15. Bayerischer Ingenieuretag WASSER BAU WERKE

Rede von
Staatssekretär Dr. Otmar Bernhard
anlässlich des 15. Bayerischen Ingenieuretages
"Wasser ist Leben - Verantwortung für ein wertvolles Gut"
München, 19.01.2007

Begrüßung
• Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer Bau,
• Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle, Präsident des LfU,
• meine sehr gehrten Damen und Herren!
 Wasser ist Leben und Zukunft
In den letzten Tagen hat uns in Deutschland und Europa die mutwillige Unterbrechung der Versorgung mit russischem Erdöl stark beunruhigt.  Sie hat uns drastisch vor Augen geführt, wie verletzlich wir werden, wenn uns wichtige Rohstoffe abhanden kommen.

Was für das Erdöl gilt, gilt in noch größerem Maße  für unser heutiges Leitthema, das Wasser.
Was Erdöl von Wasser aber essentiell unterscheidet, ist der Umstand, dass der Mensch sehr wohl ohne Erdöl existieren und tragfähige Lösungen für eine gute Zukunft finden kann.
Die aktuelle energiepolitische Debatte in Europa zeigt hier durchaus viel versprechende Optionen v. a. bei Energieeffizienz oder erneuerbaren Energien - übrigens auch ein höchst fruchtbarer Acker für Sie als Ingenieure.

Wasser durch nichts zu ersetzen Wasser dagegen ist die wichtigste Grundlage unseres Lebens, unserer kulturellen, zivilisatorischen oder wirtschaftlichen Leistungen - sauberes Wasser können wir bei allem menschlichen Erfindungsreichtum durch nichts anderes ersetzen!

Klaus Töpfer hatte deshalb vollkommen Recht, als er vor einigen Jahren sagte, dass Wasser im Ranking der weltweiten Zukunftsherausforderungen noch vor der Energie rangieren muss.

Verantwortung für das Lebens-elixier Wasser Umso wichtiger und verdienstvoller ist es,
verehrte Frau Präsidentin Aschl, dass Sie heute mit dem 15. Bayerischen
Ingenieuretag und dem Ingenieurpreis 2007 die  Verantwortung für das Lebenselixier Wasser in den Mittelpunkt des Interesses rücken.
Wasser und Klimaschutz: Weltweite Herausforderungen für Frieden und Wohlstand
Weltbevölkerung bei 6,6 Mrd.  Anrede, in der Nacht zum 1. Januar 2007 hat die
Weltbevölkerung mit knapp 6,6 Mrd. Menschen eine neue Rekordmarke erreicht.

Allein während ich diesen Satz spreche, kommen 10 weitere Menschen dazu - jede Stunde sind es 9.200, also praktisch eine Kleinstadt.

1,3 Mrd. Menschen ohne Wasser Jeder einzelne dieser Menschen ist dringend auf sauberes Wasser und eine gesunde Umwelt angewiesen - dennoch haben weltweit über 18% der
Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 40% keine  geregelte
Abwasserentsorgung (Kofi Annan 2006).

Welches immense globale Konfliktpotenzial allein in der ungleichen Verteilung des Trinkwassers liegt, muss ich Ihnen sicher nicht näher schildern.
Ganz zu schweigen von den unmenschlichen Folgen für Lebenserwartung, Lebensqualität und Gesundheit der Betroffenen, die uns als Angehörige einer wohlhabenden Industrienation v. a. auch moralisch in die Pflicht nehmen.

