20. Bayerischer Ingenieuretag: Schlusswort von Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gebbeken

20. Bayerischer Ingenieuretag
Schlusswort von Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gebbeken, 2. Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
20. Januar 2012
ICM München

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Ingenieurinnen und Ingenieure werden immer selbstbewusster in einer Welt, die sich von der unsicheren Sicherheit zur sicheren Unsicherheit wandelt; in eine Risikogesellschaft. Wir sind Akteure in einer globalen Gesellschaft und damit politisch. Und deshalb müssen wir auch politischer werden. Natürlich ist das risikoreich. Aber Sicherheit und Risiko sind untrennbar miteinander verbunden. Denken wir nur an die Sicherheit von Versorgungsketten, die von der Sicherheit vernetzter baulicher Infrastrukturen wie Flughäfen und Bahnhöfe direkt abhängt.

Dankbar sind wir dafür, dass wir hier und heute mit unseren europäischen Ingenieurkollegen sicher vernetzt sind.

Unser Präsident Dr. Schroeter hat gesagt, dass dieser Ingenieuretag zur Standortbestimmung unserer Position in der Gesellschaft dient. Hierfür haben wir Vertreter aller politischen Parteien zu uns eingeladen. Und wir werden durch die Neuausrichtung einiger Arbeitskreise dem Rechnung tragen.  

Sehr geehrter Herr Thomsen, mir ist aus Ihrem Vortrag 2009 bei der Fraunhofer-Gesellschaft in Freiburg eine für mich interessante Aussage in Erinnerung geblieben. Sie sagten sinngemäß: Da, wo wir technisch / ökonomisch sind, da wollen ca. 4 Milliarden Menschen hin. Und wir wollen von hier, wo wir sind, so schnell wie möglich weg. Wenn ich die Aussage thermodynamisch interpretiere, dann entsteht in der Mehrheit der Weltbevölkerung ein enormer Druck, der den Kompressionsmodul und die Nachholdichte verändert. Dadurch ändert sich die Wellengeschwindigkeit und die Nachläuferwelle holt die Vorläuferwelle ein. Es entsteht eine Stoß-front; ein Explosionsereignis! Wenn ich das Modell umdrehe, dann erfolgt eine Implosion. Nach Aussagen der Weltbank liegt hier ein großes Sicherheitsproblem in der Zukunft. Vielen Dank, dass Sie sich diesen Fragestellungen annehmen und uns aufmerksam machen. Denn dann können wir Lösungen erarbeiten und Chancen generieren.

Lieber Herr Wörner. Während einer gemeinsamen Taxifahrt in Berlin erwähnten Sie, so ganz beiläufig, dass Sie sowohl in Frankfurt als auch in Stuttgart als Mediator tätig sind. Das ist, wie wir Ihrem Vor-trag entnehmen konnten, eine hochsensible aber auch höchst politische Aufgabe. Ein Ingenieur inmitten gesellschaftspolitischer Herausforderungen. Sie haben uns deutlich vor Augen geführt, dass es Sinn macht, sich als Ingenieur intensiv mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu beschäftigen. Vielen Dank dafür. Wir haben als bayerische Kammer, die ja bekanntlich in vielen Dingen führend ist, aber auch schon agiert, und planen, in Zukunft politische Themen mit der Akademie für politische Bildung in Tutzing durchzuführen.
Deren Leiterin ist Mitglied des an meiner Universität von mir neu gegründeten Forschungszentrums RISK - Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt. Ein Zusammenschluss der Fakultäten Bau- und Sozialwissenschaften. Einmalig in Bayern, einmalig in Deutschland, einmalig in der Welt. 

Wir alle möchten an den Errungenschaften unserer Zivilisation teilhaben. Die meisten stehen in technischen Zusammenhängen. Fortschritt bedingt Veränderungen und Neues. Und schon schlägt das Grundbedürfnis des Menschen nach Sicherheit durch, das einhergeht mit dem Grundgefühl Angst. Und was ist die natürliche Reaktion? Energiebereitstellung für Flucht oder Angriff.
Sehr geehrte Frau Engel, Sie haben uns eindrucksvoll vor Augen geführt, dass man im Rahmen der Planungs- und Genehmigungsprozesse Ängste nehmen kann. Vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Vielen Dank für Ihren überzeugenden Vortrag!

Eine Neuerung beim Ingenieuretag ist die politische Diskussionsrunde. Für uns Ingenieurinnen und Ingenieure kein Grund für Flucht oder Angriff, Herr Huber, Frau Kamm, Herr Körber, Herr Muthmann und Herr Dr. Wengert. Da Politik aber auch mit Leidenschaft gemacht wird, haben wir uns gedacht, lassen wir einen nüchternen Medien erfahrenen Ingenieur moderieren, der sein Handwerk unter anderem an oberster Stelle in der Staatskanzlei gelernt hat, lieber Helmut Schütz. Mich hat die Diskussion mehrfach an unseren letztjährigen Hauptredner Kardinal Reinhard Marx erinnert. Er hat davon gesprochen, dass unser Tun dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Doch heute haben wir gelernt, dass es offensichtlich das Gemeinwohl gar nicht gibt. Da-mit bleibt die Definition des Gemeinwohls weiterhin, auch 2400 Jahr nach Aristoteles, eine spannende Aufgabe für die Politik. Übrigens war Platon der Meinung, dass nur Philosophen das Gemeinwohl bestimmen können, weshalb die Politik von Philosophen gemacht werden sollte.
Wir wünschen Ihnen als Volksvertreter immer eine glückliche Hand bei Ihren Entscheidungen. Vielen Dank, dass Sie heute zu uns gekommen sind.          

Auch ohne Musik wäre es uns heute, so glaube ich, nicht langweilig geworden. Doch die musikalische Begleitung durch Harry Saltzmann mit seinen Relaxing Five hat für Abwechslung und gute Stimmung gesorgt. Vielen Dank dafür.

Ihnen allen, vielen Dank fürs Kommen. Und nun wünsche ich uns allen interessante Gespräche und neue Kontakte beim Stehimbiss.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

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