Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
Mitreden. Mitgestalten.
Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

14
15

Normen im Bauwesen: Über- oder unterreguliert?

Kolumne von Dipl.-Ing. Univ. Dieter Räsch, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 02.12.2022

02.12.2022 - München

Normen im Bauwesen: Über- oder unterreguliert?

"Regelwerke der DIN sollen unter Einbeziehung aller interessierten Kreise erarbeitet werden. In der Praxis werden die Arbeitsausschüsse und Gremien für die Erarbeitung der Normen jedoch vielfach unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen besetzt", sagt Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Univ. Dieter Räsch in unserer aktuellen Kolumne in der Bayerischen Staatszeitung. Dabei wäre gerade die Expertise der freiberuflich tätigen Ingenieure wichtig, da sie frei von wirtschaftlichen Interessen ist.

Kommentar / Kolumne

Immer mehr Normen und Richtlinien

Richtlinien und Regularien sind im Bauwesen, wie auch in allen anderen Branchen, unerlässlich. Sie sind ein wesentlicher Aspekt des wirtschaftlichen Erfolgs der Bauwirtschaft. Mit Hilfe von Normen können einheitliche Vorstellungen und Anforderungen einer Baumaßnahme definiert und im Vorfeld beschrieben und vereinbart werden. Sie geben dem Auftraggeber wie auch dem Auftragnehmer und allen anderen am Bau Beteiligten die Sicherheit, von gleichen Ansätzen auszugehen. Die Zahl der Normen, Richtlinien und Herstellervorgaben ist dabei massiv angewachsen. Und nicht nur ihre Anzahl ist gewachsen, auch der Umfang der einzelnen Regularien. Es wird immer schwieriger, noch den Überblick zu behalten.

  Video-Statement von Dipl.-Ing.Univ. Dieter Räsch

 

Zu beachten gilt: Die DIN Nomen stellen zunächst nur private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter dar. Dennoch wird die Güte der Ausführung häufig anhand des Normentextes bewertet und die Ausführung mit der Frage „in welcher Norm steht das“ beurteilt. Das ist der falsche Weg. Richtig ist es, Normen als eine der möglichen Erkenntnisquellen für technisch ordnungsgemäßes Verhalten im Regelfall anzusehen.

Unsere Normen sollten Zielvorgaben und die Einhaltung sicherheitsrelevanter Vorgaben definieren, es aber den Planenden überlassen, wie diese Vorgaben umgesetzt werden.

Planung braucht Freiräume.

Es ist daher kontraproduktiv, jedes nur denkbare Detail über Normen zu regeln.

Wie aber entstehen Normen? Sehen wir uns die Normen des Deutschen Instituts für Normung (DIN) an. Das DIN als nationale Normungsorganisation in Deutschland ist ein eingetragener Verein auf gemeinnütziger Grundlage und Mitglied im Europäischen Komitee für Normen (CEN) und der International Organization for Standardization (ISO).

Regelwerke der DIN sollen unter Einbeziehung
aller interessierten Kreise erarbeitet werden.

In der Praxis werden die Arbeitsausschüsse und Gremien für die Erarbeitung der Normen jedoch vielfach unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen besetzt. Der Grund: wer in einem Normenausschuss des DIN mitarbeiten möchten, erhält keinerlei Aufwandsentschädigungen oder Spesen. Vielmehr muss er oder sie die Mitarbeit in dem Normierungsgremium sogar bezahlen. Gerade freiberuflich Tätigen erscheint das oft weder zeitlich noch finanziell sinnvoll. Dabei wäre ihre Expertise wichtig, da sie frei ist von wirtschaftlichen Interessen.

Doch die Realität sieht anders aus. Gerade Hersteller und interessensgesteuerte Verbände besetzen überdurchschnittlich viele Plätze in den Fachgremien. Die Folge: In nicht wenigen Merkblättern, aber auch Normen, werden interessengesteuerte Regelungen aufgenommen.

Im Versuch allen Beteiligten gerecht zu werden, entstehen außerdem oft Formulierungen, die Auslegungsmöglichkeiten eröffnen und nur durch erweiterte Kommentierungen eindeutig werden. Das vergrößert die Regularien unnötig.

