Büroeinweihung Hartinger Consult GmbH

Freitag, 4. Juli 2014, ab 11.00 Uhr
Rudolf – Diesel – Straße 5 , 86470 Thannhausen

Grußwort Dr.-Ing. Ulrich Scholz
Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau


[es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrter Herr Hartinger,
sehr geehrter Herr Seitz,
liebe Gäste,

im Namen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau darf ich Sie recht herzlich zur heutigen Büroeinweihung der Hartinger Consult GmbH begrüßen. Sehr gerne habe ich Ihre Einladung angenommen. Die Tatsache, dass ich als Vorstandsmitglied der Berufsvertretung der Ingenieure im Freistaat hier gemeinsam mit dem örtlichen Bürgermeister und dem Stadtpfarrer spreche, zeigt, dass die Einweihung Ihres Büros für Thannhausen ein wichtiges Ereignis ist.

Dass Sie angefragt haben, ob ich für die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ein kurzes Grußwort zu diesem schönen Anlass sprechen möchte, zeigt mir, dass Ihnen die Mitgliedschaft in der Kammer etwas bedeutet und das freut uns natürlich sehr.

Nicht alle Anwesenden werden die Bayerische Ingenieurekammer-Bau kennen. Deswegen erlauben Sie mir, einleitend ein paar Worte über unsere Kammer zu verlieren.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist die Interessenvertretung der bayerischen Ingenieure aus Bauwesen und Bauwirtschaft, Freien Berufen und öffentlichem Dienst. Sie wurde 1990 gegründet und zählt inzwischen mehr als 6.300 Mitglieder. Unsere Mitglieder sind Beratende Ingenieure als Pflichtmitglieder sowie freiberuflich tätige, angestellte, beamtete und gewerblich tätige Ingenieure als freiwillige Mitglieder.

Sie, lieber Herr Hartinger, gehören zu unseren langjährigen Mitgliedern. Seit nunmehr 23 Jahren sind Sie Mitglied unserer Kammer. Dafür haben Sie 2011 auch die goldene Ehrennadel erhalten. Diese Auszeichnung vergeben wir nur an Ingenieure, die uns seit über 20 Jahren die Treue halten. Auch Ihr Geschäftsführer-Kollege Markus Seitz ist schon viele Jahre lang Kammermitglied und ebenfalls einige ihrer Mitarbeiter.

Unsere Kammer zählt zu den wenigen in ganz Deutschland, die kontinuierlich wächst. Das gelingt natürlich nur, wenn unsere Angebote für sehr berufserfahrene Kollegen genauso attraktiv sind, wie für junge Berufseinsteiger.

„Wir schaffen eine Brücke zwischen Tradition und Moderne“. Dieser Satz trifft auf unsere Kammer in bester Weise zu. Dabei ist es gar nicht unser Leitsatz, den ich hier zitiere, sondern der Ihres Büros.

Sie stellen sich dieser Herausforderung sowohl im Hinblick auf Ihre Bauprojekte wie auf Ihre Mitarbeiterschaft. Ich sehe hier in der Runde jüngere und ältere Gesichter und ich denke, Sie haben da das richtige Händchen.

Wie ein Großteil der Anwesenden wissen dürfte, wurde das Ingenieurbüro Hartinger Consult GmbH im April 2009 als Nachfolgefirma für die beiden Ingenieurbüros Hartinger Consult und Ingenieurbüro Markus Seitz gegründet. Vor Kurzem sind Sie nun in die Büroräume hier eingezogen. Und nach all dem, was ich bislang von diesem Gebäude gesehen habe, kann ich Ihnen zu dieser Entscheidung nur gratulieren.

Ihr Büro, Herr Hartinger und Herr Seitz, ist in vielen zentralen Feldern des Ingenieurwesens aktiv.
Herr Seitz, Sie sind
Sie, Herr Hartinger, sind zusätzlich auch
Damit decken Sie ein breites Spektrum ab und ich kann mir gut vorstellen, dass dies eines der Erfolgsrezepte der Hartinger Consult GmbH ist.

Damit der Erfolg auf lange Sicht bleibt, ist Eines unerlässlich: eine solide Ausbildung der Mitarbeiter sowie eine regelmäßige Fort- und Weiterbildung. Die Fort- und Weiterbildung ist von Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Zu unserer Kammer gehört die Ingenieurakademie Bayern, die stets aktuell am Puls der Zeit die Fortbildungen anbietet, die für Ingenieure im Bauwesen bedeutsam sind. Ich selbst bin Mitglied des Akademieausschusses, der regelmäßig über das Fortbildungsangebot berät und die geeigneten Referenten sucht. Ganz aktuell wurde das 2. Halbjahresprogramm 2014 veröffentlicht – ich habe Ihnen zur Information ein paar Exemplare mitgebracht.

