Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter: Büro Rieger+Brandt wird Büro Oehmke+Herbert

Büro Rieger+Brandt wird Büro Oehmke+Herbert
Grußwort des Präsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
03.02.2012
Nürnberg

[es gilt das gesprochene Wort]

Lieber Herr Rieger,
Lieber Herr Oehmke,
Lieber Herr Herbert,
Lieber Herr Wagner,
Meine Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen

der Anlass, warum wir heute zusammengekommen sind, ist ein durchaus erfreulicher: Freiberufler feiern den Übergang eines Ingenieurbüros in einen neuen Zeitabschnitt, die Übergabe an eine neue Generation.

Freiberufler sind ja seltsame Wesen: Eigentlich sind sie Unternehmer, aber weder handeln sie mit Waren noch stellen sie handelbare Güter her. Ihre Produkte sind im Wesentlichen immateriell.
Im konkreten Fall des Ingenieurbüros ist es bedrucktes Papier, das Planungen und Gutachten, eben das Ergebnis von Denkvorgängen darstellt. In der Oberpfalz gibt es das Sprichwort „Ein Bauer zahlt nicht für Papier“. Das erklärt vielleicht auch manche Schwierigkeit, Bauherren den Wert der Arbeit eines Ingenieurs zu verdeutlichen.

Freiberufler stellen im Konzert der wirtschaftlich Mächtigen nur eine zahlenmäßig kleine Gruppe dar. Gleichzeitig sind sie für große finanzielle Werte verantwortlich, Werte die oft den Jahresumsatz eines Büros um das mehrfache übersteigen. Und sie haben eine besondere Beziehung zum Staat, der einmal wichtiger Auftraggeber ist, aber auch manchem Freiberufler bestimmte hoheitliche Aufgaben zum Beispiel als Prüfsachverständiger überträgt. Vielleicht sind Freiberufler deswegen so engagiert in Berufsverbänden und Kammern.

Sie sind zwar Konkurrenten, aber sie finden zusammen, um den Berufsstand zu stärken gegenüber den wirtschaftlich Stärkeren, denn das sind die Auftraggeber im Allgemeinen. Und auch um die Selbstverwaltung des Berufsstands und damit die Unabhängigkeit zu organisieren.

Deswegen spreche ich heute auch in zwei Funktionen zu Ihnen: als Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, der Körperschaft des öffentlichen Rechts für alle im Bauwesen tätigen Ingenieure, und als Vertreter des Verbands Beratender Ingenieure, des größten Berufsverbands der Freiberufler. Der Landesvorsitzende, Herr Karner, ist heute leider beruflich verhindert. Er lässt Sie grüßen und hat mich gebeten, heute auch für ihn zu sprechen.

Herrn Rieger habe ich schon kurz nach meinem Beitritt zum VBI als engagiertes Mitglied des Verbands kennen gelernt. Genauso engagiert war Dr. Brandt beim Verband der Prüfingenieure und als Verbandsvertreter im Anerkennungsausschuss der Prüfingenieure.
Beide waren auch nach Gründung der Kammer von Anfang an in den Kammergremien engagiert tätig, in der Vertreterversammlung und in verschiedenen Ausschüssen.

Und die Herren Oehmke und Herbert setzen diese Tradition ungebrochen fort: Im Vorstand des VBI im Landesverband Bayern und des Architekten und Ingenieur Vereins hier in Nürnberg, im Ausschuss für Haushalt und Finanzen und im Ausschuss Baurecht der Kammer.

Der Berufsstand ist auf solche Kollegen angewiesen, die über den Tellerrand hinausschauen und das große Ganze im Blick haben. Dieses Denken zeigt sich dann auch in der fachlichen Arbeit als Ingenieur. Auch für gute Planung ist es notwendig, weiter zu blicken als andere. 

Vorhin habe ich gesagt, ich würde in zwei Funktionen zu Ihnen sprechen. Eigentlich gibt es noch eine dritte: die eines guten Kollegen.
Auch Kollegialität gehört zu den notwendigen Eigenschaften eines Freiberuflers: Faire Zusammenarbeit und manchmal auch gegenseitige Hilfe.

