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Städtischer Boden im Kreislauf: Aushub mit organischen Abfällen aufwerten

Forschungsprojekt an der Technischen Universität München (TUM)

16.01.2026 - München

Städtischer Boden im Kreislauf: Aushub mit organischen Abfällen aufwerten

Boden aus Baustellen landet meist auf Deponien, dabei steckt in ihm großes Potenzial. Forschende der Technischen Universität München (TUM) zeigen, wie sich Aushub mit organischen Abfällen anreichern lässt, um ihn in Städten weiter nutzen zu können. Mit verschiedenen Mischungen lassen sich die Eigenschaften gezielt anpassen – etwa für fruchtbare Grünflächen oder für den Schutz von Grundwasser.

In städtischen Gebieten wird Boden oft in entgegengesetzte Richtungen bewegt: Einerseits wird Aushub von Baustellen abtransportiert und landet oft auf Deponien. So stellen Böden ein Viertel des Abfalls in der EU dar. Andererseits wird Boden von außerhalb der Stadt verwendet, um den Boden in städtischen Gebieten anzureichern, zum Beispiel für Parks. Dieser sogenannte „land take“ soll zum Schutz der Gebiete im Umland der Städte im Rahmen der EU Soil Strategy bis zum Jahr 2050 auf netto null reduziert werden.

Eine Alternative zum „land take“ sind sogenannte „konstruierte Böden“, bei denen die ausgehobenen, oft in ihrer Funktion eingeschränkten Böden mit anderen Komponenten angereichert werden. Forschende der Technischen Universität München (TUM) haben verschiedene konstruierte Böden untersucht, die mit städtischen organischen Abfallprodukten gemischt wurden. Ihre Arbeit identifiziert das Potenzial für die städtische Landschaftsplanung.

Das Team entnahm Bodenproben von Baustellen in München und Augsburg und mischte sie mit Grünabfallkompost und Pflanzenkohle. Die Pflanzenkohle bestand aus organischen Abfallprodukten, zum Beispiel aus der Biogasproduktion, die häufig ungenutzt bleiben und entsorgt werden.

Erhöhte Fruchtbarkeit und Grundwasserschutz

Die aus Aushub und diesen Materialien hergestellten Böden zeigten Verbesserungen der Bodenfunktionalität in mehrerer Hinsicht: Sie sind fruchtbarer durch einen bis zu vierfach erhöhten Stickstoffgehalt und erhöhte Kohlenstoffanreicherung. Auch können sie bis zu 90 Prozent der Schadstoffe, wie Schwermetalle, halten und so zum Grundwasserschutz beitragen.

„Die Wiederverwendung des Aushubs und der Abfallprodukte ist eine Win-Win-Situation: Wir vermeiden Abfall und können den Boden als Grundlage für vielfältige Zwecke im städtischen Raum wiederverwenden“, erklärt Lauren Porter, Erstautorin der Veröffentlichung, die an der Professur für Urbane Produktive Ökosysteme der TUM arbeitet.

Nadja Berger, Doktorandin am Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, hat die künstlich hergestellten Böden bereits als Substrat in Gewächshäusern getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Pflanzen aus wechselfeuchten Gebieten auf diesen Böden gut wachsen und verschiedenen Stressfaktoren wie Hitze, Überschwemmungen und Schadstoffen standhalten können.

Prof. Monika Egerer, Nadja Berger und Lauren Porter erforschen das Potenzial von konstruierten Böden für Stadtplaner. Sie züchten Pflanzen in diesen Böden in Gewächshäusern an der TUM School of Life Sciences. Foto: Astrid Eckert / TUM 
Prof. Monika Egerer, Nadja Berger und Lauren Porter erforschen das Potenzial von konstruierten Böden für Stadtplaner. Sie züchten Pflanzen in diesen Böden in Gewächshäusern an der TUM School of Life Sciences. Foto: Astrid Eckert / TUM

Bodeneigenschaften spezifisch anpassen

Über die Kreislaufwirtschaft hinaus bieten konstruierte Böden einen entscheidenden zusätzlichen Vorteil: Mit verschiedenen Zusammensetzungen lassen sie sich an spezifische Anwendungsfälle anpassen. Soll der Boden beispielsweise in einem Straßenrandstreifen verwendet werden, kann seine Schadstoffbindungsfähigkeit verbessert werden. 

