Tagung „Kreislaufwirtschaft und Deponiewesen am Bau: Nachhaltig, bezahlbar und regional“

Mittwoch, 8. Juli 2015, 9.30 - 9.45 Uhr
Bayerische Ingenieurekammer- Bau, Schloßschmidstraße 3, 80639 München

Grußwort von Dipl.-Ing. Univ. Michael Kordon
1. Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau

 

[es gilt das gesprochene Wort]


Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Tagung „Kreislaufwirtschaft und Deponiewesen am Bau – Nachhaltig, bezahlbar und regional“. Die heutige Veranstaltung ist bereits die dritte Fachtagung, die die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und die Bayerische Bauindustrie gemeinsam ausrichten.

Im vergangenen Jahr standen sogenannte „Grüne Krankenhäuser“ im Mittelpunkt, 2013 waren es die „Grünen Fabriken. Wir freuen uns, die Kooperation mit der Bayerischen Bauindustrie auch in diesem Jahr fortzusetzen.

„Kreislaufwirtschaft und Deponiewesen am Bau“ – das ist eines der großen Themen, das uns im Bauwesen in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen wird.

Wenn wir uns nur mal kurz vor Augen führen, wie viel Müll jeder von uns täglich produziert – das ist schon enorm. Alle möglichen Alltagsgegenstände sind in Plastikverpackungen eingeschweißt und bei den meisten von uns ist die Restmülltonne auch regelmäßig gut gefüllt.

Doch das alles ist nichts, „Peanuts“, wie man bei der Deutschen Bank sagen würde, im Vergleich zu dem Ausmaß an Abfall, das das Bauwesen produziert. Das Bauwesen ist für sage und schreibe mehr als 50 % des Abfallaufkommens in Deutschland verantwortlich. Oder anders gesagt, alle anderen Branchen sowie die Privatleute zusammengerechnet, machen nicht so viel Müll wie die Baubranche.
Das muss man mal kurz sacken lassen.

Aber ich frage mich schon, wenn sich bei einem Tunnelbauvorhaben im Ausbruchmaterial Arsen nachweisen lässt, das dort geogen vorhanden ist, ist das Abfall?

Wenn wir bei einem Straßenbauvorhaben auf Torf stoßen und in ganz Bayern keine Möglichkeit der Weiterverwendung, Entsorgung oder Ablagerung finden?

Wenn wir beim Bau einer Straße belasteten Boden erkunden und dann die Diskussion führen, dass das Material zur näheren Beprobung zwischenzulagern ist, eine Fläche zur Zwischenlagerung aber nicht genehmigungsfähig ist, weil die Ergebnisse der Beprobung aus der Zwischenlagerung noch nicht vorliegen!

Drei Beispiele aus dem echten Leben am Bau, die zeigen wie sehr es notwendig ist, Lösungen zu suchen und zu finden.

Lösungen müssen im verantwortlichen Bewusstsein im Umgang mit unserer Umwelt praktikabel und insgesamt sinnvoll sein. Das Aufladen und Abtransportieren in ferne Deponien womöglich in andere Länder kostet Geld, macht Lärm auf der Straße und verbrennt jede Menge Diesel. Das kann meiner Meinung nach auch keine Lösung sein.

Wir sind dafür verantwortlich, dieses extrem hohe Abfallaufkommen, das unsere Branche produziert, so zu bewältigen, dass unsere Ressourcen dabei so gut es geht geschont werden.

Ein guter Grund also für die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, mit der heutigen Veranstaltung dieses wichtige Thema anzupacken. Denn die Kammer setzt sich mit vielen Projekten für den Erhalt und Ausbau unserer Umwelt und Infrastruktur ein. In der aktuellen Broschüre „Nachhaltigkeit in der kommunalen Infrastruktur“ beispielsweise zeigt die Kammer auf, wie man nachhaltig baut, handelt und gestaltet.

Außerdem engagiert sich die Kammer seit 2012 in der Aktionsgemeinschaft Impulse pro Kanalbau, die sich dafür einsetzt, endlich den Investitionsstau in diesem Bereich zu beheben. Und sie möchte erreichen, dass bei Investitionen in die Infrastruktur nicht nur an den Hochbau gedacht wird. Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch, dass wir den Bauwerken über und unter der Erde die Aufmerksamkeit schenken, die sie benötigen.

Doch zurück zum Abfallaufkommen in der Baubranche. Aktuell liegt die Verwertungsquote für Bauschutt und Straßenaufbruch bei stolzen 93 Prozent. Das klingt erstmal super, oder?

Doch diese Quote ist in Gefahr. In der regionalen Entsorgung, speziell bei den mineralischen Bauabfällen, gibt es schon heute Engpässe. Das schlägt sich auch in den Kosten nieder. Um sage und schreibe 300 Prozent sind die Entsorgungskosten in Bayern in den vergangenen 5 Jahren gestiegen.

Wie können diese Engpässe im Deponiebereich beseitigt werden? Das ist eine der zentralen Fragen, mit der wir uns bei der heutigen Tagung befassen wollen. Außerdem wollen wir klären, wie Baustoffe beschaffen sein müssen, damit sie vollständig recycelt werden können.

Damit sind wir auch schon mitten im Programm, auf das Sie alle zu Recht gespannt sein dürfen. Sehr geehrter Herr Professor Braungart, Sie stellen uns nun den Cradle-to-Cradle-Ansatz und die damit verbundene Vision einer abfallfreien Bauwirtschaft vor.

Kann es mit Cradle-to-Cradle wirklich gelingen, alle Baumaterialien im Stoffkreislauf zu halten? Ich bin gespannt.

Und da Sie es sicher auch sind, schließe ich hiermit und darf Herrn Professor Braungart das Wort übergeben.

 

 

zurück zur Übersicht

Bayerische
Ingenieurekammer-Bau

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de

► Aktuelles ► Reden
Planer- und Ingenieursuche
Partner Mittelstandspakt Bayern

Partner Klima-Allianz Bayern