Regionalkonferenz Schwaben

Begrüßung
Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zur Regionalkonferenz Schwaben im Kleinen goldenen Saal in Augsburg am 14.07.2006

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr herzlich darf ich Sie heute im Kleinen goldenen Saal in Augsburg zur Regionalkonferenz Schwaben der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau begrüßen.

Ganz besonders freue ich mich, dass „unser“ Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Herr Georg Schmid, heute bei uns ist und uns im Rahmen seines Vortrags über die Überwachung und Überprüfung der Standsicherheit von baulichen Anlagen in Bayern berichten wird. Ihnen, sehr geehrter Herr Staatssekretär, ein herzliches Willkommen.

Begrüßen darf ich [wenn anwesend] den Regierungspräsidenten von Schwaben, Herr Ludwig Schmid. Unsere Regionalkonferenzen dienen immer dazu, diejenigen Fragen, die das Planen und Bauen im gesamten Regierungsbezirk betreffen, zu erörtern. Ohne die Regierungen ist der fachliche Dialog undenkbar – vielen Dank, Herr Regierungspräsident, dass Sie heute bei uns sind.

Quasi als Hausherrn darf ich Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Paul Wengert,  herzlich in unserer Mitte willkommen heißen. In jüngster Zeit ist den Medien ja viel über neue Infrastrukturprojekte in Bayern zu entnehmen – und auch über die Rolle, die Augsburg dabei spielt. Unsere Regionalkonferenzen sind immer ein Ort des „offenen Wortes“ – und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Ihnen gerade zum Thema „Infrastruktur“ so einige Worte auf der Zunge liegen.
Ich kann Ihnen nur anbieten: Nutzen Sie dieses hochkarätig besetzte Fachforum als Ihr Auditorium!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau ist es wichtig, den Dialog zwischen Vertretern der öffentlichen Hand und den im Bauwesen tätigen Ingenieuren zu intensivieren. Denn wir sind der Ansicht, dass viele der Aufgaben, die heute bei Planen und Bauen anstehen, am besten gelöst werden können, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.

Gemeinsam qualitätvoll Planen und Bauen – so lautet das Motto unserer heutigen Regionalkonferenz. Ich freue mich, dass nicht nur Mitglieder unserer Kammer, sondern auch zahlreiche Vertreter der Kommunen und Landkreise, der Regierung und der staatlichen Baubehörden heute anwesend sind. Seien Sie alle sehr herzlich gegrüßt.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat, um ihre Präsenz in den Regionen Bayerns zu verstärken, im Dezember 2005 „Regionalbeauftragte“ berufen.
Diese sind für Sie alle erste Ansprechpartner vor Ort, wenn Sie Fragen, Anregungen, Kritik  oder Interessen haben, die die Ingenieure in Bayern, deren Kammer oder das Bauwesen in Bayern allgemein betreffen.

Vorstellen möchte ich Ihnen heute unseren Regionalbeauftragten für Schwaben, Herrn Friedrich Dubbert. Er wird, gemeinsam mit unseren Vorstandsbeauftragten für die Region Karlheinz Gärtner und Herbert Luy, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen und stets ein offenes Ohr für Ihre Anliegen haben.

An die Vertreter der Behörden richte ich die Bitte: Scheuen Sie sich nicht, mit Ihren Anliegen an uns heranzutreten. Für die gemeinsame Sache eines qualitätvollen Planens und Bauens in Bayern sind wir gerne Sprachrohr auch für Ihre Interessen.
 
Wie Sie wissen, ist seit dem tragischen Unglück in Bad Reichenhall zu Jahresbeginn das Thema „Standsicherheit von Gebäuden“ in aller Munde. Viel wurde in den Medien darüber berichtet, teils war es seriös, teils war es jedoch auch haarsträubender Unsinn.

Die Kammer hat von Anfang an die Ansicht vertreten, dass es unseriös ist, sich zum konkreten Unglücksfall zu äußern, bevor die Ursachen auf dem Tisch liegen.

Gleichwohl hat die Kammer beim Innenministerium umgehend eine Arbeitsgruppe initiiert, die Empfehlungen für Eigentümer und Betreiber von Gebäuden erarbeitet, z. B.: wie und in welchem Rhythmus und von wem Bestandsgebäude hinsichtlich ihrer Sicherheit künftig überprüft werden sollen. Im Vortrag von Herrn Staatssekretär Schmid werden wir dazu später mehr erfahren.