Es muss in jedem Einzelfall darüber nachgedacht werden, was das vernünftigste Maß erforderlicher Regelungen sein kann. Ob eine Norm über die gemeinsame Zielformulierung hinaus für die Vertragsparteien auch schon regeln soll und kann, wie dieses Ziel erreicht wird und ob dies z. B. durch das konkrete Benennen von Lösungsansätzen und Berechnungsmethoden geschehen soll, muss von fachkundigen Personen entschieden werden.

Es wäre wünschenswert, dass Ingenieurinnen und Ingenieure ihr Wissen vermehrt in die Normenausschüsse einbringen. Dies wird aber nur erreichbar sein, wenn Strukturen geschaffen werden, die eine Auskömmlichkeit dieser Arbeiten auch für freischaffende Ingenieurinnen und Ingenieure gewährleisten. Hier gibt es dringenden Änderungsbedarf.

Ich glaube persönlich nicht, dass wir zu viele Normen haben. Ich glaube aber, dass unsere DIN Normen - möglicherweise auch gesteuert durch wirtschaftliche Interessen - zu viele und zu detaillierte Regelungen vorgeben. Mein Wunsch: Überlassen wir es den gut ausgebildeten planenden Ingenieurinnen und Ingenieuren, ihren Erfahrungsschatz auf der Basis grundlegender Normen einzubringen!


Kolumne von Dipl.-Ing.Univ. Dieter Räsch, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 02.12.2022


Artikel zum Download

Auch interessant

Kolumne in der Bayerischen Staatszeitung

Die Kolumne der Kammer in der Bayerischen Staatszeitung

Die Bayerische Ingenieurekammer veröffentlicht einmal im Monat eine Kolumne zu aktuellen Themen in der Bayerischen Staatszeitung. Hier nehmen die Mitglieder des Vorstands der Kammer Stellung zu Themen aus Bauwesen, Politik und Gesellschaft.

Hier haben wir Ihnen alle Kolumnen zum Lesen oder als Download bereitgestellt.

 

Beitrag weiterempfehlen

Die Social Media Buttons oben sind datenschutzkonform und übermitteln beim Aufruf der Seite noch keine Daten an den jeweiligen Plattform-Betreiber. Dies geschieht erst beim Klick auf einen Social Media Button (Datenschutz).

5 gute Gründe für die Mitgliedschaft

Die Kammer auf Social Media

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei LinkedIn: #bayika-bau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auf Instagram #bayikabau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei Facebook @BayIkaBau   #BayIkaBau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei XING #bayerischeingenieurekammer-bau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei YouTube
 

Jetzt Newsletter abonnieren!

Newsletter abonnieren und immer auf dem Laufenden bleiben - Grafik: Web Buttons Inc /  Fotolia

Frage des Monats

Wie hat sich der Ukrainekrieg auf Ihr Auftragsvolumen ausgewirkt? Es ist:
Gestiegen
Gleich geblieben
Gesunken

Frühere Ergebnisse

To our Ukrainian colleagues

To our Ukrainian colleagues - Foto: bodkins18 / Pixabay

The Bavarian Chamber of Civil Engineers (civil engineers and engineers in the construction industry) is pleased to offer support to Ukrainian colleagues with regard to professional issues. Please do not hesitate to contact us.  
Professional recognition of engineers    
Jobs and internships       
Language training       

Nachhaltig Planen und Bauen

Klimaschutz - Nachhaltig Planen und Bauen

Digitaltouren - Digitalforen

Digitaltouren - Digitalforen - Jetzt kostenfei ansehen

Netzwerk junge Ingenieure

Netzwerk junge Ingenieure

Werde Ingenieur/in!

www.zukunft-ingenieur.de

Veranstaltungstipps

Veranstaltungstipps

Beratung und Service

Beratung und Serviceleistungen - Foto: © denisismagilov / fotolia.com

Planer- und Ingenieursuche

Planer- und Ingenieursuche - Die Experten-Datenbank im bayerischen Bauwesen

Für Schüler und Studierende

Infos für Schüler und Studierende - © Foto: Drubig Photo / Fotolia.com

HOAI Info-Plattform

HOAI Info-Plattform

Einheitlicher Ansprechpartner

Einheitlicher Ansprechpartner

Berufsanerkennung
Professional recognition

Berufsanerkennung

BayIKA-Portal / Mitgliederbereich

Anschrift

Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München