17. Bayerischer Ingenieuretag - Ingenieurpreis 2009

Rede des 1. Vizepräsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Herrn Dipl.-Ing. Univ. Helmut Schütz, anlässlich der Verleihung des Ingenieurpreises 2009 „Zeig! Was du tust“, am Freitag, 16.01.2009, im Saal 13, ICM, Messe München

 

• Sehr geehrter Herr Staatsminister
• sehr geehrter Herr Ministerialdirektor Pox-leitner
• sehr geehrter Herr Präsident Dr. Schroeter
• sehr geehrte Frau Aschl
• sehr geehrter Herr Prof. Kling
• sehr geehrte Damen und Herren

 

Wir kommen nun zur Verleihung des Ingenieur-preises 2009 und zur Bekanntgabe der Gewin-ner.


Liebe Kolleginnen und Kollegen Bauingenieure, Sie kennen das: Sie waren mit Ihrer Arbeit maßgeblich an einem großen Bauprojekt beteiligt. Die Presse hat sogar darüber berichtet. Vielleicht war auch ein Fernsehteam vor Ort. In den Pressebeiträgen wurde der Bauherr genannt, der Architekt, vielleicht auch noch die Baufirma. Nur Sie als Bauingenieur wurden nicht erwähnt.

 

Das ist die Regel, nicht die Ausnahme, wie unsere Erfahrungen zeigen. Im Vergleich zu den Architekten haben es Ingenieure im Baugeschehen erheblich schwerer, öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen.

 

Oft lässt sich unsere Arbeit nicht gerade leicht plakativ darstellen und einfach beschreiben. Deshalb auf Öffentlichkeitsarbeit zu verzichten, wäre aber falsch. Darum haben wir uns bei unserem Ingenieurpreis in diesem Jahr bewusst für das Motto „Zeig! – was Du tust. Ingenieure präsentieren sich, ihr Planen und ihr Bauen“ entschieden.

 

Klappern gehört zum Handwerk, lautet ein altes Sprichwort, dessen Ursprünge wohl bis zum Mittelalter zurück gehen. Damals machten Handwerker mit einer Klapper aus Holz Lärm und priesen laut-stark ihre handwerklichen Fähigkeiten an. Die Marktschreier vom Hamburger Fischmarkt machen das mit ihren Produkten bis heute so.


Ein anderes Sprichwort lautet: Tue Gutes und re-de darüber!
Vergleichsweise still sind dagegen die meisten im Bauwesen tätigen Ingenieure. Für diese Sprachlosigkeit gibt es viele Gründe. Der eine denkt: „Meine Leistung ist ja ohnehin offensichtlich. Da muss ich nicht auch noch Werbung machen“, der andere sagt: „Öffentlichkeitsarbeit ist nicht mein Kerngeschäft. Dafür habe ich einfach keine Zeit“. Und der Dritte würde zwar gern auf sich und seine Arbeit aufmerksam machen, weiß aber nicht so genau, wie er das überhaupt anstellen soll.

 

Viele sind außerdem noch der Ansicht, Werbung für Ingenieure sei gar nicht erlaubt, wie Dr. Schroeter bei seiner Begrüßung gesagt hat. Doch das ist falsch. Ob Werbung zulässig ist, hängt al-lein von ihrer Gestaltung ab. Sie darf nicht anpreisend oder aufdringlich wirken, sondern muss sachlich und informativ gehalten sein. In diesen Grenzen sind auch Internetauftritte zulässig. Als Faustregel gilt: Angaben, die sich typi-scherweise auf Visitenkarten finden, sind unproblematisch, also vor allem Bürodaten wie Name, Anschrift, Kommunikationsverbindungen und Schwerpunkte der Bürotätigkeit.


