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Steine aus dem Weg räumen - Vom Umgang mit Rohstoffen im Baubereich

Kolumne von Dr. Markus Hennecke, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 08.04.2022

08.04.2022 - München

Steine aus dem Weg räumen - Vom Umgang mit Rohstoffen im Baubereich

Müll ist die unappetitliche Kehrseite unserer Konsumgesellschaft. Müll assoziiert Kunststoffe im Meer und wilde Deponien. Müll ist der Ausdruck der Ineffizienz in der Ressourcennutzung in unserem Wirtschaften. Vor diesem Hintergrund ist es keine gute Ansage, dass die Baubranche für mehr als zwei Drittel des Mülls oder besser Abfalls verantwortlich ist, schreibt Dr. Markus Hennecke in der aktuellen Kolumne in der Bayerischen Staatszeitung.

Kommentar / Kolumne

Müll ist der Ausdruck der Ineffizienz in der Ressourcennutzung in unserem Wirtschaften.

Die große Abfallmenge in der Baubranche deutet auf ein strukturelles Problem hin, das nicht durch Appelle gelöst werden kann.

Nach Daten des statistischen Bundesamts teilen sich die Bauabfälle in folgende Fraktionen auf: 58 % Boden und Steine, 27 % Bauschutt, 8 % Straßenaufbruch und 7% Baustellenabfälle.

Die größte Fraktion, Boden und Steine, stammt aus Bodenaushub, um Gebäude oder Infrastrukturbauwerke zu errichten.


   Video-Statement von Dr. Markus Hennecke

 

Das Material wird auch genutzt, um Gruben zu verfüllen. Sie waren zuvor Rohstoffquellen der Bauindustrie. Rohstoff oder Abfall, die Unterscheidung bei Boden und Steine ergibt sich durch die Fahrtrichtung der Kipper.

 Abfall oder Rohstoff - das entscheidet die Fahrtrichtung des Kippers. 

Von der Baugrube weg ist es Abfall, zur Baugrube hin Rohstoff. Auch wenn das Material in dem meisten Fällen unschädlich ist, ist der Prozess negativ, da er große Verkehrsströme verursacht. Es geht auch anders. Geeignetes Material kann an Ort und Stelle wieder genutzt werden.

Was geht und was nicht zeigen drei Beispiele.

Das weltweit agierende bayerische Spezialtiefbauunternehmen Bauer aus Schrobenhausen praktiziert seit vielen Jahren ein System für Baugruben, bei denen der anstehende Boden als Baustoff genutzt wird. Beim Mixed-Place-Verfahren werden aus Boden und Bindemittel Baugrubenwände.

Auf der Tagung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau in Kooperation mit der Politischen Akademie Tutzing berichtet die Landschaftsarchitektin Aufermann über ihre Planung für ein Wohnbauprojekt. Oberboden wurde abgetragen, in Mieten zwischengelagert und dann wieder eingebaut. Das Vorhaben drohte unwirtschaftlich zu werden, da die kommunale Eigentümerin für die Flächen einen zu hohen Mietzins forderte. Dieser Stein konnten erst durch den Einsatz von höherer Stelle aus dem Weg geräumt werden.

Bei einem Tunnelbau in Oberbayern wurde Fels aus dem Berg geholt. Das Ausbruchmaterial war geeignet als Zuschlag für den Beton der Innenschale. Trotzdem wurde es abgefahren und anderes herbeigeschafft, weil die natürliche Belastung durch Thallium die verordneten Grenzwerte übertraf.

Die zweite Fraktion ist Bauschutt. Nach Aufbereitung kann er als Rohstoff für Bauprodukte verwendet werden. Die technischen Voraussetzungen sind unter anderem durch eingeführte bautechnische Regeln gegeben. Die Umsetzung scheitert noch oft am fehlenden Wissen bei den Beteiligten und auch, weil etwas Neues immer einen besseren Ruf hat.

Im Vergleich zu den erst genannten Fraktionen scheint der Anteil Baustellenabfall gering. Im Verhältnis zu Siedlungsabfällen, die uns täglich umgeben, sind das jedoch 32%. Auch nicht zu vernachlässigen. Die Recyclingquote ist gering. Hier ist Innovation dringend notwendig.

Was kann sich ändern?

 Der Stoffkreislauf muss Grundstein des Bauens sein. 

Da verschiedene Projektphasen betroffen sind, muss das Thema bei jedem Projekt am Anfang stehen, am besten schon vor der eigentlichen Bauplanung.

Lagerkapazitäten für Zwischenlagerung von Material müssen stadtnah vorhanden sein. Dadurch lassen sich Transportwege reduzieren und kann eine geschlossene Logistik entstehen. Stoffkataster und Materialbörsen sind als ökonomische Instrumente zur Unterstützung der Entwicklung notwendig.

Brauchbares Material verschwindet in aufgelassenen Gruben, um die Oberflächen für die ursprüngliche Nutzung wieder herzustellen. Aber auch ohne Wiederverfüllung kann es ein wertvoller Lebensraum im Sinne der Biodiversität sein.

Auf Initiative der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau setzen sich seit 2021 regelmäßig Vertreter:innen der planenden Berufe, der Bauausführung, der Verwaltung und der Wissenschaft an einem Runden Tisch zur beschleunigten ökologischen und digitalen Transformation der Bauwirtschaft zusammen, um Lösungen aufzuzeigen. Der Rohstoffbereich ist ein großer Brocken.


Kolumne von Dr. Markus Hennecke, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 08.04.2022


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