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Mauerwerksindustrie will entscheidenden Beitrag zur Baustoffversorgung leisten

Interview mit DGfM-Vorstand Guido Runkel

31.08.2021 -

Mauerwerksindustrie will entscheidenden Beitrag zur Baustoffversorgung leisten

Obwohl die Auftragsbücher der Baubranche mehr als gut gefüllt sind, könnte es zu der absurden Situation kommen, dass zahlreiche am Bau Beschäftigte erneut in Kurzarbeit geschickt werden müssen. Anhaltende Materialknappheit und explodierende Rohstoffpreise führen zu massiven Behinderungen auf den Baustellen. DGFM-Vorstand Guido Runkel sieht seine Branche in der Pflicht und auch in der Lage, einen entscheidenden Beitrag zur Baustoffversorgung zu leisten.

Obwohl die Auftragsbücher der Baubranche mehr als gut gefüllt sind, könnte es zu der absurden Situation kommen, dass zahlreiche am Bau Beschäftigte erneut in Kurzarbeit geschickt werden müssen. Anhaltende Materialknappheit und explodierende Rohstoffpreise führen zu massiven Behinderungen auf den Baustellen. Im Interview sieht DGFM-Vorstand Guido Runkel seine Branche in der Pflicht und auch in der Lage, einen entscheidenden Beitrag zur Baustoffversorgung zu leisten.


Interview


Herr Runkel, Dämmmaterialien, Holz und Stahl sind kaum noch am Markt verfügbar und wenn, dann nur zu horrenden Preisen. Was ist aus Ihrer Sicht der Grund für die explodierenden Baustoffpreise?

Die Hauptursache liegt in der rasant anspringenden globalen Wirtschaft. Die Konjunkturprogramme in China, den USA und der Europäischen Union haben deutlich schneller zum erhofften Aufschwung geführt als von den Wirtschaftsexperten erwartet.

Da die Produktion in den Lockdown-Phasen heruntergefahren wurde, gab es auch keine großen Lagerbestände, auf die man hätte zurückgreifen können. Und wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigt nach den Mechanismen der freien Marktwirtschaft auch der Preis. Daher glaube ich nicht, dass sich die Lage in absehbarer Zeit entspannen wird. Ich halte es für realistisch, dass sich die Preiserhöhung bei einem spürbaren Plus im Vergleich zum vergangenen Jahr einpendeln wird.

Der Preis für Bauholz ist an der US-Rohstoffbörse innerhalb eines Jahres um 500 Prozent gestiegen. Kann man es den deutschen Holzproduzenten verübeln, dass sie ihr Holz lieber nach Amerika und China verkaufen?

Nein, ganz und gar nicht. Im vergangenen Jahr wurden 80 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. So viel wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung. Mehr als die Hälfte davon ist vom Borkenkäfer befallenes Schadholz, das hierzulande oft nicht als vollwertiges Bauholz eingesetzt werden kann. Daher ist es für die Sägeindustrie und den Holzhandel erfreulich, dass sie Schadholz durch den internationalen Bauboom zu extrem guten Preisen verkaufen können.

Was ich aus Umweltgründen kritisch sehe, sind die langen Transportwege und die chemische Behandlung des Holzes. Ein Schiffscontainer nach China legt 12.000 Kilometer zurück. Vor der Verschiffung wird das Schadholz chemisch u.a. mit Sulfuryldifluorid behandelt, einem Gas, das nach Angaben des Umweltbundesamtes 4.000-mal klimaschädlicher ist als CO2. Für mich konterkariert das den Anspruch des klimafreundlichen Baustoffes Holz. Ein Baustoff, der über so lange Strecken transportiert wird und dazu noch chemisch konserviert wird, ist alles andere als klimafreundlich.

Um wie viel Prozent hat die Mauerwerksbranche die Preise erhöht und welche Auswirkungen hat der Rohstoffmangel auf Ihre Produktion?

Die Preise für Mauerwerk haben sich in diesem Jahr maximal um moderate 4 Prozent erhöht. Das liegt vor allem daran, dass wir ausschließlich heimische Rohstoffe verarbeiten und somit nicht auf internationale Wertschöpfungsketten angewiesen sind. Aktuell liegt die Kapazitätsauslastung unserer Werke in vielen Regionen noch nicht beim möglichen Maximum.

