Fleischbrücke Nürnberg, Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter

Grußwort von Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zur Verleihung des Titels „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ an die Fleischbrücke Nürnberg
am 10. Juni 2011

- Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich möchte Sie zunächst ganz herzlich hier in Nürnberg begrüßen und mich bei meinen Vorrednern bedanken. Wie das so ist bei Begrüßungen, es fällt immer nur der auf, der vergessen wurde. Nichtsdestotrotz möchte ich ganz besonders willkommen heißen:

Die Abgeordneten des Bayerischen Landtags Frau Christine Stahl, Herrn Walter Taubeneder, Herrn Thomas Mütze und Herrn Stefan Schuster, Frau Bezirksrätin Catrin Seel vom Bezirkstag Mittelfranken, Herrn Gerhard Seitz von der Regierung von Mittelfranken, die Vertreter der Stadt und des Landes Nürnberg alle Gesandte der Ingenieurkammern und natürlich auch die Mitglieder der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, die ihren Weg heute auf die Brücke gefunden haben. Schön, dass Sie gekommen sind!

Gestern Abend wurde von der Ingenieurkammer ebenfalls ein Preis verliehen. Es wurde der Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien gewürdigt. Der Siegerbeitrag überzeugte mit einem schlanken Brückenentwurf. Seine transparente Wirkung im Vorlandbereich und die Betonung der Flussquerung durch einen ästhetischen, wohlproportionierten Bogen waren bestechend.

Das lagerlose Tragwerk zeichnete sich auch in der technischen Qualität durch gute und durchdachte konstruktive Lösungen sowie durch seine Wartungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit aus.

Nur handelte es sich bei dem zu überquerenden Fluss um die Isar und nicht um die Pegnitz, obwohl diese Beschreibung bis auf Kleinigkeiten genau auf die Fleischbrücke passen würde. Auch diese Brücke, auf der wir stehen hätte diesen Preis, den wir gestern vergeben haben, gewinnen können, nur ist sie bereits mehr als 400 Jahre alt. Bedeutet das möglicherweise, dass wir Planer keinen Schritt weiter sind?

Oh, höre ich den Aufschrei der Kollegen – Natürlich wir sind weiter! Aber diese Brücke hier, die Fleischbrücke, war eben auch schon vor mehr als 400 Jahren ein Zeichen für den hohen Stand der Ingenieurbaukunst, den wir hier und heute würdigen und den wir Ingenieure im Bauwesen auch heute noch garantieren!

Das Zusammenspiel der Politiker, der Ingenieure und der Handwerker war maßgeblich. Das gemeinsame Bemühen führte zu dieser Lösung, die wir nach so langer Zeit noch immer bestaunen und würdigen können. So kommt es, dass die ganzheitlichen Wertungskriterien, die beim gestern abgeschlossenen Brückenwettbewerb eine Rolle spielten und in Zukunft immer wichtiger werden, auch auf die Fleischbrücke angewandt werden können und sie danach als hervorragender Entwurf gewertet werden könnte.

Die Ganzheitlichkeit, ein inzwischen inflationärer Begriff, was bedeutet er, gestern und heute? Nicht allein das Aussehen und der Preis sind die Wertungskriterien sondern der Energieverbrauch für die Erzeugung der Baumaterialien, der Geländeverbrauch, die volkswirtschaftlichen Kosten des Unterhalts einschließlich der Kosten eines Staus wegen notwendiger Brückensperrung bis hin zum Abbruch und der Verwendung der Reste werden gewertet. Und da steht die Fleischbrücke glänzend da.

Die Ganzheitlichkeit vor 400 Jahren war zwingend - heute ist sie erwünscht, oder um auch wieder den Bogen zur Energiepolitik, die Herr Hoffmann angesprochen hat, zu spannen, sie ist in allen Lebensbereichen notwendiger denn je. Können wir von einer „Renaissance der Ganzheitlichkeit“ sprechen?

Wir wissen heute ganz genau, dass die Summe aus individuellen marktwirtschaftlichen Entscheidungen kein ganzheitliches Konzept ersetzt, weder Baukultur gewährleistet noch vernünftige planerische Wege in die Zukunft aufzeigt.

Aber am Beispiel einer ganzheitlichen Planungspolitik kann man sehr gut sehen, dass das Abstimmen mit dem Geldbeutel am Ende nicht zu dem führt, was wir uns alle wünschen. Und dabei geht es nicht nur um Geld. Es geht auch um den integrierten Ansatz, ohne den Planen und Bauen nicht funktionieren kann.

Was brauchen wir? Es sind ein paar Zutaten, die eigentlich nicht so komplex sind, aber politisch nicht immer leicht umzusetzen.

Wir brauchen für ganzheitliches Planen heute:
1. Politiker, die den Mut haben, nein zu sagen zu denen, die mit dem meisten Geld winken, und nein zu sagen, zu denen, die das billigste – ja ,ich sage bewusst, das billigste Angebot abgeben.

Wir brauchen  2. Geld für unsere Städte – das steht außer Frage.

Wir brauchen 3. in unseren Planungsabläufen die Wiederentdeckung der Tugend der integrierten Planung, der integrierten Stadtentwicklung, der integrierten Verwaltung.

Verehrte Gäste, das ist aber heute eigentlich nicht das Thema. Das Thema ist vielmehr, hier und jetzt zu zeigen, wie wunderbar die Brückenbauer im ausgehenden 16. Jahrhundert geplant und gebaut haben, so dass wir heute am 10 Juni 2011 in Nürnberg stehen und die Fleischbrücke als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst auszeichnen können.

Endlich wird nun, nach bereits neun ausgezeichneten Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst auch Bayern oder genauer gesagt: Franken, bedacht! Bayern, ein Land voll Vergangenheit und Erinnerungen, ein Land, in dem sich Tradition und Moderne alltäglich begegnen.

Bayern ein Land, mit mehr als 170.000 Denkmälern, die es zu entdecken, berühren, erleben und in
diesem Fall auch zu betreten gilt. Die Historie wird ja nun im Anschluss noch erläutert werden, denn: Geschichte macht das Denkmal aus!

Deshalb darf ich Sie im Anschluss in den kleinen Sitzungssaal des Rathauses bitten, dort gibt es nach den Ausführungen von Prof. Dr. Lorenz auch eine kulinarische Stärkung!

Und nun bitte ich den Präsidenten der Bundesingenieurkammer, Herrn Dr. Karstedt, mit mir die Tafel zu enthüllen.

Vielen Dank.

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