Klimawandel verstärkt die Probleme  Diese für sich allein schon drängenden Probleme werden durch den Klimawandel weiter zugespitzt. Einfach gesprochen wird sich die heute schon vorhandene Polarisierung zwischen Trockenzonen und wasserreichen Gebieten der Erde verschärfen:

• Die Trockenzonen werden künftig noch trockener:
• Ausgerechnet der nahe Osten, eines der gefährlichsten sicherheitspolitischen Pulverfässer der Erde, wird nach aktuellen Klimamodellen den größten Niederschlagsrückgang verkraften müssen.
• Heute schon wasserreiche Gegenden dagegen werden Probleme mit zu viel Wasser in Form von Starkregen und Hochwasser bekommen, abwechselnd mit Dürreperioden.
Auch Bayern betroffen Erste Anzeichen dieser Entwicklung erleben wir schon heute auch bei uns in Bayern:
 • einerseits Pfingsten 1999, Sommer 2002, Sommer 2005: Drei Jahrhunderthochwässer in nur 7 Jahren;
• andererseits 2003 ein "Jahrhundertsommer" mit 35.000 Hitzetoten in Europa, heuer im Juli
Saharahitze mit rasanter Gletscherschmelze im Alpenraum.

Stern-Bericht warnt uns Nicolas Stern hat Anfang des Jahres in seinem viel zitierten Bericht recht nüchtern vorgerechnet, was Klimawandel auch für uns konkret heißt:
 Wenn wir den Klimawandel ignorieren, drohen noch zu Lebzeiten unserer Kinder Risiken für Wohlstand und sozialen Frieden, die den Folgen der Weltwirtschaftskrise und der beiden Weltkriege
vergleichbar sind.

Globale Wirt-schaftskrise droht Stern schätzt, dass eine ungebremste Erderwärmung bis zu 20% des weltweiten BIP vernichten könnte - auch als Folge zunehmender Dürren, Hochwässer und Überflutungen. Leidtragende werden hier vor allem die Entwicklungsländer sein - also gerade diejenigen, die die Erwärmung nicht verursacht haben.
 Ein derartiger globale Wirtschaftskrise würde aber auch vor uns in Bayern nicht Halt machen!

Hunderte Millio-nen Klimaflücht-linge Hinzu kommen Hunderte Millionen Menschen
weltweit, die durch Trockenheit oder steigende Meeresspiegel in ihrer Existenz bedroht werden.
Diese Menschen werden sich nicht ruhig und gelassen in ihr Schicksal ergeben.
Sie werden dorthin drängen, wo es noch Wasser und Lebensmöglichkeiten gibt - also auch zu uns nach Europa: Neue Zuwanderungskonflikte sind damit vorgezeichnet!

Herr Prof. Göttle wird uns die möglichen Folgen des Klimawandels für Naturhaushalt, Infrastruktur und Wirtschaft in seinem Vortrag noch eingehend schildern.
Wasserpolitik ist Friedenspolitik Aber schon aus meiner kurzen Skizze wird
deutlich:Wasser- und Klimapolitik sind kein Luxus, den wir uns leisten können oder auch nicht.
Sie sind vielmehr unverzichtbare Zukunfts-, Wirtschafts- und Friedenspolitik.

Rasches Handeln geboten Anrede,für die geschilderten Szenarien und Probleme brauchen wir Lösungen - und das rasch.

CO2-Reduktion vorantreiben Wir müssen weiterhin konsequent den Ausstoß von Klimagasen reduzieren. Mit einem Ausstoß von 6,8 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr gehört Bayern heute zu den
klimafreundlichsten Ländern in Deutschland und zu den Top Ten in Europa.
 Dabei wollen wir nicht stehen bleiben:
• Kurzfristig bis 2010 wollen wir den jährlichen CO2-Ausstoß in Bayern auf 80 Mio. Tonnen begrenzen,
• langfristig streben wir eine Reduktion um die Hälfte an.

 Wichtige Kernelemente unserer Strategie zur Verringerung der Klimagase sind der Ausbau
erneuerbarer Energien und die kontinuierliche Verbesserung von Energieeinsparung und
Energieeffizienz. Dazu gehört die Modernisierung und der Ausbau der Wasserkraft in Bayern ebenso wie ein konsequenter Ausbau der Zukunftstechnologie Geothermie. Das größte Potenzial und die größten Zuwächse für nachhaltige Energieerzeugung liegt in der Biomasse - gerade hier setzt Bayern einen Schwerpunkt.

