15. Bayerischer Ingenieuretag WASSER BAU WERKE

Ehrung der Preisträger Ingenieurpreis 2007
Dipl.-Ing. Karlheinz Gärtner; Zweiter Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
München, 19.01.2007

Sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrte Preisträger des Ingenieurpreises 2007,
sehr geehrte Mitglieder der Jury,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

alle zwei Jahre lobt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ihren Ingenieurpreis aus. Unser Ziel ist es, herausragende Projekte aus der Ingenieurwissenschaft und der Ingenieurpraxis zu prämieren und sie so einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Sehr gerne ist der Kammervorstand im vergangenen Jahr einer Anregung unseres Ausschusses „Umwelt – Verkehr – Wasser“ gefolgt und hat das Thema „Wasser Bau Werke“ zum Motto des Ingenieurpreises 2007 gemacht.

Wir alle erleben tagtäglich, wie wichtig es ist, das Element „Wasser“ zu schützen, aber auch den Menschen und seine Umwelt vor den zerstörerischen Wirkungen des Wassers zu schützen.

Wir alle können uns darauf verlassen, dass – oft im Hintergrund und von den meisten Menschen unbemerkt – große Anstrengungen unternommen werden,
• damit wir sauberes Trinkwasser haben,
• damit Abwasser abgeleitet und gereinigt wird,
• damit wir vor den Gefahren des Wassers  an den Flüssen oder an den Küsten geschützt werden, oder auch
• damit wir Flussläufe als kostengünstigen und umweltfreundlichen Transportweg oder auch als saubere und  erneuerbare Energiequelle nutzen können.

Verantwortlich für all diese Leistungen sind die im Bauwesen tätigen Ingenieure. Und dass diese hoch innovativ und qualitätvoll planen und bauen, um die jeweilige Aufgabenstellung möglichst perfekt zu lösen, das sehen wir an den Projekten, die wir heute mit dem Ingenieurpreis 2007 ausgezeichnet werden.

Die Jury war durchweg sehr angetan von den eingereichten Arbeiten. Im Dezember fand die Sitzung des Preisgerichtes statt. Dort wurden drei Preisträger ermittelt. Außerdem hat die Jury beschlossen, eine Belobigung für eine eingereichte Arbeit auszusprechen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle Dank sagen an die Kollegen, die sich die Zeit genommen haben, um in der Jury mitzuarbeiten:

• Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle, der den Juryvorsitz inne hatte,
• Prof. Dr.-Ing. Peter A. Wilderer
• Prof. Dr.-Ing. Frank Wolfgang Günthert
• Dr.-Ing. Halvor Øverland
• Dipl.-Ing. Univ. Harald Späth
• Dipl.-Ing. (FH) Ralf Wulf

Mit von der Partie war selbstverständlich auch unsere Kammerpräsidentin Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl.

Frau Präsidentin, meine Herrn, vielen Dank für Ihr Engagement. Ich bin mir sicher, Sie haben Ihre Aufgabe sehr gewissenhaft und mit hohem Sachverstand erfüllt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wir kommen nun zur Auszeichnung der Ingenieurpreisträger 2007.
Ich darf Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär, und Sie, sehr geehrte Frau Aschl, auf die Bühne bitten, um die Preise zu überreichen.

Der Ingenieurpreis 2007 ist mit insgesamt 8750 Euro dotiert.


Unter den eingereichten Arbeiten war ein Projekt, daß die Jury mit einer Belobigung ausgezeichnet hat.

Es handelt sich hierbei um eine Arbeit eines Doktoranden der TU München. Mit dem Titel:
 Neuentwicklung eines Fischpasses vom Typ „Periodische Schütze“
Eingereicht von:
Dipl.-Ing. Matthias Haselbauer

Die Jury bewertet diese Arbeit als ein hervorhebenswertes Beispiel der interdisziplinären Forschung:

