Ausstellungseröffnung "90 Tage" von Albert Lohr

Künstlerische Einführung von Klaus von Gaffron
Vizepräsident des Verbands Freier Berufe in Bayern e.V.
Ausstellungseröffnung am 30. Januar 2014
"90 Tage" von Albert Lohr
Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Nymphenburger Str. 5, 80335 München

[es gilt das gesprochene Wort]


Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich begrüße Sie sehr herzlich zu der heutigen Ausstellungseröffnung "90 Tage" von meinem Künstlerkollegen Albert Lohr.

Besonders herzlich begrüße ich Sie, Herr Präsident Dr. Schroeter und natürlich alle, die in diesem Hause arbeiten und nun neue Gesprächspartner für die nächste Zeit  an den Wänden haben.
Bedanken möchte ich mich bei Herrn Struck und seinem Team für die perfekte Zusammenarbeit und bei Albert Lohr, der hier seine Arbeiten zeigt.

Es ist nicht selbstverständlich für Künstler, dass sie in Arbeitsnutzräumen ausstellen, sind es doch andere Bedingungen, als in einem White Cube einer Galerie. Ich bin aber überzeugt, dass Bilder als Begleiter im Arbeitsalltag notwendig sind.

Der Arbeitsalltag beginnt mit ihnen, sie sind präsent ohne geschwätzig zu sein, sie sind Ruhepunkte, werden aber aktiv, wenn man sich Ihnen widmet.  Sie öffnen sich in Form und Farbe, geben Anregungen und begleiten sie über den Alltag hinaus.  Sie können auch zu kaufbaren Freunden werden, wobei "kaufbar" nicht im Sinne von Bestechung gedacht ist.

Wer jetzt schon rätselt, was bedeutet "90 Tage", dem sei gesagt, es orientiert sich nicht an der Bibel mit der 7 Tage Weltschöpfung; auch nicht, dass der Künstler immer 90 Tage zur Erschaffung eines Werkes braucht. Nein, ganz pragmatisch, die Ausstellung läuft 90 Tage.

Diesen Pragmatismus, also die Handlungsbezogenheit, finden wir auch in der Arbeit von Albert Lohr.
Aber noch kurz ein paar Daten zum Künstler:

Albert Lohr, geb. 1949, lebt und arbeitet in München
Lehre als Kunstkupferdrucker mit Abschluß
Studium am Lehrinstitut für graphische Gestaltung und visuelle Kommunikation Abschluß mit Diplom
Coverdesigner für Ariola-Eurodisc ( Designerpreise )
Seit 1980 freischaffender Künstler
Er erhielt den RischArt-Preis, den Förderpreis der LH München und den Casa-Designpreis
Seit 1984 zahlreiche Ausstellungen im In – u. Ausland

Die Ausstellungstätigkeiten können Sie in der kleinen Broschüre nachlesen.

Albert Lohr verwendet als Malmittel vorrangig Acryl, bei den kleinen Formaten auf Holz oder Papier, bei den großen Formaten ist es Acryl auf Leinwand. Die Bildfläche ist immer in seiner Gesamtheit ein bearbeiteter Bildraum, der vom Urgrund nach oben hin in unterschiedlichen Facetten der Gestaltung erarbeitet wird. So entstehen überlagerte Gedankenräume, die sich immer in unterschiedlichster Gestaltungsform definieren.                                                                                                                              

Monochrome, also einfarbige Flächen, sind durch reliefartige Erhebungen strukturiert. Die Materialität dieser Erhebungen bleibt verborgen, so zu sagen eine geheimnisvolle  Welt hinter der monochrom gestalteten Farbfläche. Die Reliefhaftigkeit wird durch den pastosen, also dickflüssigen Farbauftrag, verstärkt.  Diese, somit sinnliche Farbfläche, wird wiederum durch eigenwillig gestaltete farbige Kryptoelmente, offen in der Anordnung, besetzt.

Wenn auch diese Zeichensetzungen kryptisch, also schwer zu deuten sind, so drängen sich uns Assoziationen auf. Erinnerungen an medizinische Petrischalen mit Zellkulturen, aber auch reliefartig aufgebaute Weltkugeln mit Vermerken von Kleininseln sind möglich. Beides haben sie gemeinsam, es sind Lebensräume. Und auch das Undeutbare ist ein Lebensraum.

Die hier gezeigten Arbeiten umfassen einen künstlerischen Werdegang von 15 Jahren. Wir können somit bestens die künstlerische Haltung des Künstler zu seinem Bilddenken und zu dessen Umsetzung nachvollziehen.

