18.05.2026 - Berlin
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat gemeinsam mit einem Expertengremium 13 Projekte ausgewählt, die mit innovativen Ansätzen zur Zukunft des Bauens beitragen. Darunter sind auch zwei Projekte aus Bayern. Ziel des Programms ist es, Innovationen aus der Wissenschaft in die Praxis zu bringen und zu erproben. Die ausgewählten Vorhaben decken ein breites Spektrum an Themen ab - von innovativen Baustoffen und zirkulären Konstruktionsmethoden über Low-Tech Ansätze bis hin zu digitalen Planungs- und Fertigungsprozessen.
Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen betont: „Innovationen am Bau in die Breite zu tragen, ist ein zentrales Ziel meines Hauses – jedes Modellvorhaben des Programms steht exemplarisch dafür. Mit unserem Förderprogramm unterstützen wir dabei, Bauen nicht nur neu zu denken, sondern auch in der Praxis zu realisieren. Wir haben viele Einreichungen erhalten, die eindrucksvoll gezeigt haben, wie groß die Bereitschaft ist, neue Wege im Planen und Bauen zu gehen: Von rückbaufähigen Gebäuden mit inklusiven Wohnformen über bezahlbare Sanierungskonzepte und ressourcenschonenden Umwandlungen von Plattenbauten bis hin zu zirkulären Ansätzen mit Bauteilwiederverwendung, ‚Einfachem Bauen‘ und dem Einsatz von Naturmaterialien. Das ist das Bauen der Zukunft.“
Dr. Elena Wiezorek, Direktorin der Bundesstiftung Bauakademie, unterstreicht die Bedeutung des Programms: „Die Pilotprojekte sind ein wichtiger Schritt, um innovative Ansätze nicht nur zu diskutieren, sondern konkret umzusetzen. Als Bundesstiftung Bauakademie verstehen wir uns nicht nur als Plattform für Dialog und Wissenstransfer, sondern auch als Partnerin, die die Erprobung neuer Konzepte unter realen Bedingungen unterstützt. Wir freuen uns, die ausgewählten Projekte in den kommenden zwei Jahren in der Umsetzung zu begleiten.“
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und die Bundesstiftung Bauakademie begleiten das Förderprogramm im Auftrag des BMWSB. Es ist in zwei Kategorien gegliedert und fördert in Kategorie A Vorhaben in frühen Planungsphasen insbesondere Leistungsphasen 0 sowie 1 bis 4 gemäß HOAI und in Kategorie B Vorhaben ab Leistungsphase 5 gemäß HOAI mit Fokus auf die bauliche Umsetzung: Sechs Pilotprojekte aus der Förderkategorie A zeigen, wie neue Ansätze zur Senkung von Treibhausgasemissionen und Ressourcenschonung bereits in den frühen Planungsphasen der Konzeptfindung implementiert werden, während sieben Pilotprojekte aus der Förderkategorie B beispielhaft die Erprobung experimenteller und marktnaher Ansätze für ein klimaangepasstes und ressourcenschonendes Bauen demonstrieren.
Jedes Projekt wird von einer wissenschaftlichen Einrichtung begleitet und analysiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im weiteren Verlauf übergeordnet ausgewertet, aufbereitet und der Fachöffentlichkeit, Kommunen sowie der Bauwirtschaft zugänglich gemacht, um den Transfer erfolgreicher Innovationen in die Breite zu fördern.
Auf der Website der Bundesstiftung Bauakademie finden Sie weitere Informationen zum Förderprogramm. Die Projekte starten nun in die Umsetzungsphase, die Sie hier verfolgen können:
Bauwirtschaft im Wandel, Nachhaltige Baustoffe und neue Wohnformen für eine ressourcenschonende Zukunft
„KW@L – KleinerWohnen@Land“ steht für eine neue Generation des nachhaltigen Bauens im ländlichen Raum. In Redwitz an der Rodach entsteht auf einer innerörtlichen Grünbrache ein Wohnquartier mit vier Gebäudeclustern, einem Gemeinschaftshaus und zwei Gästewohnungen. Ziel ist es, neue ökologische Baustoffe und Bauweisen praktisch zu erproben und zugleich alternative Wohnformen als Gegenentwurf zum klassischen Einfamilienhaus zu entwickeln. Die Wohnflächen werden bewusst reduziert und über eine neu gegründete Genossenschaft organisiert, um gemeinschaftliches Wohnen und eine ressourcenschonende Lebensweise zu fördern.
