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Bundesbauministerium - Erwartungen und Chancen

Kolumne von Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 11.03.2022

25.02.2022 - München

Bundesbauministerium - Erwartungen und Chancen

Wir haben endlich ein Bauministerium im Bund. Die neue Bauministerin Klara Geywitz erklärte bereits in einem Interview, dass wir „Bauen Bauen Bauen“ müssten, mindestens 400.000 Wohnungen pro Jahr. Doch ist das überhaupt machbar? Und warum liegt beim Thema Bauen in der bundesweiten Wahrnehmung und Berichterstattung der Fokus in erster Linie immer nur auf der Wohnungswirtschaft, fragt Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken in der aktuellen Kolumne in der Bayerischen Staatszeitung.

Kommentar / Kolumne

Bundesbauministerium - Erwartungen und Chancen

Wir haben endlich ein Bauministerium im Bund. Die neue Bauministerin Klara Geywitz erklärte bereits in einem Interview, dass wir „Bauen Bauen Bauen“ müssten, mindestens 400.000 Wohnungen pro Jahr. Doch ist das überhaupt machbar? Und warum liegt beim Thema Bauen in der bundesweiten Wahrnehmung und Berichterstattung der Fokus in erster Linie immer nur auf der Wohnungswirtschaft?

Wer als Bauschaffender aufmerksam den Koalitionsvertrag gelesen hat, mag sich wundern, warum die zahlreichen anderen Aufgaben des Bausektors, die gesellschaftlich relevant sind, keinen Eingang in das umfangreiche Werk gefunden haben.

Die Koalitionäre geben im Koalitionsvertrag der Gestaltung der gebauten Umwelt kaum Raum: 178 Seiten „Mehr Fortschritt wagen“ liegen vor mir. Ich möchte systematisch und effizient vorgehen und suche das Kapitel „Bauen“; aber das gibt es nicht. Unter der Kapitelüberschrift „Respekt, Chancen und soziale Sicherheit in der modernen Arbeitswelt“ finde ich als letzten den Abschnitt „Bauen und Wohnen“. Unter den Stichwörtern Wohnen, Stadtentwicklung und Städtebauförderung, serielles Bauen, Digitalisierung und BIM, Baulandmobilisierung, Klimaschutz im Gebäudebereich, Kreislaufwirtschaft, Bewältigung von Starkregenereignissen etc. bildet sich nur ein kleiner Teil der vor uns liegenden Aufgaben im Bereich der Bauwirtschaft ab.

So kurzsichtig können die Koalitionäre ja nicht sein, denke ich mir und arbeite den gesamten Koalitionsvertrag durch, wobei ich alle Stellen markiere, die mit „dem Bauen“ zu tun haben. So identifiziere ich über fast alle Kapitel hinweg hunderte von Bau-Mosaiksteinen, die ich zu einem Bau-Mosaikbild zusammenzusetzen versuche. Dabei vervollständigt sich das Bild aber leider nicht.

 Mein Fazit ist, dass die Koalitionäre 
 die Komplexität des Bauens weder erfassen, 
 noch in Worte fassen, geschweige 
 denn zu Papier bringen konnten. 

Wie sollen da die Klimaziele erreicht werden, wenn niemand in der Regierung diese gewaltige Aufgabe erfasst? Die Bauwirtschaft ist der größte Wirtschaftszweig in Deutschland, doch im Koalitionsvertrag wird lediglich von der Transformation der Automobilindustrie geschrieben – viel zu kurz gedacht.

Es wird auf die UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 verwiesen, nicht aber auf die UN-Sendai Zeile 2030 zur Katastrophenvorsorge, die unbedingt gemeinsam betrachtet werden müssen, weil es dabei auch Zielkonflikte gibt. Man fokussiert sich im Koalitionsvertrag auf den Hochwasserschutz, bedenkt aber nicht ganzheitlich, dass durch den Klimawandel Extremstürme wie Tornados, Dürre, Hitze, Hagel etc. in nicht gekanntem Ausmaß entstehen, worauf wir ebenso baulich reagieren müssen.

Es sollen jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden, also etwa 100.000 mehr als 2020 errichtet wurden. Schon jetzt fehlt Bauland (Zielkonflikt Flächenversiegelung, Sturzfluten), Genehmigungsbehörden sind überfordert, Fachkräfte fehlen, die deutsche Bauwirtschaft arbeitet bereits „am Anschlag“, Roh- und Baustoffe sowie Bauteile fehlen. Dadurch sind Bauland- und Baupreise in Schwindel erregende Höhen gestiegen. Und das, was wir jetzt „schnell“ bauen, steht vermutlich 100 Jahre. Die Stadtsoziologie lehrt uns, dass, wenn wir jetzt „Mist bauen“, wir uns nachhaltig gesellschaftliche Probleme in den Quartieren schaffen.

 Erst prägen wir die Quartiere, 
 dann prägen sie uns. 

Und jetzt haben wir über (kritische) Infrastrukturen und weitere Bau-Themen noch gar nicht gesprochen. Die Bauwirtschaft verursacht derzeit noch ca. 40% des CO2-Ausstoßes und ca. 50% des Abfallaufkommens. Sie gestaltet mit der Schaffung der gebauten Umwelt, also quasi mit der Gestaltung von allem, die Gesellschaft mit. Wäre das „der Politik“ bewusst, dann hätte man den Koalitionsvertrag anders geschrieben und das Bauministerium wäre eines der Schlüsselministerien.

Was können wir nun tun, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen? Ich denke, dass wir einen Expertenrat „Digitale und ökologische Transformation der Bauwirtschaft“ benötigen, der der Bundesregierung die baurelevanten Stellen im Koalitionsvertag, ihre Interdependenzen und weitere Herausforderungen aufzeigt. In Bayern haben wir bereits einen solchen Expertenrat etabliert. Dies ist aus meiner Sicht der richtige Weg, wenn wir die Herausforderungen der Bauwirtschaft und die Nachhaltigkeitsziele meistern wollen. Ich würde mir wünschen, dass das Modell unseres bayerischen Runden Tisches auf Bundesebene Schule macht.


Kolumne von Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 11.03.2022


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