angenehm anfühlt. Warum ist das oft kontraproduktiv?
Weil Lüften nur dann kühlt, wenn die Außenluft tatsächlich kälter ist als die Luft im Gebäude. An heißen Sommertagen ist das tagsüber meist nicht der Fall.
Die kühlsten Stunden liegen kurz vor Sonnenaufgang. Genau dann sollte möglichst intensiv gelüftet werden – idealerweise durch Querlüftung. Tagsüber reicht dagegen kurzes Stoßlüften aus, um frische Luft hereinzulassen, ohne das Gebäude zusätzlich aufzuheizen.
Ein interessanter Tipp in der Broschüre ist der Einsatz eines Ventilators vor dem Fenster. Warum funktioniert das?
Das ist ein einfacher physikalischer Effekt. Wird ein Ventilator so aufgestellt, dass er warme Luft nach außen bläst, entsteht im Gebäude ein leichter Unterdruck. Dadurch strömt über andere geöffnete Fenster kühlere Außenluft nach. So lässt sich die nächtliche Auskühlung deutlich beschleunigen – besonders dann, wenn kaum Wind vorhanden ist.
Klimageräte erleben derzeit einen Boom. Sind sie die beste Lösung?
Sie können sinnvoll sein – aber erst dann, wenn die passiven Maßnahmen ausgeschöpft sind.
Split-Klimageräte arbeiten technisch am effizientesten und bieten die höchste Kühlleistung. Mobile Monoblockgeräte sind zwar flexibel, arbeiten jedoch deutlich weniger effizient, weil durch den Abluftschlauch ständig warme Außenluft nachströmt. Viele sogenannte Luftkühler werden zudem mit Erwartungen beworben, die sie physikalisch gar nicht erfüllen können. Auch das erläutern wir ausführlich in der Broschüre.
Welche Rolle spielen Ingenieurinnen und Ingenieure beim sommerlichen Wärmeschutz?
Eine sehr große. Sommerlicher Wärmeschutz beginnt bereits bei der Planung von Gebäuden – etwa durch die richtige Ausrichtung, geeignete Verschattung oder die Wahl der Bauteile. Aber auch im Gebäudebestand können Ingenieurinnen und Ingenieure mit ihrem Fachwissen dazu beitragen, vorhandene Gebäude an die zunehmenden Hitzebelastungen anzupassen.
Die Broschüre zeigt deshalb nicht nur einfache Alltagstipps, sondern vermittelt zugleich das technische Verständnis dahinter. Das hilft den Menschen, fundierte Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen richtig einzuordnen.
Was wünschen Sie sich, nachdem Leserinnen und Leser die Broschüre gelesen haben?
Dass sie erkennen: Gegen Hitze lässt sich oft schon mit einfachen Mitteln sehr viel erreichen.
Man braucht nicht sofort eine Klimaanlage. Häufig reichen konsequente Verschattung, richtiges Lüften und einige wenige zusätzliche Maßnahmen aus, um die Raumtemperatur spürbar zu senken. Wenn die Menschen außerdem verstehen, warum diese Maßnahmen funktionieren, können sie sie dauerhaft und deutlich wirksamer anwenden. Genau dieses Verständnis möchten wir mit der Broschüre vermitteln.
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Quelle: Bundesingenieurkammer (BIngK), Fotos: BIngK, privat, BIng, privat
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