An Klimafolgen anpassen " Bei der CO2-Zunahme in der Atmosphäre ist der Zug für nächsten 30 Jahre aber schon abgefahren" (Prof. Seiler).
 Als zweites Standbein unserer Klimapolitik müssen wir deshalb Strategien entwickeln,
um uns an nicht mehr vermeidbare Folgen des Klimawandels anzupassen.

Vorsorge für Bayern In Bayern müssen wir heute darüber nachdenken, wie wir Trinkwasser für die Haushalte sowie Brauch- und Nutzwasser für die Wirtschaft unter veränderten Klimabedingungen auch morgen noch sicherstellen können.
 Dabei setzen wir ganz wesentlich auf Innovation und Umwelt-Hightech -also v. a. auch auf Sie, meine Damen und Herren Ingenieure, und Ihre sprichwörtliche Erfindungsgabe!

 • Neben nachhaltigem Schutz unserer wertvollen Trinkwasservorkommen werden Wasser sparende Technologien in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen - in der Industrie ebenso wie in den Privathaushalten.

 • Für die öffentliche Wasserversorgung kommt der Schaffung von örtlichen und
überregionalen Verbundsystemen eine hohe Bedeutung zu.

 • Größere Wasserversorger sollten ohnehin -  nicht nur wegen des zu erwartenden
Klimawandels - auf mindestens zwei unabhängige Trinkwassergewinnungen
zurückgreifen können.

 Auch z.B. im Hochwasserschutz gehen wir neue Wege:
Auf der Basis wissenschaftlicher Prognosen für den süddeutschen Raum planen wir neue
Hochwasserschutzmaßnahmen heute schon mit einem 15%igen „Klimazuschlag“.
 Damit tragen wir den zu erwartenden stärkeren Hochwasserabflüssen von morgen Rechnung.
 Bis 2020 investiert Bayern insgesamt 2,3 Mrd. Euro in einen integrierten Hochwasserschutz.


Weltweite Verantwortung Aber auch weltweit müssen wir unserer Verantwortung für eine gute Zukunft unserer Erde gerecht werden.


 Das ist für uns nicht nur sittliche Verpflichtung, sondern eröffnet auch einen großen Zukunftsmarkt:
 Das UN-Ziel der Halbierung des Anteils der Menschen ohne Wasserversorgung und
Abwasserentsorgung bis 2015 bedeutet, dass die jährlichen Investitionen im Wassersektor von
heute weltweit 80 Mrd. auf 180 Mrd. US-Dollar steigen müssten.


 Bei der Bewältigung der globalen Wasserprobleme sind in erster Linie Technologien zur effizienten
Wassernutzung und Trinkwasseraufbereitung gefragt.
 Hier haben wir in Bayern lange Erfahrung und einen großen technologischen Vorsprung aufzuweisen.
 Mit diesen Pfunden sollten unsere bayerischen Unternehmen und Ingenieure wuchern und ihr
Know-how noch stärker international platzieren!Projekt TTW Mit dem Projekt „TTW - Technologie Transfer Wasser“ am Wasserwirtschaftsamt Hof unterstützt Bayern sie dabei -
ganz im Sinne erfolgreicher öffentlich-privater Partnerschaft!
 TTW
• stellt ein internationales Kontaktnetzwerk zur Verfügung, 
 • fördert Machbarkeitsstudien für konkrete Projekte,
 • ermöglicht Erfahrungsaustausch,Wissenstransfer u. a. m.
 TTW engagiert sich z.B. in Osteuropa, Mittelamerika und China und hat für Ingenieurbüros aus Bayern schon viele erfolgreiche Auslandskontakte vermittelt.
Einladung in das Netzwerk Partner, die sich für nachhaltige Wasserwirtschaft
und integriertes Wasserressourcenmanagement engagieren wollen und an einer internationalen
Zusammenarbeit interessiert sind, sind uns bei TTW herzlich willkommen!

