50 Jahre Zentralverband der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern e.V.

50 Jahre Zentralverband der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern e.V.
Festakt am Freitag, 25. September 2009
Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau

[Es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrter Herr Lexau,
sehr geehrter Herr Drexl,
(eventuell weitere Gäste)
sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen
meine sehr geehrten Damen und Herren,

1959: Konrad Adenauer ist Bundeskanzler, Eintracht Frankfurt Deutscher Meister, Alaska wird der 49 Bundesstaat der USA und der sowjetische Satellit „Lunik1“ fliegt zum Mond. In Kuba kommt nach einem Umsturz Fidel Castro an die Macht, die Austin Motor Company bringt den originellen Kleinwagen „Mini“ auf den Markt.

Und :

In dieses ereignisreiche Jahr  fällt auch die Gründung des Zentralverbandes der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern.

Heute feiern wir das 50-Jährige Bestehen. Als Vertreter von mehr als 5600 Mitgliedern der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau darf ich Ihnen herzlich zu diesem runden Jubiläum gratulieren. Der ZVI und unsere Kammer sind eng miteinander verbunden und kooperieren seit Jahren hervorragend miteinander.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau versteht sich im Unterschied zu anderen Berufskammern als eine „Große Kammer“: Sie vertritt die Interessen von Freiberuflern und Angestellten. Aber sie wahrt auch die Interessen der Ingenieure im öffentlichen Dienst.

Unter unseren Mitgliedern finden sich neben den Bauingenieuren viele Landschaftspfleger, Umweltschutzingenieure und Vermesser. Wir sind eine Kammer der im Bauwesen tätigen Ingenieure und Hochschulabsolventen anderer naturwissenschaftlicher Fachrichtungen.

Ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des öffentlichen Dienstes unter den Mitglieder der Kammer ist die Besetzung des Vorstands. Seit Gründung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau war immer ein Angehöriger des Öffentlichen Dienstes Vizepräsident unserer Kammer: Josef Poxleitner, damals Leiter eines Straßenbauamtes und heute Leiter der OBB, Karlheinz Gärtner als Leiter eines Straßenbauamtes und aktuell Helmut Schütz, der Präsident der Autobahndirektion Nordbayern.

Ein wichtiges Thema, das unsere Kammer umtreibt, ist der Bologna - Prozess. Der Verlust des deutschen Titel Diplom - Ingenieure, der internationale Anerkennung genoss, ist noch nicht überwunden. Im Internationalen Bereich ist es der Verlust des durch eine staatlich genehmigte Prüfungsordnung qualifizierten Abschlusses, der uns zwingen wird, ähnliche Strukturen eines Professional Engineers wie in USA oder des Chartered Engineers wie in dem Vereinigten Königreich zu schaffen. Im innerdeutschen Bereich scheinen sich die Stürme um  die Einführung des Bachelor allmählich gelegt zu haben.

Aber nun sind in Bayern im Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf für das Dienstrecht neue große Probleme entstanden..

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau wurde zwar nicht zur einer Stellungnahme aufgefordert, wir wollen uns aber trotzdem einbringen.

Wie sie wissen, sieht der aktuelle Dienstrechtsentwurf eine erhebliche Benachteiligung des Bachelors vor. Das ist für uns nicht hinnehmbar.

Leitgedanke des Neuen Dienstrechts ist die stärkere Berücksichtigung des Leistungsprinzips. Dazu gibt es eine Ausrichtung an den Hierarchien des Schulsystems. Dabei folgt auf die 3. Ebene mit der Hochschulreife in der 4. Ebene direkt das abgeschlossene Universitätsstudium. Eine Ebene für ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium fehlt.

Die Folge: Absolventen der Fachhochschulen werden im Vorbereitungsdienst mit Studienanfängern an Beamtenfachhochschulen gleichgestellt. Dass dies eine unbegreifliche Ungerechtigkeit ist, dürfte jedem klar sein, der die Problematik objektiv betrachtet und nicht die Senkung von Personalausgaben als oberstes Ziel hat.

Der ZVI hat vollkommen Recht, wenn er in seiner Stellungnahme schreibt, dass diese Zuordnung dem Leistungsprinzip und dem Grundsatz der Gleichbehandlung widerspricht.

Auch unserer Ansicht nach wird der Bachelor hier erheblich benachteiligt: Ja, es stimmt, die Dauer für Bachelorstudiengänge beträgt in der Regel sechs Semester, dazu kommt üblicherweise ein Praxissemester, während Diplomstudiengänge mindestens acht Semester erfordern. Ist das ein Grund, einen Bachelor als Studienanfänger einzustufen?

Meine Damen und Herren, außerhalb Deutschlands ist der Bachelorabschluss der Regelabschluss, der sowohl in der Privatwirtschaft als auch in den öffentlichen Diensten zusammen mit dem System des lebenslangen Lernens die Befähigung zur Ausübung auch für höchste Führungsaufgaben vermittelt. Im Unterschied zu anderen Berufsgruppen wie Juristen und Medizienern, bei denen es wohlweislich keine Bachelor - abschlüsse gibt, müssen wir Ingenieure wieder einmal um Gleichberechtigung kämpfen.

Der Zentralverband der Ingenieure im öffentlichen Dienst hat in seinen Stellungnahmen zum Gesetzentwurf die Schwächen dieses Vorhabens aufgedeckt. Ihr Berufsverband hat sich deutlich gegen die Benachteiligung gewehrt. Und die Kammer unterstützt Ihren Verband dabei, auch wenn wir bei der Verbändeanhörung schlicht übergangen wurden.
Umso mehr wünsche ich Ihnen Erfolg bei diesem Kampf um Gleichbehandlung der Ingenieure.

Zum 50-jährigen Bestehen des ZVI gratuliere ich ganz herzlich und  übermittle im Namen der bayerischen Ingenieure aus dem Bauwesen die besten Glückwünsche, verbunden mit dem Wusch auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünsche ich dem Verband, seinen Mitgliedern und Mitarbeitern alles Gute.

 

 

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