Für andere Anwendungsfälle wie die Nutzung auf grünen Erholungsflächen, in denen Pflanzen gedeihen sollen, steht hingegen die Erhöhung der Fruchtbarkeit im Vordergrund. Entsprechend können durch einen erhöhten Anteil an Pflanzenkohle oder Kompost die Funktionen beeinflusst werden.

„Langfristig können unsere Ergebnisse Expertinnen und Experten in der Stadt- und Bauplanung unterstützen“, sagt Lauren Porter. „Je besser sie die jeweiligen Böden kennen, desto erfolgreicher können sie auf jeden Verwendungszweck zugeschnitten werden. Dadurch tragen sie dazu bei, den Ressourcenkreislauf für Böden zu schließen.“

Weitere Informationen

Die Forschung wurde an Lehrstühlen und Professuren der TUM School of LifeSciences durchgeführt. Die Professur für Urbane Produktive Ökosysteme und der Lehrstuhl für Bodenkunde sind Teil des Hans Eisenmann-Forums. Die Forschung wurde durch das Graduiertenkolleg Research Training Urbane Grüne Infrastruktur unterstützt.

Kontakt

Lauren Porter
Professur für Urbane Produktive Ökosysteme
Technische Universität München
lrnprtrtmd

Nadja Berger
Lehrstuhl für Renaturierungsökologie
Technische Universität München
ndjbrgrtmd

Publikationen

Porter, L., Bucka, F.B., Páez-Curtidor, N. et al. Constructing (multi)functional soil using urban organic and sediment wastes. Nat Cities (2025).
https://doi.org/10.1038/s44284-025-00332-9

Nadja K. Berger, Lauren Porter, Leonardo H. Teixeira, Johannes Kollmann. Testing native plants for multifunctional infiltration swales: Effects of substrate amendments and flooding. Urban Forestry & Urban Greening (2025).
https://doi.org/10.1016/j.ufug.2025.129177

Nadja K. Berger, Johannes Kollmann, Leonardo H. Teixeira. Native plant communities designed for infiltration swales can tolerate urban heat, flooding, and pollution. Basic and Applied Ecology. 2025.
https://doi.org/10.1016/j.baae.2025.12.003

Quelle: Technische Universität München /TUM), Fotos: Astrid Eckert / TUM


Fortbildungstipp

Baugrund - der nicht bestellte „Baustoff“ im Sinne der DIN 4020 - aus geotechnischer und baubetrieblicher Sicht

16.06.2026 | 09:00 - 17:00 Uhr | München 

Baugrund - der nicht bestellte „Baustoff“ im Sinne der DIN 4020 - aus geotechnischer und baubetrieblicher Sicht

Seminarinhalte 

  • Anforderungskriterien an ein aussagefähiges Baugrundgutachten aus Sicht des AG und des Bieters 
  • Umfang und Methoden objektbezogener Baugrunderkundung an Praxisbeispielen nach DIN 4020 
  • VOB/C DIN 18300, DIN 18301, DIN 18311, DIN 18319 sowie DIN 18196 
  • Probenahme nach PN 98 für Arbeiten in kontaminierten Bereichen 
  • Bauzeitverzögerungen und monetäre Auswirkungen infolge mangelnder Berücksichtigung des „nicht bestellten Baustoffs“ Baugrund 
  • Fachgerechte Begleitung während der Bauvertragsabwicklung § 7 Abs. 6 der VOB/A - was ist baubetrieblich zu beachten? 
  • Die VOB/C und ihre ausschreibungs- und vergütungsbedeutsame Wirkung 
  • Das Leistungsänderungs- und Leistungsergänzungsrecht in einem VOB/B-Bauvertag 
  • Möglichkeiten der finanziellen Vertragsanpassung bei geändertem Baugrund

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