Verleihung Holzbaupreis

am Donnerstag, 22. Januar 2015, 14:00-16:00 Uhr
Messe München, ICM, Saal 13

Grußwort: Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken
Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau

[Es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrter Minister Brunner,
sehr geehrter Herr Kirst,
sehr geehrte Jurymitglieder,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,


wir sind heute hier, um die Preisträger des „Holzbaupreises Bayern 2014“ zu küren. Seit Jahrtausenden wird Holz als Baustoff verwendet. Bereits in der Steinzeit wurden Pfahlbauten errichtet. Holz – das ist aber nicht nur ein Baustoff mit großer Vergangenheit, sondern auch ein Baustoff mit großer Zukunft.
Der Holzbau in Deutschland ist auf dem Vormarsch. Zu Recht, denn: Holz ist modern, Holz ist ehrlich, Holz ist nachhaltig, Holz ist wertvoll. Holz ist ein innovativer Baustoff, der im Trend liegt.

Über ein Viertel aller Deutschen könnten sich vorstellen, in einem Holz-Haus zu leben. Das ergab eine repräsentative Umfrage für das Magazin „DAS HAUS“. Der Anteil von Wohngebäuden in Holzbauweise hat sich in den vergangenen 25 Jahren in Bayern auf heute fast 20 Prozent mehr als verdoppelt. Da gibt es aber noch Luft nach oben: Vergleicht man zum Beispiel die Zahl der Holzhäuser mit denen unserer europäischen Nachbarländern. In Österreich liegt der Anteil an Holzhäusern beispielsweise bei rund 35 Prozent, in Skandinavien sogar bei 85 Prozent.

Holz ist nachhaltig. Holz wächst nach, Holz wird regional produziert und verarbeitet, Holz wird damit zu einem nachhaltigen Wirtschaftsgut, das vielen Beteiligten in der Region zu Gute kommt.

Holz ist auch ein ehrlicher Baustoff. Damit meine ich, dass auch der Laie am Holz ablesen kann, wie beispielsweise die Tragstruktur eines Bauwerks funktioniert. Der Verlauf der unterschiedlichen Kräfte ist deutlich ablesbar und die Belastung der einzelnen Bauteile erkennt auch ein Nicht-Experte – beispielsweise am gewählten Querschnitt. Insofern trägt Holz dazu bei, dass Bauwerke „begreifbar“ werden. Und ich bin mir sicher, dass dies auch am Wunsch vieler Bauherren sichtbar wird, die sich „offene Konstruktionen“ für ihr Bauwerk wünschen.

Im Holzhausbau stehen den Bauingenieuren, Architekten und Holzbau-Unternehmen heute sehr belastbare Holzwerkstoffe zur Verfügung.

Werden Hölzer in mehreren Schichten verleimt, entstehen dadurch neue leistungsfähige Holzwerkstoffe, die die Gestaltungsvielfalt im Holzbau erhöht. Den planerischen Gestaltungsmöglichkeiten beim Bauen mit Holz sind immer weniger Grenzen gesetzt. Auch nicht nach oben: Dank aktueller Entwicklungen beschränkt sich der Holzbau nicht mehr auf Gebäude mit geringer Höhe, sondern erlaubt auch Gebäude mit vielen Geschossen – auch Hochhäuser aus Holz sind so möglich.

Für den Baustoff Holz spricht auch seine außerordentliche Belastbarkeit: Holz trägt im Verhältnis zu seinem Gewicht rund 14-mal so viel wie Stahl und ist genauso druckfest wie Stahlbeton. In Erdbebengebieten werden deshalb bevorzugt Häuser in Holzbauweise gebaut.

Holz zeichnet sich durch ein besseres Verhältnis von Festigkeit zu Eigengewicht aus als andere Baustoffe wie zum Beispiel Beton oder Stahl. Die geringere Masse der Holzhäuser erzeugt bei einem Erdbeben weniger Trägheitskräfte. Bei Erdbeben stellen neben den vertikalen Beschleunigungen und Rissbildungen an der Erdoberfläche die horizontalen Beschleunigungen die größte Gefahr für Gebäude dar. Holz hat röhrenförmige Zellen, die Hohlräume erzeugen und die elasto-mechanischen Eigenschaften optimieren.

Der Baustoff Holz verfügt zudem über eine hohe Druck- und Zugfestigkeit. Die Erdbeben-sicherheit von Holzkonstruktionen belegen zahlreiche Gebäude in seismologisch aktiven Regionen: z. B. Jahrhunderte alte Holzhäuser in Istanbul, Holzbauobjekte in Japan und mehrgeschossige Wohnanlagen in Seattle.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Ausdruck der neuen Formensprache im Holzbau sind Holzhäuser die vom Wohnkomfort wie auch der Architektur dem Anspruch nach Ökologie und Nachhaltigkeit in höchstem Maße entsprechen. Der moderne Holzbau eignet sich hervorragend für wohngesunde, ökologische Einfamilienhäuser in Niedrigenergie- oder Passivhausbauweise.
Die bayerischen Bauingenieure nehmen den Klimaschutz sehr ernst. Wer sich für den Bau eines Holzbauwerkes entscheidet, trägt auch zum Klimaschutz bei, weil dadurch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre gemindert wird. Ein Kubikmeter entzieht der Atmosphäre während des Wachstums eine Tonne Kohlendioxid.

Bei Bauprodukten aus nicht nachwachsenden Rohstoffen ist dies nicht der Fall, da diese Materialien kein CO2 speichern und deshalb sowohl bei ihrer Herstellung als auch bei ihrer Entsorgung überschüssiges Treibhausgas freisetzen. Wer also mit Holz baut, leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

Holz ist ein Baustoff, der mit allen Sinnen erlebbar ist. Das macht ihn so besonders, und das macht ihn für uns auch so wertvoll.

Dass Holz als moderner Baustoff nicht nur höchsten ästhetischen, sondern auch höchsten bautechnischen Anforderungen entspricht, das können wir unter anderem an den Projekten sehen, die heute hier ausgezeichnet werden. Ich bin sehr froh, dass Ingenieure, Architekten, Zimmerer und alle übrigen am Bau Beteiligten sich wieder verstärkt dem Bauen mit Holz zuwenden.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau unterstützt auch in diesem Jahr gerne wieder den Holzbaupreis Bayern. Im Namen des Kammervorstands gratuliere ich allen Preisträgern sehr herzlich. Danken möchte ich allen, die am Wettbewerb teilgenommen haben, und auch den Initiatoren gilt unser besonderer Dank.

Wettbewerbe sind ein wichtiges und richtiges Mittel, um in der Öffentlichkeit die hohe Qualität der Planungs- und Bauleistungen, die von Ingenieuren, Architekten und ausführenden Firmen in Deutschland erbracht werden, darzustellen. Und letztlich ist es immer die Qualität, die zählt! Mit dem Holzbaupreis Bayern 2014 ist dies wieder in besonderer Weise gelungen.

Ich bedanke mich für Ihr Interesse und wünsche Ihnen gute Gespräche im Anschluss.

 

 

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