Wir spüren regional eine anziehende Nachfrage, weil in Holz geplante Projekte aufgrund fehlender oder überteuerter Materialien jetzt in Massivbau ausgeführt werden sollen. Denn neben dem Holz, das im Holzrahmenbau oft nur rund 20 Prozent aller verwendeten Materialien ausmacht, sind auch viele anderen Materialien, wie Folien, Stahlelemente und Dämmstoffe entweder nicht verfügbar oder aktuell nur zu extrem hohen Preisen erhältlich. Wir sind grundsätzlich in der Lage, unsere Produktion noch etwas hochzufahren und damit Lieferengpässe anderer Baumaterialien kurzfristig aufzufangen.

Laut einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts fühlen sich bereits über 40 Prozent der Baufirmen durch Materialknappheit und explodierende Rohstoffpreise in ihrer Bautätigkeit behindert. Was hören Sie so von den Baustellen?

Besonders hart trifft es kleine Handwerksbetriebe. Sie haben ihre Angebote vor Monaten kalkuliert und kommen nun aufgrund der exorbitanten Preissprünge in eine extreme unternehmerische Schieflage. Zum einen müssen sie die Mehrkosten teilweise aus eigener Tasche zahlen, zum anderen ist die Vereinbarung von Folgeaufträgen unter diesen Rahmenbedingungen problematisch. Denn das ist auch für private Bauherrn eine schwierige Situation. Wenn aus den kalkulierten 350.000 Euro für das Wunsch-Fertighaus plötzlich bis zu 400.000 Euro und mehr werden, platzt für viele private Bauherren der Traum von den eigenen vier Wänden.

Laut einer aktuellen Studie von Interhyp würden 75 Prozent aller Deutschen gerne im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung leben. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach Wohneigentum in der jüngeren Altersgruppe. Und das aus gutem Grund, hat uns doch die Pandemie deutlich vor Augen geführt, wie wichtig das eigene Zuhause ist. Auch in Bezug auf die finanzielle Sicherheit ist Wohneigentum eine solide Wertanlage, der effektivste Schutz gegen hohe Mieten und die beste Altersvorsorge.

Wie werden sich die Preissteigerungen auf den sozialen Wohnungsbau auswirken?

Die Entwicklung kann spürbare Auswirkungen auf den sozialen Wohnungsbau haben, wenn sie sich weiter fortsetzt. Im letzten Jahr waren unter den 306.000 fertiggestellten Wohnungen gerade einmal 48.000 Sozialwohnungen. Auf der anderen Seite fallen pro Jahr rund 80.000 bezahlbare Wohnungen aus der Sozialbindung. Das macht unterm Strich ein Minus von 32.000 Sozialwohnungen allein im letzten Jahr.

Laut einer Berechnung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW haben sich die Baukosten seit 2000 um rund 80 Prozent verteuert. Das heißt, für mehr Geld gibt es immer weniger neue Wohnungen. Mit der gleichen Investitionssumme, mit der man 2010 noch 100 Wohnungen bauen konnte, bekam man 2020 nur noch 72 Wohnungen. Wenn die Preisentwicklung so weitergeht, werden es Ende des Jahres noch weniger Wohnungen für das gleiche Geld sein.

Mit Erstellungskosten, die aktuell bei bis zu 5.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche liegen können, lässt sich bezahlbarer Wohnraum mittlerweile kaum mehr realisieren. Der Druck, kostengünstig zu bauen, wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Das geht angesichts der aktuellen Preisentwicklung oftmals nur noch mit Mauerwerk – insbesondere, wenn dann auch noch nach typisierten Grundrisslösungen gebaut wird.

Mit Erstellungskosten von weniger als 2.000 Euro pro Quadratmeter zählen nach Untersuchungsergebnissen der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Kiel e.V. Mehrfamilienhäuser aus Mauerwerk zu den kostengünstigsten Geschosswohnungsbauten auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Damit ist der Mauerwerksbau die einzige Bauweise, die Klimafreundlichkeit, Kosteneffizienz und Klimaresistenz unter einem Dach vereint.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), Fotos: Bisotherm GmbH, Bundesverband Leichtbeton

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