„Grundlage dieser Arbeit ist das Problem der zweidimensionalen Fischpässe, die die Durchgängigkeit der Flüsse gewährleisten sollen, die aber in ihrer konventionellen Bauweise vielen Organismen den Durchlass eben nicht ermöglichen. Auch sind der große Platzbedarf und die Geräuschentwicklung üblicher Fischaufstiege von enormem Nachteil.
Ziel des Projektes ist es, Lufteinmischungen zu verhindern, den Platz- und Wartungsbedarf solcher Anlagen zu reduzieren und den Organismen angepasste Strömungsgeschwindigkeiten anzubieten. So wurde die Idee geboren, die Energie mit Hilfe von rück gestauten Schützen umzuwandeln, wodurch sich eine Labyrinthströmung ergibt, die Fließgeschwindigkeiten von 0,20 Metern pro Sekunde bis maximal 2 Metern pro Sekunde zulässt und dadurch Fischen und Kleinstlebewesen Ruhe- und Aufstiegszonen verschafft. Weitere Vorteile dieser speziellen Geometrie der periodischen Schützen sind die ausgeprägte Leitströmung, der minimierte Wartungsaufwand und der geringere Platzbedarf. Summa summarum eine schallarme und Energie schonende Alternative zu den bisherigen Fischaufstiegsanlagen, die in ihrer Entwicklung ein großes hydromechanisches aber auch biologisches Verständnis erfordert.
Sehr geehrter Herr Haselbauer, die Bayerische Ingenieurekammer-Bau gratuliert sehr herzlich und ermutigt Sie, dieses Projekt weiterzuentwickeln, so dass es europaweit einsetzbar ist.

 


 
Den dritten Platz beim Ingenieurpreis 2007 belegt
Dr.-Ing. Frank Kleist, München
mit seinem Projekt
„Süßwasserspeicherung mittels Grundwasseranreicherung“,
realisiert im Sultanat Oman.

Ich darf aus der Begründung der Jury zitieren:

„Diese Wettbewerbsarbeit hat das Thema ‚Wasser Bau Werke’ und ‚Wasser ist Leben’ durch die Verbesserung der Wasserversorgung im Sultanat Oman besonders gut getroffen. Die Umsetzung des Projektziels – einer nachhaltigen Verbesserung des verfügbaren Grundwassers durch die Speicherung und Versickerung des Niederschlagswassers – wurde beispielhaft durch den Bau eines Speicherbeckens und der anschließenden Grundwasserversickerung umgesetzt. Die ingenieurtechnischen Herausforderungen waren dabei die technische Konzeption des Dammbauwerks, welches bereits in der Entstehungsphase möglichen Hochwässern Stand halten musste, die Ausführung der Gründungsschichten als Sickerbremsschichten und die Dimensionierung der Hochwasserentlastung mit 2.500 Kubikmetern pro Sekunde.
Aufgrund der hohen Verdunstung und der Seuchengefahr wurde ein komplexes Bewirtschaftungskonzept entwickelt. Im Ergebnis vereint der eingereichte Beitrag Funktionalität, Umweltverträglichkeit, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit in besonderem Maße.
Der hohe volkswirtschaftliche Nutzen zeigt sich zum einen in der Tatsache, dass das Wasser hier im Vergleich zu einer Meerwasserentsalzung zehnfach günstiger angeboten werden kann. Zum anderen wurden die Lebensbedingungen und die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung nachhaltig verbessert.

Sehr geehrter Herr Dr. Kleist, die Bayerische Ingenieurekammer-Bau gratuliert sehr herzlich zum Dritten Platz beim Ingenieurpreis 2007 „Wasser Bau Werke“.
 
Den zweiten Platz hat die Jury Herrn
Dipl.-Ing. Helmut Ferrari, München
zuerkannt für sein Projekt
„Wasserkraftanlage am Lech in Augsburg“.

Begrüßen darf ich an dieser Stelle auch die weiteren am Projekt beteiligten Personen, die Vertreter des Bauherrn LUWA GmbH, München, der Tragwerksplaner TH Plan sowie die Mitarbeiter des Architekturbüros Arnold.

