Regionalkonferenz Mittelfranken

Begrüßung
Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau am 26.10.2006 in Nürnberg

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr herzlich darf ich Sie heute im DB Museum Nürnberg zur Regionalkonferenz Mittelfranken der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau begrüßen.

Ganz besonders freue ich mich, dass „unser“ Staatsminister im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Herr Dr. Günther Beckstein, später noch zu uns stoßen wird. Er wird uns über die Infrastrukturmaßnahmen in Mittelfranken und die HOAI aus politischer Sicht berichten – und uns in gewohnter Manier sicherlich auch für eine Diskussion zur Verfügung stehen.

Begrüßen darf ich Sie, sehr geehrte Damen und Herren Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister aus der Region, sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bau-, Wasserwirtschafts- und Vermessungsverwaltungen.

Unsere Regionalkonferenzen dienen immer dazu, diejenigen Fragen, die das Planen und Bauen insbesondere auch in den Landkreisen und Kommunen betreffen, zu erörtern. Ohne Sie, sehr geehrte Damen und Herren, wäre dieser Dialog nicht möglich.

Ein herzliches „Grüß Gott“ geht an Sie, sehr geehrter Herr Stadtrat Werner Gruber, als Vertreter der Stadt Nürnberg. Wir freuen uns, dass Sie uns in einigen Worten den Einsatz von Finanzmitteln für Infrastrukturprojekte in Nürnberg vorstellen werden.

Und selbstverständlich begrüße ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen – die Mitglieder der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau ist es wichtig, den Dialog zwischen Vertretern der öffentlichen Hand und den im Bauwesen tätigen Ingenieuren zu intensivieren. Denn wir sind der Ansicht, dass viele der Aufgaben, die heute bei Planen und Bauen anstehen, am besten gelöst werden können, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.

Planen und Prüfen im Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Vorgaben und wirtschaftlicher Verantwortung – so lautet das Motto unserer heutigen Regionalkonferenz. Ihnen allen sind die Ereignisse in Bad Reichenhall zu Beginn dieses Jahres noch im Bewusstsein.

Die Bayerische Staatsregierung hat – auf unsere damalige Anregung hin – eine Expertenkommission eingesetzt, die Handlungsanweisungen für die Besitzer und Betreiber von Bauwerken, insbesondere von Hallen, erarbeitet hat. Diese Handlungsanweisungen empfehlen eine „wiederkehrende Bauwerksüberprüfung“ durch qualifizierte und besonders qualifizierte Personen.
Die Handlungsanweisungen wurden mittlerweile veröffentlicht; wir haben einige Exemplare für Sie zur Information ausgelegt.

Wichtig ist mir vor allem, auf eines hinzuweisen: Die Gebäude in Deutschland und insbesondere auch in Bayern waren und sind sicher. Da ändern auch die „Untersuchungen“ einer TÜV Süd GmbH nichts, die aufgrund von Zeitungslektüre und Internetrecherche herausgefunden haben will, dass rund 50 Prozent der Hallen akute Mängel aufweisen.

Wir haben in Deutschland ein weltweit anerkanntes Prüfsystem für die Sicherheit von Gebäuden. Das Vier-Augen-Prinzip, das durch den Einsatz von unabhängig agierenden Prüfingenieuren gewährleistet wird, war und ist eine gute Errungenschaft, die es zu bewahren gilt.

Gleichwohl haben wir bei Planen und Bauen in Deutschland Probleme. Die Ursache hierfür liegt aber keineswegs am mangelnden Können der Ingenieurinnen und Ingenieure. Sie liegt in einer „Geiz ist Geil“-Mentalität, die gerade bei Planen und Bauen tragische Auswirkungen haben kann.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
qualitätvolles Planen und Bauen, kreatives und innovatives Denken und verantwortliches Handeln – all dies kostet Zeit und hat seinen Preis. Und natürlich weiß ich, dass insbesondere in den öffentlichen Haushalten jeder Euro zweimal umgedreht wird, bevor der Kämmerer ihn freigibt.