Wichtig ist mir vor allem, auf eines hinzuweisen: Die Gebäude in Deutschland und insbesondere auch in Bayern waren und sind sicher. Da ändern auch die „Untersuchungen“ eines TÜV Süd nichts, der aufgrund von Zeitungslektüre und Internetrecherche herausgefunden haben will, dass rund 50 Prozent der Hallen akute Mängel aufweisen.

Wir haben in Deutschland ein weltweit anerkanntes System der Prüfung der Sicherheit von Gebäuden. Das Vier-Augen-Prinzip, das durch den Einsatz von unabhängig agierenden Prüfingenieuren gewährleistet wird, war und ist eine gute Errungenschaft, die es zu bewahren gilt.

Gleichwohl haben wir bei Planen und Bauen in Deutschland Probleme. Die Ursache hierfür liegt aber keineswegs am mangelnden Können der Ingenieurinnen und Ingenieure. Sie liegt in einer „Geiz ist Geil“-Mentalität, die gerade bei Planen und Bauen tragische Auswirkungen haben kann.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
qualitätvolles Planen und Bauen, kreatives und innovatives Denken und verantwortliches Handeln – all dies kostet Zeit und hat seinen Preis. Und natürlich weiß ich, dass insbesondere in den öffentlichen Haushalten jeden Euro zweimal umgedreht wird, bevor der Kämmerer ihn freigibt.

Aber was sind die Konsequenzen dieses Handelns?
• Schauen Sie sich die teilweise vorhandenen Schlaglochpisten an – einst eine Infrastruktur, um die uns ganz Europa beneidet hat;
• Schauen Sie sich die Kanalnetze in unseren Kommunen an – es ist ein Wunder, dass wir nicht reihenweise Einbrüche zu verzeichnen haben;
• Schauen Sie sich unsere öffentlichen Gebäude an – wenn in den Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern nur der Putz bröckelt, dann muss man schon froh sein;
• Schauen Sie sich unsere weit gespannten Sporthallen und Hallenbäder an – in den vergangenen Jahrzehnten wurde viel zu wenig für den Unterhalt dieser Gebäude investiert.

Wer die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger garantieren will – und das ist nicht nur unser Wille, das ist unsere Pflicht – , der muss mehr investieren als in den vergangenen Jahrzehnten.
Die staatliche Investitionsquote ist von einst 23 Prozent auf 11 Prozent im Jahre 2004 gesunken. Wir dürfen dieses Land jedoch nicht kaputt sparen, sondern es ist dringend geboten, die Investitionen endlich wieder zu erhöhen.
Jeder Euro, der investiert wird, spart an anderer Stelle wieder Geld ein – beispielsweise dadurch, dass Arbeitnehmer bei Planen und Bauen in Lohn und Brot stehen und nicht den Sozialsystemen zur Last fallen.
 
Die Alternative zum Investieren ist, den Bürgerinnen und Bürgern klipp und klar zu sagen: Die Sporthalle, die Schule, der Kindergarten wird geschlossen, weil wir kein Geld für den Unterhalt haben.

Sie dürfen sicher sein, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass Sie mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren hoch kompetente Partner an Ihrer Seite haben, die durch ihre Kreativität und ihre Innovationskraft dazu beitragen, die notwendigen Planungs- und Bauaufgaben zu bewältigen. Und den sparsamen Umgang mit den vorhandenen Mitteln, den, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben wir in den vergangenen Jahren mehr als verinnerlicht.

Dass zu einer qualitätvollen Planung jedoch auskömmliche Honorare notwendig sind, dürfte jedem klar sein. Die Stundensätze der Ingenieure und Architekten, das muss ich an dieser Stelle jedoch ganz deutlich sagen, sind schon seit Jahren nicht mehr auskömmlich.

Wer Herzprobleme hat, der geht nicht zum billigsten Arzt, sondern zum besten. Und wer in einen Rechtsstreit verwickelt ist, den habe ich noch nie sagen hören, „ich brauche jetzt einen billigen Anwalt“ – er wird immer sagen, „ich brauche jetzt einen guten Anwalt“.