 Nachhaltiger Umweltschutz bietet Chancen Noch immer viel zu erreichen Anrede,
Bei aller Größe der aktuellen Herausforderungen ist die Quintessenz meiner Ausführungen eine gute,
eine zuversichtliche Botschaft:
 Mit entschlossenem Handeln können wir immer noch viel erreichen - v. a. beim Klimawandel das Eintreten einer unbeherrschbaren Situation vermeiden.

 In nachhaltigem Umweltschutz bei uns und weltweit stecken darüber hinaus große ökonomische Chancen.

Bausektor im Aufwind Neben den bereits geschilderten weltweiten Marktdaten bieten sich auch hierzulande mit einer positiven Entwicklung auf dem Bausektor gute Möglichkeiten für Ingenieure.

Wasserwirtschaft bleibt im Fokus Dies gilt gerade auch für die Wasserwirtschaft:
Allein in diesem Sektor werden in Bayern mit staatlichen Bau- und Fördermitteln Investitionen in von zur Zeit über 450 Mio. Euro im Jahr initiiert.

 • In der Siedlungswasserwirtschaft stehen wir verstärkt vor der Aufgabe, noch kleine und
entlegen Ortsteile an die zentrale Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zu bringen.
• Dies ist oft technisch schwierig und bei konventioneller Ausführung höchst
kostenintensiv - neue Ideen sind Trumpf.


 Daneben geht die EU-Wasserrahmenrichtlinie in die nächste Runde -
• dabei spielen u. a. die Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Gewässern oder ihr
ökologischer Ausbau eine große Rolle.


Bei alledem schlägt Ihre Stunde, die Stunde der Ingenieure und umwelttechnologischen
Unternehmen - hier brauchen wir Sie und Ihr Können!
Innovation als Schlüssel Erfindungsreichtum und Innovation, die Markenzeichen deutscher Ingenieurskunst, sind wesentliche Schlüssel zu nachhaltiger Wasserwirtschaft und erfolgreichem Klimaschutz.

Ökologie und Technik verbinden
Anrede,mehr als je zuvor sind Sie bei Ihrer Arbeit heute auch gefordert, die Wechselwirkungen von Mensch, Technik und Umwelt einzubeziehen, Ökologie und Ökonomie zu verbinden:

 • Schon bei der Planung von Anlagen und Gebäuden müssen ihre ökologischen
Aspekte und Verflechtungen wie Ressourcenverbrauch, Energieeffizienz oder Flächenverbrauch berücksichtigt werden.

Gesamte Lebensdauer eines Bauwerks betrachten 

• Das reicht bis hin zur Frage, was am Ende der Nutzungsdauer aus einem Bauwerk und seinem Grundstück wird:
• Projekte von heute sollten nicht mehr die Altlasten von morgen werden!

 Gerade beim Wasserbau in Bayern haben Ingenieure gezeigt, das Ökonomie und Ökologie höchst
erfolgreich Hand in Hand gehen können:
 • Dank modernster Abwasserreinigung haben wir in Bayern heute durchweg saubere Flüsse und Seen, und das, obwohl Bevölkerung und Wirtschaftskraft  immer noch wachsen.
• Der Isarplan in München ist ein hervorragendes Beispiel für die gelungene
Synthese von Natur- und Umweltschutz, Hochwasserschutz und Erholungsnutzung,
• um nur zwei Beispiele zu nennen.
Ingenieure als Botschafter für ökologische Verantwortung Bayerische und deutsche Umwelttechnologie genießen weltweit höchstes Ansehen - deutsche Ingenieure stehen damit nicht nur für hohe Kompetenz und eine geradezu sprichwörtliche Erfindungsgabe, sondern sind auch engagierte Botschafter für ökologische Verantwortung.

 Lassen Sie uns in diesem Sinne die großen umweltpolitischen Herausforderungen der Gegenwart gemeinsam in Angriff nehmen!

 

 

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