Die bereits kurz beschriebenen Arbeiten, es sind die Kleinformate, die alle das einheitliches Maß von 50 x 40 cm haben, befinden sich in erster Linie in dem langen Gang auf der anderen Seite. Es sind die älteren Arbeiten, was aber nicht von Bedeutung ist, da sie einen wichtigen Aspekt des künstlerischen Denkens von Albert Lohr markieren.

Es ist das Erforschen und Schaffen von neuen visuellen Welten. Wie ein roter Faden zieht sich durch das ganze Werkschaffen das Eindringen in die nicht sichtbare Welt.

Albert Lohr versucht dabei ganz pragmatisch nicht Gefangener seines Tuns zu sein, sondern bricht aus und sucht immer wieder das Neue. Trotzdem bleibt das Gewesene als nicht löschbar in seinem Denken. Es verhält sich wie beim Palimpsest,  wo das Eingeschriebene, zwar gelöscht, weiterhin im Material verbleibt. Das Gewesene als Baustein für die neueren Arbeiten. So bleiben die älteren Arbeiten weiterhin aktuell.

Bei dem Versuch das eigene künstlerische Tun zu hinterfragen, kommt Albert Lohr immer wieder auf die Begriffe des Schreibens. Hier ist nicht das literarisch textuale gemeint, sondern der Buchstabe als graphisches Element, wie beim Kryptogramm, wo durch Hervorheben dem Buchstaben eine besondere Bedeutung zugemessen wird. 

Dies geschieht nicht nach graphischen Gesichtspunkten, sondern er wird in der Gestaltung bildnerisch asketisch eingesetzt. Es entstehen offene Formen oder Kürzel, ihre vormalige Bedeutung aufgebend.
Trotz seiner graphischen Ausbildung versteht Albert Lohr sich als Maler.

Alle Linien, Verflechtungen und künstlerischen Eingriffe erfolgen über Farbe und Pinsel. Natürlich entziehen sich die neueren Arbeiten nicht ganz einer graphischen Anmutung.  Waren die früheren Bildfindungen mehr einer Intuition geschuldet, so werden jetzt Ornamente von Spuren und Zeichen gesetzt. Das Ornamentale wird aber nicht als schmückende Verzierung gesehen, sondern definiert sich durch die Sparsamkeit der Mittel.

Durch die Reduzierung auf die Linie, der Urform der Zeichnung, konkretisiert er sein malerisches Tun, wobei eine technoid wirkende Sehweise immer stärker hervortritt.  Auch die neuen Medien werden zitiert. Nur bei Albert Lohr bleibt das Pixel nicht Pixel, es verändert sich camälionartig zu Gunsten einer Neuformung.

Faszinierend sind die Hintergründe, auf denen die Linien und Zeichensetzungen dem Bildraum eine Zweidimensionalität verleihen. In den Hintergründen verdichten sich Linien, verweben miteinander und geben einem organischen Geflecht Raum. Trotz Gefahr einer ungewollten Interpretation kann man sich einer verdichteten Stadtraumanmutung nicht entziehen, über die, wie bei den Violett/Rosa groß angelegten Arbeiten, Wolken zu ziehen scheinen.

Die Faszination der Arbeiten liegt darin, dass sich Assoziationen einstellen, die aber dem Bild nicht eingeschrieben sind. Sie lösen sie sich wieder zu Gunsten der offenen Bildaussage auf.  Die Bilder leben aus dem Bewusstsein des Künstlers, ein Ordnungssystem zu gestalten, in dem aber das Chaos brodelt. Es geht um die Wechselwirkung zwischen Selbst und Welt.

Die Bilder von Albert Lohr sind über die Zeichen- und Chiffrensetzungen die Verdeutlichung der komplizierten Beziehung zwischen Unbewusstem, Bewusstem und der Realität. (Zitat aus der "Zeit" von Almuth Dinkelacker )

Die, von mir interpretierten Wolken, lösen sich somit auf Wolke zu sein und werden zu fragmentarischen Zeichensetzungen, ähnlich eines stark ausfransenden Stempels. So nähern wir uns wieder dem technoiden Gestaltungswillen des Künstlers.

Lassen Sie sich von den Chiffren und Zeichen, den Linien und Verknüpfungen durch die Bildräume führen. Vollziehen Sie das vom Künstler selbst gelebte Suchen und Entdecken.
Erleben Sie die Deutungsoffenheit in Albert Lohrs Bildwelt, auch, wenn Sie als Ingenieure Ihrem Beruf geschuldet, maßstabslose Planzeichnungen, Grundrisse, Wegführungen und so weiter zu entdecken glauben.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und nutzen Sie die Möglichkeit mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen.

 

 

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