Unsere Honorarordnung HOAI, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist beileibe kein Preistreiber am Bau. Die Stundensätze sind seit Jahren nicht angepasst worden.

Eine qualitätvolle Planung kostet, das ist uns allen klar, zunächst einmal Geld – Geld, das während des Bauprozesses jedoch in der Regel leicht wieder eingespart werden kann. Denn qualitätvolle Planung finanziert sich im Nachgang meist von selbst.

Deshalb kann ich nur an sie alle appellieren, sich für den Erhalt der HOAI auf gesetzlicher Basis einzusetzen und sich auch dafür stark zu machen, dass den Ingenieuren und Architekten Honorare zugebilligt werden, mit denen sie qualitätvolle Leistungen erbringen können.

Und diese Leistungen sind vielfältig:
• Projektentwicklung
• Objektplanung
• Standsicherheit
• alle Planungen im Verkehrswegebau
• Planungen rund um Wasser, Abwasser Abfall
• Technische Gebäudeausrüstung
• Energieplanung und -beratung
• Vermessung
• und, und, und...

All dies erbringt der Beratende Ingenieur unabhängig und dem Interesse des Bauherren verpflichtet. Wir verstehen uns als Treuhänder des Bauherrn – und diese Funktion ist unseres Erachtens wichtig, um die Qualität bei Planen und Bauen zu gewährleisten.

Lassen Sie es mich in der Abwandlung des viel zitierten Werbeslogans so formulieren: Geiz ist nicht geil – Qualität ist geil.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich darf die Gelegenheit nutzen, Ihnen ein neues Serviceangebot unserer Kammer vorzustellen. Auf Initiative unseres Ersten Vizepräsidenten Dieter Rübel hat sich in der Kammer ein Kreis von Experten gefunden, der als „Berater-Netzwerk“ künftig unsere Mitglieder allen Fragen der Berufsausübung beraten möchte:
• bei betriebswirtschaftlichen Fragen
o Büroneugründung
o Büroübergabe
o Büronachfolge
• bei Fragen zu Technik und Organisation
• bei Fragen zu Genehmigungsverfahren
• und bei Fragen zum Honorar- und Vertragsrecht.

Dieses Beratungsangebot richtet sich explizit an alle Kammermitglieder, unabhängig davon, ob sie selbstständig tätig, angestellt, beamtet oder gewerblich tätig sind. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Kammer-Website oder unter www.berater-netzwerk.info.

Ich kann Sie alle nur ermuntern, dieses für Kammermitglieder kostenfreie Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen. Die Berater haben sind mittlerweile im Ruhestand oder haben ihr berufliches Engagement so weit reduziert, dass sie zum einen genügen Zeit mitbringen, zum anderen die notwendige  Unabhängigkeit in der Beratung gewährleisten können.

Wir sprechen immer davon, dass wir „ein Leben lang lernen“ sollen – das Wissen und Können unserer älterer Kolleginnen und Kollegen liegt jedoch oft ungenutzt brach, weil wir alle einem Jugendwahn zu verfallen drohen, und die Erfahrung der Älteren uns nicht wichtig erscheint.

Doch das ist ein Trugschluss. Wenden Sie sich also bitte einfach an die Kammer, wenn Sie Beratungsbedarf haben. Auch für Ihr ganz spezielles Anliegen werden wir den passenden Berater vermitteln können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Bayerische Ingenieurekammer-Bau8 versteht sich als Dienstleister für Ihre Mitglieder. Unser breites Serviceangebot unterstützt Ingenieurinnen und Ingenieuren in ihrer täglichen Berufspraxis:
• Ingenieurakademie Bayern
• Rechtsberatung – auch für Nichtmitglieder
• Außenwirtschaftsförderung
• allgemeine Informationen rund um Planen und Bauen, z.B. auf der Website der Kammer oder im Deutschen IngenieurBlatt
• Planersuche im Internet, über die die richtigen Experten für die Planungs- und Bauaufgabe gefunden werden können
• Stellenbörse im Internet
• und eben unser neuestes Kind, das Berater-Netzwerk.

Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, wünsche ich einen interessanten und diskussionsfreudigen Nachmittag – nutzen Sie die Gelegenheit zum Dialog, jetzt und auch nach der Veranstaltung in gemütlicher Runde.

Vielen Dank für Ihrer Aufmerksamkeit.

 

 

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