Doch bevor überhaupt an Fort- und Weiterbildung zu denken ist, muss eine umfassende und möglichst nachhaltige Ausbildung das Fundament bilden.

Nachhaltige Ingenieurausbildung ist der Titel eines Beitrags unseres Vizepräsidenten Professor Dr.-Ing. Norbert Gebbeken im Deutschen Ingenieurblatt vom Juni 2014, also ganz aktuell. Er vergleicht darin Erkenntnisse aus der Landwirtschaft mit Ansätzen der Bildungspolitik. Wenn im Ackerbau die Randbedingungen Boden und Klima die Möglichkeiten des Anbaus eingrenzen, so sind auch in der Ausbildung von jungen Menschen die Randbedingungen zu beachten. Da sind beispielsweise die persönlichen Fähigkeiten und die individuelle Betreuung wesentliche Einflussfaktoren.

Nun wissen wir auch aus der Landwirtschaft, dass Monokulturen auf Dauer zu Problemen führen. Derzeit ist an unseren Hochschulen aber genau diese Entwicklung hin zu Monokulturen zu beobachten mit engen Spezialisierungen auf Teilgebieten, was dann als Alleinstellungsmerkmal positiv vermarktet wird. Mit Ihrem Büro decken Sie ein breites Tätigkeitsfeld ab und wissen daher, dass eine gute Ingenieurausbildung auf der Vermittlung eines breiten Grundlagenwissens basiert. Ich bin mir sicher, dass Sie dies bei Ihrer Mitarbeiterauswahl beachten und stets gut ausgebildete Mitarbeiter in Ihren Reihen haben.

Das Gelernte muss in die Praxis umgesetzt werden und wie dies geschieht, ist in verschiedenen Normen geregelt.

Zu dem Thema Normung hatten Sie, lieber Herr Hartinger, ausdrücklich um ein paar Worte gebeten. Dies ist eine eigentlich unlösbare Aufgabe. Denn das, was wir in den letzten Jahren im Bereich der Normung erleben, würde eine ganze Tagesveranstaltung füllen. Ich will mich aber kurz fassen und beschränke mich auf ein paar Schlaglichter. Zu Beginn zitiere ich aus dem Editorial der Zeitschrift „Der Bausachverständige“ vom Juni 2013: „Nicht nur die Flut neuer Regelwerke belastet Planer und Sachverständige, sondern auch die Pseudoverwissenschaftlichung der Normen. Bei der Entwicklung neuer Normen stehen leider nicht mehr sinnvolle, einfache und handhabbare Bemessungs- und Ausführungsvorgaben im Vordergrund. Fast durchgängig ist dabei eine deutliche Verkomplizierung der Bemessungsgrundlagen festzustellen, die einen umfassenden wissenschaftlichen Hintergrund sowie eine Genauigkeit suggeriert, die teilweise im direkten Vergleich mit empirisch ermittelten Größen nach Umsetzung nicht bestätigt wird.“ So weit das Zitat.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Neue Normen sind notwendig, um die Regelungen an die technische Entwicklung anzupassen. Dies war auch in der Vergangenheit ein deutsches Erfolgsrezept, die Normen wurden in vielen Ländern angewandt und waren somit ein Exportschlager.

Lassen Sie mich die Entwicklung am Beispiel der Regelungen für die anzusetzende Windlast auf Bauwerke veranschaulichen. Begonnen hat es mit einer Festlegung des Berliner Polizei-Präsidiums im Jahr 1887. Die Regelung bestand aus 2 Lastangaben für unterschiedliche Gebäudehöhen, insgesamt kaum mehr als eine Zeile. Der amtliche Erlass Preußen 1919 regelte die Windlast in 1 Seite. Im Jahr 1938 erschien für diesen Bereich die erste Deutsche Industrie Norm, kurz DIN. In dieser DIN1055-4 umfassten die Regelungen dann 5 Seiten. Bei der Überarbeitung 1977, also fast 40 Jahre später, wurden daraus 2 Teile mit insgesamt 33 Seiten. 1986 war die DIN 1055-4 mit 23 Seiten gültig, 2005 erschien die Neuauflage mit 101 Seiten und wurde dann noch mit 6 Seiten Korrigendum verbessert. Diese Norm wurde ersetzt durch die im Zuge der europäischen Harmonisierung entstandene Europäische Norm EN1991-1-4 aus dem Jahr 2010 mit 153 Seiten.

