20 Jahre BauLust e.V.

26. Februar 2016, ab 19.00 Uhr
Villa Leon, Philipp-Koerber-Weg 1, Nürnberg

Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau


[es gilt das gesprochene Wort]


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freundinnen und Freunde der Baukultur,

seit 20 Jahren gibt es nun den Verein Baulust e.V. hier in Nürnberg. Ein runder Geburtstag, den wir heute zu Recht gebührend feiern. Und ich freue mich sehr, dass ich zu diesem Jubiläum heute in meiner Funktion als Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau – und natürlich auch als BauLust-Mitglied – zu Ihnen sprechen darf.

Die BauLust hat es sich zum Ziel gesetzt, eine breite Öffentlichkeit für das Thema Bauen zu interessieren. Das ist eine wichtige Sache, denn Bauen betrifft uns alle. Bauen ist ja kein Selbstzweck, mit dem sich Ingenieure und Architekten die Zeit vertreiben. Unsere beiden Berufsstände planen, bauen und gestalten die Infrastruktur unserer Gesellschaft und damit beeinflussen wir das Leben von Ihnen allen.

Egal, ob Sie heute mit dem Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hergekommen sind – die Verkehrswege, die Sie benutzt haben, wurden von Ingenieuren geplant. Sind Sie über eine Brücke gefahren oder durch einen Tunnel hindurch? Auch da waren Ingenieure am Werk. Das Haus, in dem Sie leben, das Büro, in dem Sie arbeiten, die Schule, die Ihre Kinder besuchen – da haben Ingenieure und Architekten Hand in Hand geplant. Auch die Stadtplanung ist ein Feld, in dem unsere beiden Berufsstände gemeinsam agieren mit dem Ziel, die gebaute Infrastruktur, in der Sie leben, bestmöglich zu gestalten.

Sie sehen – Ihr gewohntes Leben ist quasi ständig von Ingenieuren und Architekten beeinflusst. Deswegen freut es mich besonders, dass Sie, liebe Gäste, sich aktiv mit diesem Thema befassen. Und ich danke allen Aktiven der BauLust, für Ihr großes Engagement in dieser Sache.

Auch kommunalpolitisch ist die BauLust sehr engagiert und gut vernetzt – das finde ich super. Und natürlich ist die BauLust auch ein Forum, das die beiden Disziplinen der Ingenieure und Architekten zusammenbringt und mit den Bürgerinnen und Bürgern vernetzt. Die BauLust ist gewissermaßen ein Forum der Gemeinsamkeiten.

Unsere Fachbereiche unterscheiden sich natürlich in einigen Punkten, aber es gibt viele Aspekte, die uns beide bewegen. Herr Heese, der Präsident unserer Schwesterkammer, wird dies sicher bestätigen.

Erlauben Sie mir zum Abschluss, zwei aktuelle Probleme kurz anzureißen, die unsere beiden Berufsstände betreffen:

Das Vergaberecht regelt, ab wann welches Bauprojekt oder welche Bauleistung europaweit ausgeschrieben werden muss. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Doch die EU hätte gerne eine Regelung durchgesetzt, bei der schon für ganz gängige Bauvorhaben wie beispielsweise den Bau eines Kindergartens mit drei Gruppen quasi jede noch so kleine Einzelleistung – die Vermessung, die technische Gebäudeausrichtung, die Tragwerksplanung etc. – europaweit ausgeschrieben werden muss.

Der Aufwand und die Kosten für die Bewerbung wären für kleine Büros so hoch, dass die meisten diesen Weg wohl erst gar nicht gehen würden. Fürs Erste konnten wir uns gegen dieses Ansinnen der EU wehren. Wie es mittelfristig ausgeht, bleibt abzuwarten.

In beiden Fällen hätte es, wenn sich die EU durchsetzt, weitreichende Folgen für die Ingenieur- und Architekturbüros, aber auch für die Verbraucher. Denn was würde passieren? Unsere kleinen Mittelständler würden über die Jahre zu machen müssen, weil sie dem Preisdruck der Großkonzerne nicht standhalten könnten. Wie in England oder den Benelux-Ländern, wo die Honorarordnung schon vor längerer Zeit abgeschafft wurde, würde es nur noch Großbüros geben, die dann dem Markt beherrschen und unter sich aufteilen.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau versucht mit Nachdruck, dieses Szenario abzuwenden und glücklicherweise können wir hier bislang auch einige Erfolge verzeichnen. Doch der Druck der EU bleibt und wir können jeden Unterstützer unserer Positionen gut gebrauchen.

Wie sieht es denn bei Ihnen, liebe Gäste, ganz konkret aus? Essen Sie lieber in großen Restaurantketten, wo das industriell vorgefertigte Essen morgens angeliefert und vor Ort erwärmt wird? Oder gehen Sie lieber zu der kleinen Gaststätte um die Ecke, wo es zwar keine ellenlange Speisekarte gibt, aber dafür der Chef selber kocht, Zutaten von hoher Qualität verwendet und gerne auch Sonderwünsche berücksichtigt?

Ich für meinen Teil bevorzuge das kleine Spezialitätenrestaurant. Und deswegen bin ich auch Verfechter unserer in der Region etablierten und spezialisierten mittelständischen Büros. Ich würde mich freuen, wenn wir auf Ihre Unterstützung zählen könnten.

Doch damit genug der fachlichen Exkursion – ich wünsche Ihnen nun noch eine schöne Jubiläumsfeier und weiterhin viel Lust am Bau.

 

 

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