Aber was sind die Konsequenzen dieses Handelns?
• Schauen Sie sich die teilweise vorhandenen Schlaglochpisten an – einst eine Infrastruktur, um die uns ganz Europa beneidet hat;
• Schauen Sie sich die Kanalnetze in unseren Kommunen an – es ist ein Wunder, dass wir nicht reihenweise Einbrüche zu verzeichnen haben;
• Schauen Sie sich unsere öffentlichen Gebäude an – wenn in den Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern nur der Putz bröckelt, dann muss man schon froh sein;
• Schauen Sie sich unsere weit gespannten Sporthallen und Hallenbäder an – in den vergangenen Jahrzehnten wurde viel zu wenig in den Unterhalt dieser Gebäude investiert.

Wer die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger garantieren will – und das ist nicht nur unser Wille, das ist unsere Pflicht – , der muss mehr investieren als in den vergangenen Jahrzehnten.

Die staatliche Investitionsquote ist von einst 23 Prozent auf 11 Prozent im Jahre 2004 gesunken. Wir dürfen dieses Land jedoch nicht kaputt sparen, sondern es ist dringend geboten, die Investitionen endlich wieder zu erhöhen.
Jeder Euro, der investiert wird, spart an anderer Stelle wieder Geld ein – beispielsweise dadurch, dass Arbeitnehmer bei Planen und Bauen in Lohn und Brot stehen und nicht den Sozialsystemen zur Last fallen.

Die Alternative zum Investieren ist, den Bürgerinnen und Bürgern klipp und klar zu sagen: Die Sporthalle, die Schule, der Kindergarten wird geschlossen, weil wir kein Geld für den Unterhalt haben.

Sie dürfen sicher sein, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass Sie mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren hoch kompetente Partner an Ihrer Seite haben, die durch ihre Kreativität und ihre Innovationskraft dazu beitragen, die notwendigen Planungs- und Bauaufgaben zu bewältigen. Und den sparsamen Umgang mit den vorhandenen Mitteln, den, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben wir in den vergangenen Jahren mehr als verinnerlicht.

Dass zu einer qualitätvollen Planung jedoch auskömmliche Honorare notwendig sind, dürfte jedem klar sein. Die Stundensätze der Ingenieure und Architekten, das muss ich an dieser Stelle ganz deutlich sagen, sind allerdings schon seit Jahren nicht mehr auskömmlich.

Wer Herzprobleme hat, der geht nicht zum billigsten Arzt, sondern zum besten. Und wer in einen Rechtsstreit verwickelt ist, den habe ich noch nie sagen hören, „ich brauche jetzt einen billigen Anwalt“ – er wird immer sagen, „ich brauche jetzt einen guten Anwalt“.

Unsere Honorarordnung HOAI, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist beileibe kein Preistreiber am Bau. Die Stundensätze sind seit Jahren nicht angepasst worden.

Eine qualitätvolle Planung kostet, das ist uns allen klar, zunächst einmal Geld – Geld, das während des Bauprozesses jedoch in der Regel leicht wieder eingespart werden kann. Denn qualitätvolle Planung finanziert sich im Nachgang von selbst.

Deshalb kann ich nur an sie alle appellieren, sich für den Erhalt der HOAI auf gesetzlicher Basis einzusetzen und sich auch dafür stark zu machen, dass den Ingenieuren und Architekten Honorare zugebilligt werden, mit denen sie qualitätvolle Leistungen erbringen können.

Und diese Leistungen sind vielfältig:
• Projektentwicklung
• Objektplanung
• Standsicherheit
• alle Planungen im Verkehrswegebau
• Planungen rund um Wasser, Abwasser Abfall
• Technische Gebäudeausrüstung
• Energieplanung und -beratung
• Vermessung
• und vieles mehr

All dies erbringt der Beratende Ingenieur unabhängig und dem Interesse des Bauherren verpflichtet. Wir verstehen uns als Treuhänder des Bauherrn – und diese Funktion ist unseres Erachtens wichtig, um die Qualität bei Planen und Bauen zu gewährleisten.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat, um ihre Präsenz in den Regionen Bayerns zu verstärken, im Dezember 2005 „Regionalbeauftragte“ berufen.
Diese sind für Sie alle erste Ansprechpartner vor Ort, wenn Sie Fragen, Anregungen, Kritik  oder Interessen haben, die die Ingenieure in Bayern, deren Kammer oder das Bauwesen in Bayern allgemein betreffen.