Diese europäischen Normen haben aber die Eigenart, dass sie noch um national festzulegende Passagen und Parameter ergänzt werden, die im Nationalen Anhang stehen. Bei der Windlast beträgt der Umfang des Nationalen Anhangs 41 Seiten. Wir müssen also für die Bestimmung der Windlast auf ein Gebäude eine Norm mit 153 Seiten und den NA mit 41 Seiten, also insgesamt 194 Seiten kennen und berücksichtigen. Dies entspricht einer Steigerung auf fast 600% gegenüber 1977. Die Regelungen zur Windbeanspruchung sind aber nur ein kleiner Teil der täglich bei unserer Arbeit wichtigen Normen. In anderen Bereichen war die Steigerung des Umfangs ähnlich oder noch größer, wie beim Holzbau. Von 1969 bis 2010 haben wir dort eine Steigerung von 32 auf 386 Seiten, also etwa 1200%.

Derzeit haben die Bemessungsnormen für den konstruktiv tätigen Ingenieur einen Umfang von 5.500 Seiten Europäische Norm und 2.500 Seiten Nationaler Anhang. Der Zustand wird nicht nur in Deutschland als untragbar angesehen. In Deutschland hat sich aus allen Bereichen der am Bau Beteiligten die Initiative Praxisgerechte Regelwerke im Bauwesen als eingetragener Verein zusammengetan. Im PRB werden Vorarbeiten für die nächsten Novellierungen der Norm unternommen, die dann in den europäischen Kommissionen eingebracht werden. Eine Reduzierung des Umfangs auf die Hälfte erscheint möglich. Das würde uns allen, die an der Planung arbeiten, gut tun.

Für die Bürgerinnen und Bürger und die Auftraggeber ist das Schöne, dass Sie nicht wissen müssen, welche Normen einem bestimmten Bauwerk zugrunde liegen. Sie können das Bauwerk einfach nutzen und sich darauf verlassen, dass die Ingenieure alles so geplant und gebaut haben, dass das Bauwerk seinen Beitrag zum Allgemeinwohl leistet.

Um die Arbeit von Ingenieuren auch für interessierte Nicht-Fachleuten erfahrbar zu machen, hat die Bayerische Ingenieurekammer-Bau den Tag der Energie ins Leben gerufen. Der Tag der Energie ist eine bayernweite Veranstaltungsreihe, bei der die verantwortlichen Ingenieure ihre Bauwerke der interessierten Bevölkerung zeigen und erklären. Wie der Name schon nahelegt, geht es hier um verschiedene Projekte zur Energiewende.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Sie alle sehr herzlich zu unserem Tag der Energie einzuladen. Der Auftakt findet bereits nächsten Freitag, am 11. Juli statt. Und für mich persönlich ist diese Auftaktveranstaltung ein echtes Highlight. 100 Gäste können exklusiv an einer Führung durch das Stadion des FC Augsburg, der SGL arena, teilnehmen. Denn in Augsburg steht das erste CO2-neutrale Fußballstadion der Welt. Dazu bieten wir noch ein paar Überraschungen an, die aber noch geheim bleiben müssen, sonst wären sie ja keine Überraschung mehr. Die Teilnahme ist übrigens kostenfrei – Sie müssen sich nur anmelden. Und eines ist fest versprochen: mit Normen werden wir Sie nicht behelligen!

Wer trotz WM dem Fußballfieber nicht erlegen ist, der kann alternativ am 12. Juli eine private Solarthermieanlage besichtigen oder am 13. Juli sich die energetische Sanierung eines Wohn- und Geschäftshauses erklären lassen. Neben diesen Veranstaltungen in Augsburg könnte für Sie vielleicht auch der Weg nach Königsbrunn interessant sein, wo Sie durch ein privates Plusenergiehaus geführt werden. Wenn Sie sich näher informieren möchten, nehmen Sie sich einfach eine der Broschüren zum Tag der Energie mit, die ich für Sie bereitgelegt habe. Oder schauen Sie ins Internet auf www.energietag.info

Damit darf ich meine Rede schließen. Ich bedanke mich nochmals sehr herzlich für die Einladung und wünsche Ihnen, Herr Hartinger und Herr Seitz, mit Ihrem Büro weiterhin viel Erfolg!

 

 

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