Nachhaltiges Planen und Bauen in Neubau und Bestand

Grußwort von Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter zur Veranstaltung "Nachhaltiges Planen und Bauen in Neubau und Bestand" am Donnerstag, den 15. Juli 2009 in München.

[es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Referenten,
(eventuell weitere Gäste)

im Namen der Bundesingenieurkammer und der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau darf ich Sie herzlich zu unserer Veranstaltung „Nachhaltiges Planen und Bauen in Neubau und Bestand“ willkommen heißen. Sie ist unser Beitrag zur „Bayerischen Klimawoche“. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist Partner im „Bündnis für Klimaschutz“ der Bayerischen Staatsregierung.

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist bei Politikern, Baufach- und Wirtschaftsexperten zu einem viel benutzten Schlagwort geworden. In der Forstwirtschaft, die diesen Begriff seit über 200 Jahren benutzt, bedeutet Nachhaltigkeit, dass nur so viel Holz dem Wald, einem regenerierbarem System, entnommen werden darf, wie nachwachsen kann, ohne den Bestand des Systems zu gefährden. 

Nun sind Gebäude kein regenerierbares System. Verwenden wir den Begriff beim Bau von Gebäuden, so meint hier der Begriff Nachhaltigkeit, dass das regenerierbare System unsere Umwelt durch den Bau nicht gefährdet werden darf. Dazu ist es notwendig, alle Phasen der Lebensdauer eines Gebäudes zu betrachten. Das heißt: die Herstellungs- und Nutzungsphase, die laufenden Veränderungen in der Gebrauchsphase und die Rückbauphase.

Meine Damen und Herren, die Brundtland - Kommission der Vereinten Nationen hat dies 1987 so definiert: „Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."

Bei seinem Besuch in Deutschland sagte der britische Thronfolger Prinz Charles kürzlich: „Ich fürchte, dass es unseren Enkeln ziemlich gleichgültig sein wird, ob wir in diesem 21. Jahrhundert ein Wirtschaftswachstum wie im 20. Jahrhundert aufrechterhalten konnten. Was sie vielmehr interessieren wird, ist der Zustand des Klimas.“

Im Bauwesen ist ein langfristiger Denkansatz notwendig, um nachhaltigen Klimaschutz zu erreichen. Life-Cycle-Betrachtungen, also das Wissen über die Energiebilanz eines Bauwerks von der Entstehung über die Nutzung bis zur Entsorgung, sind dabei nicht nur ein Maßstab für die Ökologie, sondern auch ein wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit einer Planungs- und Baumaßnahme.

Dies gilt nicht nur für den Hochbau, bei dem derzeit – weil hier am schnellsten Resultate erzielt werden können – in erster Linie die Nutzung im Vordergrund steht. Auch im Bereich der Infrastruktur, also bei Brücken, Abwasserkanälen, Dämmen und anderen Ingenieurbauwerken, muss der große Beitrag für den Klimaschutz bereits bei der Planung erbracht werden. Denn wenn man zum Beispiel die Kosten für die CO2-Freisetzung in die Erstellungskosten eines Bauwerks einrechnet, dann kann etwa eine Spannbetonbrücke nachhaltiger sein als eine Verbundbrücke.

So etwas muss man als Planer und auch als Bauherr wissen – und man muss es berücksichtigen

Nach den geltenden Vergaberegeln der EU ist es derzeit schon möglich, ganzheitliche Wertmaßstäbe bei Bauleistungen als mit-entscheidendes Kriterium für eine Auftragsvergabe zu berücksichtigen. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau wirbt bei öffentlichen Auftraggebern dafür, die Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit stärker zu berücksichtigen.

Das Marktpotenzial für die energetische Sanierung wird bundesweit auf rund 350 Milliarden Euro geschätzt. Für die notwendigen Investitionen in die Energieeffizienz des Gebäudebestandes gibt es inzwischen attraktive Finanzierungsmöglichkeiten.

Nachhaltiges Planen und Bauen ist ein Mittel im Kampf gegen den Klimawandel. Mit dem Ingenieurkodex haben wir uns der Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft verpflichtet.

Um nachhaltiges Planen und Bauen in Deutschland zu fördern, informiert die Bayerische Ingenieurekammer-Bau mit dieser Veranstaltung über die Bedeutung dieses Themas.

Die heutige Veranstaltung will Antworten auf die Fragen geben:

• Wie kann Nachhaltigkeit in den Planungs- und Bauprozess integriert werden?

• Welche Systeme und Bewertungskriterien stehen dafür zur Verfügung?

• Wie wirken sich diese Maßnahmen auf die Entwicklung der Honorare aus?

Unsere Referenten stellen Ihnen heute Möglichkeiten vor, wie und unter welchen Voraussetzungen Ingenieure und Planer mit ihren Bauherren, Architekten und Baufirmen nachhaltiges Bauen optimal umsetzen können.

Herzlich begrüßen möchte ich

• Herrn Prof. Dr. Carl-Alexander Graupner von der Technischen Universität Darmstadt. Er wird über „Chancen und Risiken im Planungsprozess“ sprechen.

• Das Thema von Dipl.-Ing. Christian Donath, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, lautet: „Der aktuelle Stand des deutschen Gütesiegels für nachhaltiges Bauen.“

• Nach einer Pause spricht Prof. Dr.-Ing. Josef Zimmermann von der Technischen Universität München über „Ökonomische Anreize für nachhaltiges Bauen“.

Anschließend stehen Ihnen die Referenten und unsere Experten von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.

Mein besonderer Dank gilt den beiden Hauptorganisatorinnen der heutigen Veranstaltung, unsere Damen von der Ingenieurakademie Bayern Frau Marion Köck und Frau Rada Bardenheuer. Ein herzliches Dankeschön auch an den Hausherrn, die Versicherungskammer Bayern.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Im Anschluss wird nun Kammer-Vorstandsmitglied Dipl.-Ingenieur Alexander Lyssoudis zu Ihnen sprechen. Ich wünsche der Veranstaltung viel Erfolg und freue mich auf die sicher interessanten Vorträge.

Diese Rede als PDF-Datei zum Runterladen finden Sie HIER.

 

 

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