Liebe Kolleginnen und Kollegen, es reicht also nicht, gute und herausragende Bauwerke zu planen, wenn der Ingenieur auf seine Leistungen aufmerksam machen möchte. Wer potenzielle Bauherren gewinnen will, muss mit Mitteln des Marketing auf sich hinweisen. Es gibt viele Mög-lichkeiten. Um einige Beispiele zu nennen: Klassische Werbeanzeigen in der Tages- oder Fach-presse, Imagebroschüren, Internetseiten, Publika-tionen, Pressemitteilungen, Adressbucheinträge, Bandenwerbung, Werbegeschenke und Ausstellungen.

 

Oft muss nicht einmal viel Geld oder Zeit in die Öffentlichkeitsarbeit investiert werden, um gute Ergebnisse zu erzielen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Führung über Ihre nächste Baustelle für Politiker oder Journalisten? Natürlich zu einem Zeitpunkt, wo auf der Baustelle gerade inter-essante Dinge geschehen. Sie werden sehen, mitunter genügen einige Anrufe und Emails, um erstaunliche Wirkungen zu erzielen.


Freilich sollten Sie Ihre Arbeit zunächst nach vor-handenen Faktoren abklopfen, die bei der Öffent-lichkeit und damit auch bei den Journalisten In-teresse hervorrufen. Handelt es sich um ein für die Öffentlichkeit bedeutendes Vorhaben, das z. B. schon im Vorfeld in der Presse diskutiert worden ist? Haben Sie ein Problem auf spektaku-läre oder besonders innovative Art gelöst? Das sind Zutaten, die dabei helfen können, das Inter-esse von Journalisten und Öffentlichkeit zu wecken.

 

Ein große Bitte noch: wenn Sie mit Presseleuten sprechen, bedienen Sie sich einer einfachen Sprache und verzichten Sie auf jegliches Fachchinesisch! Erläutern Sie die Wirkungsweise ei-ner Spannbetonbrücke so, wie Sie es tun würden, wenn Sie das einem Bekannten erklären, der Bäckermeister oder Augenarzt ist. Nur dann wird das Ganze nämlich auch für „Nicht

Ingenieure“ durchschaubar.

 


Bevor ich nun die Gewinner des diesjährigen Ingenieurpreises bekannt gebe, möchte ich Ihnen die Mitglieder der Jury kurz vorstellen:

 

• Herrn Dr. Klaus Stiglat aus Karlsruhe, den Vorsitzenden unserer Jury
• Herr Prof. Dr. Michael Pötzl aus Coburg
• Herr Diplom-Informatiker Johannes Atze aus München
• und ich selber

 

Im Namen der Kammer möchte ich mich bei der Jury ganz herzlich bedanken.

Die Jury war sich einig, dass das Thema „Zeig! – Was Du tust“ für die Ingenieure in der Bauwirt-schaft eine besondere Herausforderung war. Die im Vergleich zu früheren Ingenieurpreisen doch überschaubare Zahl an Einsendungen ist für uns ein Beweis dafür, dass wir das richtige Thema gewählt haben. Hier gibt es offensichtlich Nach-holbedarf.

Folie „Aus der Ausschreibung“

 

Gesucht waren Beispiele für kreative, kompetente und wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit von Ingenieuren. Punkten konnten die Wettbewerbsteilnehmer mit Beiträgen, die die Leistungen der Ingenieure in der Öffentlichkeit verständlich und werbewirksam darstellen.

 


Bewertungskriterien
Bei ihrer Bewertung hat die Jury folgende Kriterien berücksichtigt:


1.  Grundkonzeption und Kreativität des Auftrittes
2.  Innovation und Originalität
3.  die Qualität von Gestaltung, Fotografie, Text oder Film und die
4.  Wirkung auf die Öffentlichkeit

 

In diesem Jahr vergeben wir zwei erste Preise und haben das Preisgeld geteilt. Das heißt, jeder Gewinner erhält 5000 Euro. Die Jury hat sich einstimmig entschieden und zwei Preisträger gefunden, die sich in völlig unterschiedlicher Weise der Sache genähert haben, wobei der eine Gewinner durch Originalität und der andere durch Pro-fessionalität besticht.


