Grußwort von Dr.-Ing. Werner Weigl anlässlich der Ausstellungseröffung zum Ideenwettbewerb: "Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Kriterien"

Grußwort: Dr.-Ing. Werner Weigl, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
Ausstellungseröffung zum Ideenwettbewerb: "Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Kriterien"
24.01.2012
Rathausfoyer Landshut

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Rampf,
sehr geehrte Preisträger,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Obersten Baubehörde den Ideenwettbewerb „Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien“ ausgeschrieben und durchgeführt. Ziel des Wettbewerbes war es unter anderem, Anregungen für die zukünftige Entwicklung der Planungsgrundsätze im Brückenbau zu geben und ganzheitliche Wertungskriterien bei der Beurteilung von Planungsvarianten mit einzubeziehen. Dabei wurde ausdrücklich der gesamte Lebenszyklus des Bauwerks betrachtet. Der Lebenszyklus einer Brücke lässt sich in die Phasen Herstellung, Betrieb und Unterhalt sowie Rückbau und Verwertung der Baumaterialien unterscheiden. Beim Wettbewerb wurde mit einer eigens entwickelten Bewertungsmatrix auch die Nachhaltigkeit der Bauwerke und deren ökologische Qualität berücksichtigt.

Durch die Einhaltung der technischen Vorschriften und Regelwerke allein lassen sich noch keine belastbaren Aussagen über das tatsächliche Niveau der konstruktiven Qualität, der Robustheit und der Dauerhaftigkeit eines Ingenieurbauwerks machen. Bauwerke, die funktionell grundsätzlich gleich sind, können je nach planerischer Konzeption und konstruktiver Detaillierung in der tatsächlichen Qualität u. U. deutlich voneinander abweichen, ohne dabei eine bestehende Vorschrift zu verletzen. Sinnvolle Entscheidungen in der Planungsphase führen zu einer dauerhaften und robusten Konstruktion mit geringerem Wartungs- und Instandhaltungsaufwand und damit zu reduzierten direkten und indirekten Kosten, zu geringeren Emissionen und zu einem verbesserten Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus.

Der Ideenwettbewerb „Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien“, dessen Ergebnisse wir heute durch die Eröffnung dieser Ausstellung einem breiten Publikum zugänglich machen, wurde mit 35.000 € dotiert. In die Bewertung der eingereichten Beiträge flossen zu je 25 Prozent die technische Qualität, die ökologische Qualität, die ökonomische Qualität und die soziokulturelle, funktionale Qualität ein.

Der Arbeitskreis Klimaschutz und der Ausschuss Planungs- und Ideenwettbewerbe der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau haben den Wettbewerb vorbereitet und die Autobahndirektion Südbayern sowie die LGA Bayern haben ihn finanziell unterstützt. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch den Lehrstuhl für Massivbau der Technischen Universität München im Rahmen eines Forschungsauftrages des Bayerischen Umweltministeriums.

Insgesamt 8 Wettbewerbsbeiträge haben uns erreicht. Die Ideenreichtum und die Vielfalt der Entwürfe hat die Auswahl der Siegerbeiträge nicht einfach gemacht. Nun sind Sie sicher gespannt, welche Beiträge mit einem Preis bedacht wurden, und ich möchte Sie auch gar nicht länger auf die Folter spannen.

Mit dem 3. Preis wurde an das Ingenieurbüro Grassl GmbH ausgezeichnet. Am Modell des Ingenieurbüros Grassl hat auch Herrn Dr. Hans-Michael Schober mitgewirkt. Der gemeinsame Entwurf überzeugt durch sein ausgewogenes Gesamtkonzept. Er nutzt durch die Konstruktion des Überbaus als Stahlverbundträger über dem Flussfeld sowie als Spannbeton-Plattenbalken im Vorlandbereich die Vorteile beider Bauweisen. Die ökonomische wie ökologische Qualität können als gut bewertet werden. Zudem wird die Gestaltung und die Einbindung der Brücke in die Landschaft der örtlichen Situation gerecht.

Den zweiten Preis haben wir an die SSF Ingenieure AG verliehen. Am Projekt beteiligt waren außerdem Hugger und Rampp Architekten, Schaller UmweltConsult GbR und das baugeologische Institut Bauer GmbH. Dieser Beitrag sieht einen Verbundplattenbalken mit luftdicht verschweißten Hohlkästen aus WT-Stahl vor, der lediglich über Uferpfeilern des Flussfeldes eine leichte Voutung aufweist. Vorgefertigte Stahllängsträger und Betonfertigteile als Querträger bilden einen Trägerrost, auf den Fertigteil-Deckenelemente aufgelegt und dann zur Fahrbahnplatte ausbetoniert werden. Auch wenn durch die vielen Arbeitsfugen ein erhöhter Wartungs- und Instandhaltungsaufwand zu erwarten ist, so überzeugt der Entwurf insgesamt durch seine gute ökologische und ökonomische Qualität. Hervorzuheben sind insbesondere die kurze Bauzeit, die geringen Herstellkosten und die einfache Demontage mit Recyclingmöglichkeit.

Nun kommen wir zum Sieger unseres Ideenwettbewerbs. Gewonnen hat der Entwurf der Ingenieurgruppe Bauen in Zusammenarbeit mit GJL Architekten BDA. Dieser Beitrag überzeugte die Jury durch ihren schlanken Brückenentwurf in Spannbetonbauweise und besticht durch seine transparente Wirkung im Vorlandbereich sowie durch die Betonung der Flussquerung durch einen ästhetischen und wohlproportionierten Bogen.

Das semi-integrale lagerlose Tragwerk zeichnet sich insbesondere auch durch gut durchdachte konstruktive Lösungen im Bereich der technischen Qualität aus. Außerdem ist die Wartungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit besonders zu betonen. Die innovativen Ansätze dieses Entwurfs reichen von schlanken Fertigteilstützen über die Minimierung der Verschiebewege bei den Übergangskonstruktionen und Kappen aus hochfestem Beton bis hin zur Verwendung von recycelten Materialien. Kurz gesagt: dieser Entwurf konnte in allen Bewertungsbereichen überzeugen und ist damit verdienter Sieger unseres Ideenwettbewerbs.

Im Namen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und ihren Partnern möchte ich mich bei den teilnehmenden Ingenieurbüros sehr herzlich für Ihr Engagement und Ihre guten Ideen bedanken. Ich darf Sie nun herzlich einladen, alle eingereichten Entwürfe in unserer Ausstellung zu begutachten und auf sich wirken zu lassen. Es lohnt sich! Bis einschließlich Sonntag, 12. Februar, dauert die Ausstellung hier im Ratshausfoyer an. Wir würden uns freuen, wenn Sie vielleicht auch in Ihrem Umfeld auf die Ausstellung aufmerksam machen.

Gerne möchten wir Sie auch einladen, zu den Vorträgen zu kommen, die zwei unserer Ingenieurskollegen im Februar hier halten werden. Am 2. Februar referiert Herr Dr. Hans-Michael Schober ab 17 Uhr zum Thema „Besondere Herausforderungen beim Planen und Bauen in FFH-Gebieten“. Und eine Woche später, am 9. Februar, ebenfalls ab 17 Uhr, hinterfragt Herr Ingenieur Alexander Putz, wie Nachhaltigkeit und das Planen von Ingenieurbauwerken miteinander vereinbar sind.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und darf Sie nun herzlich einladen, sich von der Qualität der eingereichten Beiträge selbst zu überzeugen.

 

 

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