Die faire und gute Zusammenarbeit ergab sich zum Beispiel beim Bau des großen Einkaufszentrums der US-Army in Grafenwöhr. Die Tragwerksplanung aus unserem Büro wurde von Dr. Brandt geprüft. Und die im Büro Rieger und Brandt unter Federführung von Herrn Oehmke geplante Luitpoldbrücke in Bamberg wurde von mir geprüft. Bei zwei weiteren Brücken in Bamberg haben dann Dr. Brandt und ich gemeinsam die statische Prüfung durchgeführt, ein gutes Beispiel kollegialer Zusammenarbeit.

Und als nach Erreichen der Altersgrenze als Prüfingenieur einige meiner Aufträge noch nicht abgeschlossen waren, war Herr Oehmke bereit, diese Projekte mit mir zu Ende zu führen. Da gerade in der Schlussphase eines Projekts mit Nachträgen und Fehlerreparaturen dies keine angenehme Aufgabe ist, bin ich Herrn Oehmke für die spontan gewährte Unterstützung sehr dankbar.

Ich habe vorhin gesagt: Ingenieure brauchen Weitsicht. Und gute Ingenieure blicken auch bei der Führung des eigenen Büros weit voraus. Denn das Leben ist endlich und irgendwann ist es Zeit für die Nachfolge.

Es soll ja nicht nur bei Politikern sondern auch bei den Ingenieuren Alphatiere geben, die neben sich niemand hochkommen lassen, die in jedem gescheiten Mitarbeiter den Konkurrenten wittern. Das endet meist auch damit, dass diese Mitarbeiter kündigen und tatsächlich in einem anderen Büro, manchmal sogar im dann neu gegründeten, eigenen Büro unter Mitnahme guter Auftraggeber, erst tatsächlich zum Konkurrenten werden. Und am Ende steht das Alphatier da, wird älter und älter und kein Nachfolger ist in Sicht. Dann wird es schwierig. Entweder mit Anzeigen oder mit Hilfe eines Headhunters einen Käufer für das Büro finden oder selbst weiterarbeiten bis zum Umfallen. Eine schlechte Lösung.

Ein guter Ingenieur plant auch hier sorgfältig und gewissenhaft. Er sieht weit voraus und fördert den Nachwuchs, sucht rechtzeitig geeignete Mitarbeiter für das Büro. Er gibt den Mitarbeitern rechtzeitig Verantwortung, dass sie in die Führungsposition hineinwachsen können, er führt sie rechtzeitig zur Partnerschaft. Und wenn es soweit ist, zieht er sich zurück, redet den „Jungen“ nicht in ihr Tagwerk. Dann kann er sich in der Regel freuen, dass die Tradition des Büros weitergeführt wird.

So ist es hier gelungen. Herr Karl Rieger hat 1933 das Büro gegründet. Er hat es 1967 seinem Sohn Atte Rieger weitergegeben. Die nächste Generation, Dr. Bernd Brandt, kam 1977 in das Büro, wurde Partner und übernahm nach dem Ausscheiden von Atte Rieger im Jahr 2003 die Position als ältester Partner. Schon 1997 wurden Thomas Herbert und Kurt Wagner Gesellschafter, im Jahr 2003 kam Dietrich Oehmke dazu. Mit diesen drei Beratenden Ingenieuren hat sozusagen die vierte Generation das Steuer ergriffen.

Die fachlichen Tätigkeitsbereiche wurden von Dietrich Oehmke als Prüfingenieur und Prüfsachverständiger für Massivbau und Metallbau, mit Thomas Herbert als Prüfsachverständiger für Brandschutz und Kurt Wagner als Prüfsachverständiger für Vermessung erweitert. Die weiteren zahlreichen Qualifikationen will ich jetzt gar nicht aufzählen. Man kann feststellen: Das Büro blüht und gedeiht.

Den Senioren gebe ich mein Kompliment zu ihrer Weitsicht und den jetzt Verantwortlichen wünsche ich nach dem fliegenden Wechsel unter dem neuen Namen des Büros „Oehmke und Herbert“ weiter viel Glück und Erfolg.

 

 

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