Der eine 1. Preis geht an Diplom-Ingenieur Ernst Georg Bräutigam von Bräutigam Consult aus Nabburg in der Oberpfalz für seinen Beitrag  „25 Jahre Leistung mit Leidenschaft(en)“. Herz-lichen Glückwunsch!

 

Auf der Folie sehen sie den Flyer des Büros.
Die Jury würdigt bei Ihrem Beitrag die klare und originelle Herangehensweise an die Aufgabe, den Adressaten, also den interessierten Laien von den Leistungen eines Ingenieurs im Bauwesen zu überzeugen. Das Fazit der Jury: Sie, Herr Bräutigam personalisieren in Ihrem Informationsblatt und sprechen den Adressaten direkt an, indem Sie von sich, vom Planen und vom Bauen berichten.

 

Didaktisch gut aufgebaut verdeutlicht Herr Bräuti-gam in verständlicher Weise sein Aufgabenfeld und seine Leistungsfähigkeit. Dabei besticht auch das originelle, logisch gefügte und stringent durchgehaltene Format, das auf einem Quadrat basierend, sich als Leporello darbietet. Es erzeugt Spannung und informiert mit einfachen Mitteln auf ausgezeichnete Weise.

Besonders gelungen ist die Reduzierung auf das Wesentliche, ohne das Fachliche außer Acht zu lassen. Ernst Georg Bräutigam erhält den Preis für seinen originellen, ideenreichen, „Weniger ist Mehr“-Beitrag als beispielhaften Weg der Au-ßendarstellung für kleine Ingenieurbüros mit beschränkten finanziellen Mitteln. Sehr geehrter Herr Bräutigam, ich darf Ihnen nun die Urkunde und den Scheck über 5000 Euro überreichen.


Der andere 1. Preis, ebenfalls mit 5000 Euro
dotiert, geht an Diplom-Ingenieur Helmut Wolf vom Büro SSF Ingenieure in München. Ebenfalls: Herzlichen Glückwunsch!

 

Sie sehen auf unserer Folie Bilder des Beitrags. Herauszuheben ist bei dieser Arbeit, wie stringent ein übersichtliches, durchgängiges Corporate Design entwickelt, umgesetzt und durchgehalten wurde.

 

Das Vorhaben, das Unternehmen in allen an die Öffentlichkeit gehenden Unterlagen sofort er-kennen zu lassen, wird schlüssig umgesetzt. Die Jury hat beeindruckt, dass sich das Unternehmen ein solches Projekt finanziell und personell leistet. SSF hat erkannt, wie wichtig es ist, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation gezielt und durchgängig anzugehen. Die Qualität des Wettbewerbbeitrages an sich sowie die ansprechende grafische Gestaltung sind sehr gut.

 

Das Grundkonzept ist klar erkennbar, übersichtlich gegliedert und auch für die Allgemeinheit leicht nachvollziehbar. Mit eingefügten Bildern und einer sehr guten grafischen Gestaltung wird ein unverkennbarer Hinweis auf das dahinterstehende Unternehmen geschaffen. Herr Wolf erhält den Preis für seinen professionellen, stringenten und konsistenten Beitrag als beispielhaften Weg für Ingenieurbüros mit etwas größeren finanziellen Möglichkeiten.

Sehr geehrter Herr Wolf, ich möchte Ihnen nun die Urkunde und das Preisgeld überreichen.

(Übergabe Urkunde und Preisgeld an Herr Wolf)

 

Den beiden Gewinnern noch einmal herzlichen Glückwunsch und allen Teilnehmern herzlichen Dank für Ihre Wettbewerbsbeiträge. Meine Damen und Herren, wir haben die Beiträge der bei-den Preisträger vervielfältigt und ausgelegt. Sie können sich gerne bedienen.
 

Hinweis auf folgenden Fachvortrag
Ich freue mich auf den nun anschließenden Vor-trag „Ingenieur und Baustil – gibt es das?“ von Herrn Dr. Klaus Stiglat und wünsche Ihnen allen einen interessanten Tag hier bei uns in der Messe München.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 

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