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VDI-Ingenieurmonitor: Ingenieurengpass spitzt sich zu

VDI-/IW-Ingenieurmonitor 4. Quartal 2022

08.05.2023 - Düsseldorf

VDI-Ingenieurmonitor: Ingenieurengpass spitzt sich zu

„Ohne eine starke Zuwanderung von ausländischen Fachkräften bekommen wir die Lücke auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen nicht mehr geschlossen“, so VDI-Bereichsleiter Dieter Westerkamp zu den Ergebnissen des neuesten Ingenieurmonitors. Angesichts 170.300 offener Stellen spitzt sich die Lage zu. Es fehlen Bauingenieur/innen, Informatiker/innen oder Elektrotechnikingenieur/innen. Öffentliche Bauprojekte kommen zum Erliegen oder können gar nicht erst gestartet werden, Digitalisierungsprojekte bleiben auf der Strecke. Kurzum: Die Lage ist prekär.

Im Vorjahresvergleich nahm im vierten Quartal 2022 die Anzahl der offenen Stellen im Ingenieurwesen um 21,6 Prozent zu. „Mit dem demografischen Wandel nimmt die Zahl der Studienanfänger*innen in ingenieurwissenschaftlichen Kernfächern, Maschinenbau oder Elektrotechnik in den letzten Jahren massiv ab. Der Fachkräftemangel kann bereits heute nicht annähernd abgedeckt werden und die Situation wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen“, so Dieter Westerkamp, VDI-Bereichsleiter „Technik und Gesellschaft“.

„Im Studienjahr 2016 betrug die Zahl der MINT-Studierenden im ersten Hochschulsemester bundesweit noch rund 143.400 und sank stark auf 125.600 im Studienjahr 2022 ab. In den kommenden Jahren ist folglich mit einem deutlichen Rückgang der Absolventenzahlen zu rechnen“, bekräftigt Prof. Dr. Axel Plünnecke vom IW in Köln diese Entwicklung.

Den Ernst der Lage unterstreicht er so: „Setzt man die Anzahl der offenen Stellen in Bezug zur Zahl der Arbeitslosen, ergibt sich die Engpasskennziffer in Ingenieur- und Informatikerberufen. Im vierten Quartal 2021 kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose noch 387 offene Stellen. Im vierten Quartal 2022 stieg diese Engpasskennziffer auf 471 – ein deutlicher Zuwachs, jedoch eine Engpassrelation unter dem Rekordwert des zweiten Quartals 2022 mit 492. Dabei unterscheiden sich die Engpässe deutlich zwischen den Berufen: die größten Engpässe bestehen bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik, vor den Ingenieurberufen Bau/Vermessung/Gebäudetechnik und Architektur. An dritter Stelle folgen die Informatikerberufe. Auch in allen anderen Ingenieurberufen bestehen im vierten Quartal 2022 Engpässe. Besonders stark sind die Engpässe in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Energie- und Elektrotechnik gestiegen.“

Vor diesem Hintergrund begrüßt Dieter Westerkamp, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Zuwanderungskriterien und die bürokratischen Hemmnisse entschärften will „Es ist ein erster wichtiger Schritt. Deutschland muss sich fit machen für den weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe“, sagt Westerkamp. “Darüber hinaus müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um die internationalen Fachkräfte, die wir mühsam gewonnen haben, auch länger in Deutschland zu halten. Wir müssen eine Willkommenskultur entwickeln,“

Dieter Westerkamp weist darauf hin, dass diese Entwicklung den Technologie- und Innovationsstandort Deutschlands gefährdet. „Nur mit einer qualifizierten Zuwanderung können wir Wohlstand und zukünftiges Leben und Arbeiten in Deutschland sichern.“

Ingenieurberufskategorien

Offene-Stellen-Index der Ingenieur- und Informatikerberufe (Januar 2011 = 100)

Betrachtet man die einzelnen Berufskategorien im vierten Quartal 2022, so weisen die Informatikerberufe mit 59.900 die meisten offenen Stellen auf. An zweiter Stelle folgen die Bauingenieurberufe mit 43.700 Stellen und an dritter Stelle die Ingenieurberufe der Energie- und Elektrotechnik mit 26.400 Stellen.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal gibt es beim gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot ein sehr dynamisches Bild. Insgesamt ergibt sich ein Zuwachs an offenen Stellen in Höhe von 21,6 Prozent. Am stärksten war der Zuwachs des Stellenangebots im Jahresvergleich bei den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung mit 38,4 Prozent. Am zweitstärksten war der Zuwachs bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik mit 37,2 Prozent. Hier dürfte auch der zunehmende zeitliche Druck bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Am geringsten war der Zuwachs bei den Bauingenieurberufen mit plus 5,0 Prozent. Die Nachfrage in den Bauingenieurberufen litt auch darunter, dass der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Jahr 2022 um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken ist (Statistisches Bundesamt, 2023).

Die in Absolutwerten gemessenen meisten offenen Stellen waren in Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg, zu verzeichnen. Allein Bayern (35.300) und Baden-Württemberg (29.300) vereinten 38,0 Prozent des gesamten Stellen-angebots auf sich.

Pilot-Projekt in NRW: VDI zeigt konkrete Lösungen

Der VDI mit seiner vielfältigen regionalen Organisation kann für ausländische Ingenieure und Ingenieurinnen eine Heimat sein, in der die Integration dieser Beschäftigtengruppe noch besser gelingen kann. „Wir wollen zeigen, dass das geht und starten mit Unterstützung des Bundearbeitsministeriums in Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt mit drei VDI-Bezirksvereinen, in dem wir bereits in Deutschland befindlichen ausländischen Ingenieur*innen, aber auch Studierenden nachhaltig auf den Weg zu einer ausbildungsadäquaten Beschäftigung in Deutschland bringen wollen.“ Das Pilotprojekt wird als Teilvorhaben des Regionalen Integrationsnetzwerks NRW – West vom Bundesarbeitsministerium im Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) gefördert.

Ziel des Projektes ist es, am Ende einen Werkzeugkoffer geeigneter Maßnahmen zur erfolgreichen Integration ausländischer Ingenieur*innen zur Verfügung zu haben, der es allen VDI-Bezirksvereinen ermöglicht, in diesem Feld aktiv zu sein.

Quelle, Fotos und GrafiK: VBI

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