Die Jury begründet dies Preisvergabe wir folgt:
Mit dem Projekt wurde nach nur eineinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit sichergestellt, dass rund 4.000 Haushalte mit umweltfreundlicher Energie versorgt werden können.
Bei der Wasserkraftanlage wurden verschiedene Kriterien der Wettbewerbsauslobung des Ingenieurpreises 2007 in besonderem Maße erfüllt. Bei diesem Kraftwerk ist sehr erfolgreich eine Innovation im Geschiebemanagement gelungen. Das ab einer gewissen Wassermenge am Kraftwerk ankommende Geschiebe wird von einem „Einlaufbauwerk“ in einer sogenannten „Kiesfalle“ aufgenommen. Wenn diese gefüllt ist, wird der Stauspiegel so verändert, dass dadurch eine selbsttätige Mobilisierung des Geschiebes erfolgt.
Durch eine konsequente Weiterplanung am Turbinenauslauf und im anschließenden Gerinne ist erstmal sein Spülkonzept verwirklicht worden, das Zulauf und Turbinenauslauf von Geschiebe frei hält, ohne dabei Fremdenergie zu benötigen.
Außer diesen wasserbaulichen Raffinessen ist weiter festzustellen, dass mit Hilfe einer integralen Bauweise erreicht wurde, das Bauwerk bei einer Länge von 95 Metern und einer Breite von 40 Metern ohne bleibende Fugen zu errichten. Ein Drainagesystem in der Sohlplatte und ein dazu gehöriger Schacht mit höhenverstellbarer Überlaufschwelle ermöglichen eine Regulierung des Druckniveaus unter der Zulaufsohle.
Ein naturnaher Fischaufstieg sichert die Umweltverträglichkeit der Anlage und die architektonisch aufwändig gestaltete Kraftwerkshülle aus anthrazitfarbenem Beton, dessen Dach einer Welle nachempfunden wurde, ist die konsequente Antwort auf die landschaftlich reizvolle Situation durch eine kreative Anpassung der Bauaufgabe.

Sehr geehrter Herr Ferrari, wir gratulieren sehr herzlich zum 2. Platz beim Ingenieurpreis 2007.


Meine sehr geehrten Damen und Herren, kommen wir nun zum Ingenieurpreisträger 2007.
Den ersten Platz belegt
Dr.-Ing. Helmut Resch, Weißenburg
mit dem Projekt
„Pilotprojekt Kläranlage Monheim“.

Bei dieser Gelegenheit darf ich auch den
Ersten Bürgermeister der Stadt Monheim im Regierungsbezirk Schwaben, Herrn Anton Ferber,
recht herzlich begrüßen.
Anwesend sind außerdem sind als Vertreter des Bauherren Herr Franz Grob, Stadtbaumeister, und Herr Wolfgang Wild, Abwassermeister, hier bei uns zu Gast.
Vom Umweltministerium ist Herr Ministerialrat Erich Englmann, heute anwesend, und der Direktor der Bezirksverwaltung Mittelfranken, Herr Bernhard Amend, ist ebenfalls unser Gast.
Ihnen ein herzliches Willkommen.
Begrüßen darf ich aus dem Büro Dr. Resch außerdem die Architektin und Gattin des Preisträgers, Therese Resch, und den Bauleiter Alfred Schuster.

Die Jury begründet ihr eindeutiges Votum für diesen Wettbewerbsbeitrag wie folgt:

Das in Monheim realisierte Kläranlagenprojekt überzeugt durch sein hohes Innovationsniveau sowie durch den erzielten ökologischen und volkswirtschaftlichen Nutzen.
Bei der Kläranlage Monheim wurden neue Technologien, insbesondere das Verfahren der Mikrofiltration, mit hohem Sachverstand und mit Umsicht eingesetzt. Dadurch wurde ein Gesamtbauwerk geschaffen, das mit einem ungewöhnlich geringen Platzbedarf auskommt.
Die erzielten Reinigungsergebnisse und die mittlerweile nachgewiesene Betriebssicherheit sind dabei hervorragend.
Die für Monheim realisierte Lösung wird nach Überzeugung der Jury für viele andere Regionen im In- und Ausland, insbesondere in Karstgebieten, beispielgebend sein.

Sehr geehrter Herr Dr. Resch, wir gratulieren Ihren sehr herzlich zum ersten Platz und der damit verbundenen Auszeichnung „Ingenieurpreisträger 2007“.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Herr Dr. Resch hat darum gebeten – und diese Bitte möchten wir natürlich dem Ingenieurpreisträger nicht abschlagen –, dass er kurz einige Dankesworte sprechen darf.

Hinweisen möchte ich zuvor noch darauf, dass die eingereichten Beiträge, soweit wir diese plakativ darstellen konnten, im Foyer des ICM direkt hier im Erdgeschoss ausgestellt werden. Nehmen Sie sich bitte im Anschluss an den Ingenieuretag noch etwas Zeit für die Wettbewerbsbeiträge, es lohnt sich.

Herr Dr. Resch, nun haben Sie das Wort.

 

 

zurück zur Übersicht

Bayerische
Ingenieurekammer-Bau

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de

► Aktuelles ► Reden
Planer- und Ingenieursuche
Partner Mittelstandspakt Bayern

Partner Klima-Allianz Bayern