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Ausbau erneuerbarer Energien: Wertschöpfung in den Regionen könnte sich bis 2033 verdoppeln

Studie "Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien"

24.04.2026 - Berlin

Deutsche Städte und Landkreise können ihre Einnahmen aus erneuerbaren Energien mehr als verdoppeln, wenn sie die Ausbauziele für Wind- und Solaranlagen erreichen: von heute 5,5 auf 12,4 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2033. Das belegt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Studienautor*innen empfehlen Bund und Ländern, es den Kommunen durch Beratung und Informationen sowie durch geeignete Rahmenbedingungen zu ermöglichen, ihre regionalwirtschaftlichen Möglichkeiten besser auszuschöpfen.

Das Projekt zeigt mit Modellierungen für alle rund 400 deutschen Landkreise und Städte sowie Analysen erfolgreicher Praxisbeispiele in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern, dass erneuerbare Energien die Regionen in Zeiten von Energiekrisen nicht nur unabhängiger bei ihrer Energieversorgung machen: Vor allem ländliche Regionen mit entsprechenden Flächenpotenzialen profitieren von der lokalen Energieerzeugung – mit mehr Steuereinnahmen, neuen Arbeitsplätzen und Gewinnen ansässiger Unternehmen. Sie erhalten dadurch größere finanzielle Spielräume etwa für bessere Infrastruktur.

Nicht alle Landkreise profitieren bisher gleich: Die Forschenden ermittelten Unterschiede bei den Wertschöpfungseffekten, die sich etwa in einem Nord-Süd-Gefälle der Windenergiepotenziale aufgrund besserer Windverhältnisse im Norden ausprägen. Aber süddeutsche Landkreise zeigen, dass Erneuerbare auch dort ausgebaut werden können und regionalwirtschaftliche Konzepte Vorteile bringen.

Zehn Milliarden Euro Wertschöpfung – mehr als die Hälfte bleibt vor Ort

Die Studie „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien“ präsentiert Ergebnisse, die auf Modellrechnungen sowie der Analyse von Praxisbeispielen beruhen. „Überall in Deutschland gibt es bereits Pionierregionen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur unterstützen, sondern als strategischen Hebel für ihre eigene Entwicklung nutzen. Diese Vorbilder zeigen, was möglich ist. Wenn die Regionen voneinander lernen, wird die Energiewende für alle zum wirtschaftlichen Gewinn“, so Dr. Frederick Sixtus,Co-Autor der Studie und Projektkoordinator am Berlin-Institut.

Wind- und Solarenergie erzeugten 2023 bundesweit zehn Milliarden Euro direkte Wertschöpfung und rund 51.000 Vollzeitarbeitsplätze. Davon verblieben als regionale Effekte bis zu 5,5 Milliarden Euro (55 Prozent) direkt in den Standortregionen. Erreicht Deutschland seine Ausbauziele erneuerbarer Energien, kann die direkte Wertschöpfung auf etwa 21 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2033 steigen, die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze auf 101.600. Mit entsprechend notwendigen Anreizen auf dem Arbeitsmarkt für Fachkräfte kann das auch in dünn besiedelten, ländlichen Regionen gelingen, so die Einschätzung der Forschenden. Rund 12,4 Milliarden Euro würden in dem Szenario vor Ort bleiben und könnten so gezielt zur Entwicklung strukturschwacher Regionen beitragen.

Weil ein Teil – vor allem der Großanlagen – nicht lokalen Akteuren, sondern externen Investoren gehört, fließt allerdings knapp die Hälfte der Gewinne aus den Standortregionen ab. „Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt und mehr Anwohner*innen von der Energiewende profitieren. Das kann außerdem die Akzeptanz erhöhen“, betont Dr. Steven Salecki,Co-Autor der Studie und Volkswirt am IÖW.