Im Mittelpunkt steht der direkte Vergleich verschiedener innovativer Massivbauweisen unter Realbedingungen. Eingesetzt werden Wärmedämmziegel, Massivholzsteine aus Kalamitätsholz, Hanfkalksteine und ungebrannte Lehmsteine. Der direkte Vergleich der verschiedenen Baustoffe ermöglicht es diese auf Akzeptanz, Hemmnisse und Rahmenbedingungen zu untersuchen. Die Gebäude entstehen ressourcenschonend, mit minimaler Flächenversiegelung durch punktuelle Gründungen und einem geringen pro‑Kopf‑Flächenbedarf. Ergänzend integriert das Projekt Maßnahmen zu Klimaresilienz, Biodiversität und natürlichem Regenwassermanagement. Realisiert wird das Vorhaben von der RAAB Baugesellschaft mbH & Co. KG gemeinsam mit der Hochschule Coburg und regionalen Partnern.
Die wissenschaftliche Begleitung untersucht die ökologischen, technischen und wirtschaftlichen Potenziale der Bauweisen. Analysiert werden bauphysikalische Eigenschaften, Kosten, Zeitaufwände und Rückbaupotenziale; 1:1‑Mock‑Ups prüfen die Kreislauffähigkeit der Materialien. Parallel wird der Ansatz gemeinschaftlicher Wohnformen erforscht, einschließlich der Entwicklung der Genossenschaft und der Integration der Nutzerbedürfnisse in die Planung.
Qualitative und quantitative Methoden erfassen die Zusammenarbeit aller Beteiligten, die Ökobilanzierung zu mehreren Zeitpunkten sowie die Akzeptanz der Bauweisen. Die Ergebnisse werden in Workshops, Publikationen und einer Abschlusskonferenz aufbereitet, um übertragbare Erkenntnisse für zukünftige Projekte zu gewinnen.
KW@L erprobt, wie klima‑ und ressourcenschonendes Bauen im ländlichen Raum gelingen kann – durch innovative Baustoffe, suffiziente Wohnformen und regionale Wertschöpfung.
Bezahlbar nachhaltig sanieren
Im Sanierungsprojekt „Regensburg Königswiesen – bezahlbar nachhaltig sanieren“ sollen zwei Baukörper einer Großwohnsiedlung aus den 1970er‑Jahren modernisiert werden. Das Quartier mit sieben Wohnblöcken und 282 Wohnungen soll zu einem sozialverträglichen und klimaneutralen Quartier werden. Ziel ist es, den Bestand langfristig zu sichern, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und die Emissionen bis 2030 um 65 % sowie bis 2035 vollständig zu reduzieren. Das Vorhaben ist Teil des „Green Deal Regensburg“ und wird von der Stadtbau GmbH getragen.
Kern des Projekts ist die serielle Sanierung nach dem Energiesprong‑Prinzip. Vorgefertigte Bauelemente, standardisierte Prozesse und digitale Planung mittels BIM verkürzen Bauzeiten und senken Kosten sowie Ressourcenverbrauch. Zwei Wohnblöcke werden zunächst als Pilotprojekte umgesetzt, um die Übertragbarkeit auf die gesamte Siedlung zu prüfen. Die Modernisierung erfolgt im bewohnten Zustand, weshalb Mieterkommunikation, Akzeptanzförderung und mieterfreundliche Umsetzung zentrale Bestandteile sind.
Die klimaneutrale Wärmeversorgung basiert auf einem Niedertemperaturnetz, das Abluftwärme über Wärmepumpen nutzt und durch Photovoltaik, Solarthermie und Ökostrom ergänzt wird. Ein besonderer Fokus liegt auf Kreislaufwirtschaft und Urban Mining: Baustoffe werden erfasst, katalogisiert und – wo möglich – wiederverwendet. Die Daten fließen in einen digitalen Gebäuderessourcenpass ein. Ökobilanzierte Fassadenelemente aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen erhöhen Ressourceneffizienz und Langlebigkeit. Die Kombination aus serieller Sanierung, kreislaufgerechtem Rückbau und regenerativen Baustoffen bildet den innovativen Kern des Projekts.
Die wissenschaftliche Begleitung durch die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg untersucht ökologische, ökonomische und soziale Effekte der seriellen Sanierung. Dazu gehören Lebenszyklus‑ und Wirtschaftlichkeitsanalysen sowie eine Sozialbilanzierung nach UN‑Richtlinien, die Gerechtigkeit, Nutzerzufriedenheit und lokale Wertschöpfung einbezieht. Urban‑Mining‑Potenziale und Wiederverwendungsmöglichkeiten werden ebenfalls bewertet.
Mit der Verbindung aus serieller Sanierung, klimaneutraler Energieversorgung, Kreislaufwirtschaft und sozialer Integration soll ein Modellprojekt für nachhaltige und bezahlbare Stadterneuerung entstehen. Die Ergebnisse werden in einem Leitfaden aufbereitet, der die Übertragbarkeit auf weitere Großsiedlungen unterstützt und einen Beitrag zur Transformation der Bauwirtschaft leistet.
Quellen: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Bundesstiftung Bauakademie, Fotos: Raab Baugesellschaft mbH & Co KG (Kleiner Wohnen@Land KW@L), Greenline Energiedesign (Regensburg Königswiesen ReKoeSan)
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