Vorstellen möchte ich Ihnen heute unseren Regionalbeauftragten für Mittelfranken, Herrn Jochen Noack. Er wird, gemeinsam mit unserem Vorstandsbeauftragten für die Region Ernst Ebert, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen und stets ein offenes Ohr für Ihre Anliegen haben.

An die Vertreter der Behörden richte ich die Bitte: Scheuen Sie sich nicht, mit Ihren Anliegen an uns heranzutreten. Für die gemeinsame Sache eines qualitätvollen Planens und Bauens in Bayern sind wir gerne Sprachrohr auch für Ihre Interessen.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf die Gelegenheit nutzen, Ihnen ein neues Serviceangebot unserer Kammer vorzustellen. Auf Initiative unseres Ersten Vizepräsidenten Dieter Rübel hat sich in der Kammer ein Kreis von Experten gefunden, der als „Berater-Netzwerk“ künftig unsere Mitglieder allen Fragen der Berufsausübung beraten möchte:
• bei betriebswirtschaftlichen Fragen
o Büroneugründung
o Büroübergabe
o Büronachfolge
• bei Fragen zu Technik und Organisation
• bei Fragen zu Genehmigungsverfahren
• und bei Fragen zum Honorar- und Vertragsrecht.

Dieses Beratungsangebot richtet sich explizit an alle Kammermitglieder, unabhängig davon, ob sie selbstständig tätig, angestellt, beamtet oder gewerblich tätig sind. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Kammer-Website oder unter www.berater-netzwerk.info.

Ich kann Sie alle nur ermuntern, dieses für Kammermitglieder kostenfreie Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen. Die Berater haben sind mittlerweile im Ruhestand oder haben ihr berufliches Engagement so weit reduziert, dass sie zum einen genügen Zeit mitbringen, zum anderen die notwendige  Unabhängigkeit in der Beratung gewährleisten können.

Wir sprechen immer davon, dass wir „ein Leben lang lernen“ sollen – das Wissen und Können unserer älterer Kolleginnen und Kollegen liegt jedoch oft ungenutzt brach, weil wir alle einem Jugendwahn zu verfallen drohen, und die Erfahrung der Älteren uns nicht wichtig erscheint.

Doch das ist ein Trugschluss. Wenden Sie sich also bitte einfach an die Kammer, wenn Sie Beratungsbedarf haben. Auch für Ihr ganz spezielles Anliegen werden wir den passenden Berater vermitteln können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Bayerische Ingenieurekammer-Bau versteht sich als Dienstleister für Ihre Mitglieder. Unser breites Serviceangebot unterstützt Ingenieurinnen und Ingenieuren in ihrer täglichen Berufspraxis:
• Ingenieurakademie Bayern
• Rechtsberatung – auch für Nichtmitglieder
• Außenwirtschaftsförderung
• allgemeine Informationen rund um Planen und Bauen, z.B. auf der Website der Kammer oder im Deutschen IngenieurBlatt
• Planersuche im Internet, über die die richtigen Experten für die Planungs- und Bauaufgabe gefunden werden können
• Stellenbörse im Internet
• und eben unser neuestes Kind, das Berater-Netzwerk.


Sehr geehrte Damen und Herren,

bedanken möchte ich mich bei den Referenten des heutigen Nachmittags. Neben den bereits erwähnten Werner Gruber und Jochen Noack sind dies mein Kammervorstandskollege Ernst Ebert, zugleich Vorsitzender des AHO, der über die HOAI berichten wird, und Dietrich Oehmke, der über die Details der „Wiederkehrenden Bauwerksüberprüfung“ referieren wird.


Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, wünsche ich einen interessanten und diskussionsfreudigen Nachmittag – nutzen Sie die Gelegenheit zum Dialog, jetzt und auch nach der Veranstaltung in gemütlicher Runde.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

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