Neue wirtschaftliche Handlungsspielräume für Kommunen

Auch jenseits der direkten Effekte treibt der Ausbau erneuerbarer Energien die regionale Wirtschaft an – gerade in ländlichen Räumen. Die Analysen des Forschungsteams und Erfahrungen der Beispielgemeinden Dardesheim (Sachsen-Anhalt), Feldheim (Brandenburg), Lichtenau (Nordrhein-Westfalen), Wilstedt (Niedersachsen) und Wunsiedel (Bayern) zeigen, welche Vorteile die lokale Wertschöpfung für Kommunen hat:

  • Wirtschaftsmotor vor Ort: 
    In Vorreiter-Regionen gehen bis zu zehn Prozent des Wirtschaftswachstums der letzten zehn Jahre auf den Ausbau der Grünstrom-Infrastruktur zurück. Ein Beispiel: Technische Dienstleister siedeln sich an und entfalten über den Betrieb und die Wartung der Erneuerbaren-Anlagen hinaus ein regionales Geschäft. Zudem ist die Verfügbarkeit von grünem Strom zunehmend ein Standortkriterium für Unternehmen. Dabei zählt weniger der direkte Draht zum Windrad nebenan, sondern ein hoher Grünstrom-Anteil im Netz bei maximaler Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähigen Preisen.

  • Volle Gemeindekassen für soziale Infrastruktur: 
    In manchen Landkreisen ist der Erneuerbaren-Ausbau für bis zu vier Prozent der gestiegenen Steuereinnahmekraft der letzten zehn Jahre verantwortlich. Das zeigt: Gewerbesteuern, Pachteinnahmen, Gewinnbeteiligung nach § 6 EEG, Einnahmen aus Beteiligungen an Betreibergesellschaften oder dem Betrieb durch kommunale Stadtwerke schaffen neue finanzielle Spielräume. Diese ermöglichen unter anderem höhere Kita-Quoten und eine beschleunigte Breitbandversorgung. „Der Ausbau erneuerbarer Energien kann vor Ort nicht nur wirtschaftliche Impulse setzen, sondern kommt auch der Stadtkasse zugute, sodass alle Bürger*innen direkt von moderner Infrastruktur profitieren“, erläutert Dr. Tillman Hönig, Co-Autor der Studie von IW Consult.

  • Bürgerbeteiligung: 
    Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegenossenschaften oder lokale Stromtarife lassen die Menschen vor Ort vom Ausbau profitieren – und erhöhen die Akzeptanz.

Was Kommunen, Bund und Länder jetzt tun sollten

Die Autor*innen der Studie empfehlen: Regionen sollten den Erneuerbaren-Ausbau aktiv gestalten und finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger*innen von Anfang an mitdenken. Bund und Länder können die Rahmenbedingungen dafür verbessern, indem sie:

  • die Regionen und Kommunen durch Beratung und Information in die Lage versetzen, ihre regionalwirtschaftlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, etwa durch besser aufgestellte regionale Energieagenturen oder neue Beteiligungsleitlinien in Planungsprozessen,

  • gesetzliche Hürden abbauen – etwa indem sie die Gründung von Bürgerenergiegesellschaften vereinfachen und vor allem den finanzschwachen Kommunen mehr eigene Investitionsmöglichkeiten eröffnen. Das könnte beispielsweise durch vereinfachte und zielgerichtete Regelungen zur Kreditaufnahme und der Anerkennung von Investitionen in erneuerbare Energien als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung gelingen,

  • Förderprogramme so ausrichten, dass regionale Wertschöpfung von Anfang an in die Planung einfließt, etwa durch Anforderungen an konkrete Beteiligungs- und Wertschöpfungskonzepte in den Förderrichtlinien. Dies könnte sowohl in den klimaschutzbezogenen Förderprogrammen wie der Nationalen Klimaschutzinitiative als auch in den regionalpolitischen Regelungen wie etwa in der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ untergebracht werden.

Über die Studie

Der Bericht „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ wurde in der 20. Legislaturperiode durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beauftragt (Redaktionsschluss: Juli 2025). Er kombiniert quantitative Modellierungen für alle rund 400 Landkreise mit qualitativen Analysen erfolgreicher Praxisbeispiele.

Download

Studie: Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien

Quelle und Fotos: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH (gemeinnützig)

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