01.06.2026 - Bonn / Braunschweig
Viele Bauprojekte in Deutschland laufen noch immer in klassischen Strukturen: getrennte Zuständigkeiten, unterschiedliche Interessen, hoher Abstimmungsaufwand. Die Folgen sind oft Verzögerungen, Konflikte und Mehrkosten. Im Forschungsprojekt „PartnerING“ der TU Braunschweig wurde jetzt ein Leitfaden mit 62 Partnerschaftselementen entwickelt, die sich in konventionell abgewickelte Bauvorhaben integrieren lassen – ohne ein komplett neues Modell einzuführen.
Das Forschungsprojekt der Technischen Universität Braunschweig hat untersucht, wie sich Elemente partnerschaftlicher Projektmodelle auch in konventionell abgewickelte Bauvorhaben integrieren lassen. Hierzu wurden Ansätze, Maßnahmen und Methoden identifiziert, durch die die Zusammenarbeit im Projektalltag verbessert und Projekte strukturierter und transparenter gesteuert werden.
Der im Forschungsprojekt „PartnerING“ entwickelte Leitfaden zeigt dafür 62 Partnerschaftselemente auf. Dabei handelt es sich um organisatorische, vertragliche oder kommunikative Maßnahmen, die das gemeinsame Arbeiten in Bauprojekten unterstützen sollen. Einzelne Beispiele sind eine gemeinsame Zieldefinitionen, Frühwarnsysteme bei Risiken, Teambuildingmaßnahmen oder Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktlösung.
Die Elemente wurden vier Handlungsbereichen zugeordnet:
Der Leitfaden richtet sich insbesondere an Projektbeteiligte in der Phase der Vertragsgenese, die eine konventionelle Projektabwicklung bevorzugen. Das Dokument zeigt in verständlicher Form auf, welche Elemente sich dort grundsätzlich anwenden lassen und welche Voraussetzungen dafür erforderlich sind. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Einführung eines vollständig neuen Projektmodells, sondern die gezielte Ergänzung bestehender Strukturen.
Grundlage der Untersuchung waren umfangreiche Literaturanalysen, die Auswertung bestehender Projektmodelle sowie eine Onlinebefragung mit 424 Beteiligten aus Hoch-, Ingenieur- und Straßenbau. Ergänzend wurden Expertenworkshops durchgeführt und die Ergebnisse juristisch geprüft.
Der Leitfaden versteht sich ausdrücklich als praktische Orientierungshilfe. Im Sinne einer Diskussions- und Gestaltungsgrundlage werden Projektbeteiligte dabei unterstützt, frühzeitig geeignete Instrumente für Zusammenarbeit, Kommunikation und Konfliktbewältigung auszuwählen und projektspezifisch einzusetzen.
„Es ist die Herausforderung unserer Zeit, den dynamischen Prozess des Baugeschehens neu zu denken und hierfür geeignete Grundlagen zu schaffen“, betont Prof. Patrick Schwerdtner vom Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb der Technischen Universität Braunschweig.
Das Forschungsprojekt wurde im Innovationsprogramm Zukunft Bau vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gefördert. Das BBSR begleitete und betreute das Programm fachlich.
Download
Transferbericht: Zukunft Bau –Forschung KOMPAKT 2/2026
Weitere Informationen
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/forschung-kompakt/2026/fk-02-2026.html
https://www.zukunftbau.de/projekte/forschungsfoerderung/1008187-2427
Partnerschaftselemente sind in alternativen Projektabwicklungsmodellen fest verankert. In konventionellen Projekten fehlt es häufig an Informationen über deren Integration, sodass meist tradierte Methoden genutzt werden. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde daher ein Leitfaden entwickelt, der kollaborationsfördernde Elemente in konventionelle Modelle überträgt. Grundlage bildete die Definition und Abgrenzung relevanter Projektabwicklungsmodelle: Vergaben an Einzelunternehmen, Generalunternehmen (GU) und Generalübernehmer (GÜ) mit und ohne Ausführungsplanung, Totalunternehmen (TU), Totalübernehmer (TÜ), Partnering und die Integrierte Projektabwicklung.
In einer systematischen Literaturrecherche wurden Partnerschaftselemente identifiziert und in vier Handlungsbereiche kategorisiert: Vertrag und Vergütung, Organisation und Technologie, Kultur und Soziales sowie Streitbeilegung und Kommunikation. Für jedes Element wurden deren Funktion und erforderliche außerfachliche Kompetenzen herausgearbeitet. Ergänzend erfolgten eine Onlinebefragung mit 424 Teilnehmenden, zwei Expertenworkshops sowie eine juristische Validierung.
Der daraus entwickelte Leitfaden stellt die 62 Partnerschaftselemente, deren Nutzen und Anwendbarkeit in konventionellen Projektmodellen dar. Er soll Bauakteuren helfen, Partnerschaftselemente frühzeitig zu diskutieren, strukturiert umzusetzen und dadurch Projektkultur, Zusammenarbeit und Zielerreichung zu verbessern.
Wissenschaftliche Begleitung
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Referat WB 3 „Forschung und Innovation im Bauwesen“
Wencke Haferkorn, Anne Bauer
zbbbrbndd
Autorinnen und Autoren
Technische Universität Braunschweig, Institut für Bauwirtschaft und
Baubetrieb
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Patrick Schwerdtner, Sophia Nadine Behrens, Axel Fricke
Dieses Werk ging aus folgendem Forschungsbericht hervor:
Schwerdtner, P.; Behrens, S. N.; Fricke, A., 2025: PartnerING – Integration
kollaborationsfördernder Elemente in Bauprojekte. Forschungsbericht.
Braunschweig.
Die Veröffentlichung ist ein Ergebnis des Projekts PartnerIng.
Herausgeber: BBSR
Reihe: Forschung KOMPAKT
Ausgabe: 2/2026
Erschienen: 2026
ISSN: 2944-067X DOI:
https://doi.org/10.58007/8n1c-6x28
Seitenzahl: 17
Quellen: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung BBSR, Technische Universität Braunschweig, Fotos: Symbolbild Forschungsvorhaben PartnerING © Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb IBB / Technische Universität Braunschweig, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung BBSR
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