VBI Jahresversammlung

Grußwort
Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
zur VBI Jahresversammlung im Hotel Marriott, Freising am Freitag, 5. Mai 2006

Sehr geehrter Herr Karner,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Forster,
sehr geehrte Mitglieder des Verbands Beratender Ingenieure,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich weiß nicht, wann genau Sie sich entschlossen haben, bei Ihrer Jahresversammlung den Transrapid zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Münchner Flughafen zum Thema zu machen. Aber ich darf Ihnen zur hochaktuellen Wahl dieses Themas gratulieren.

Wie Sie sicherlich wissen, findet heute am späteren Nachmittag in München eine Bürgerversammlung statt, in der die Landeshauptstadt München ihre Bürgerinnen und Bürger über die Planungen zum Transrapid informieren möchte.

Und Sie werden ganz ohne Zweifel auch die Veröffentlichungen der vergangenen Tage und Wochen verfolgt haben, in denen der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude einer Express-S-Bahn, MAEX genannt, den Vorzug gibt vor dem Transrapid.

Wie so oft bei Verkehrsplanungen ist die Diskussion im Vorfeld vor allem ideologisch geprägt - leider.

Sehr schnell werden schwere Geschütze aufgefahren:
- da werden Millionenbeträge gegen Milliardeninvestitionen ins Feld geführt – und überhaupt: wer soll das alles bezahlen?,
- da werden auf die Minute genau Vorteile bei den jeweiligen Fahrzeiten berechnet – wer die Münchner S-Bahn etwas genauer kennt, kann darüber ohnehin nur schmunzeln (da sind 20 Minuten Verspätung nämlich gar nichts!),
- da werden Ängste bei den Bürgerinnen und Bürgern geschürt – vor Lärm und vor den allgemeinen Belastungen durch Baumaßnahmen,
- da wird mit zusätzlichen Problemlösungen argumentiert, z.B. mit einer besseren Verkehrsanbindungen der östlichen Stadtgebiete – diese Probleme, wenn man sie denn ernst nimmt, hätte man aber auch schon früher angehen können.

Tatsache ist: über den Transrapid lässt sich trefflich streiten.

Auch über MAEX lässt sich trefflich streiten.

Und weil es auf keinem Gebiet so viele Experten gibt wie bei der Planung von Infrastrukturmaßnahmen, rauscht es schon wieder gewaltig im Blätterwald:

Auch über den südlichen Autobahnringschluss um München streiten wir jetzt schon wieder!

Besser gesagt, die selbst ernannten Experten streiten.

Die wirklich Fachkundigen auf diesem Gebiet – die im Bauwesen tätigen Ingenieure – sind bislang noch nicht einmal zu Wort gekommen.
Doch das ist ja auch logisch: wir Ingenieurinnen und Ingenieure analysieren zuerst, überlegen uns dann Alternativen, planen anschließend, denken schließlich nochmals gründlich nach – und machen dann erst den Mund auf.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,
bitte erwarten Sie von mit heute keine Aussage darüber, ob der Transrapid zwischen Hauptbahnhof München und Flughafen die optimale verkehrstechnische Anbindung ist.

Lassen Sie mich aber eines ganz deutlich machen:
- Der Transrapid ist ein Verkehrskonzept mit Zukunft.
- Unsere herkömmlichen Verkehrsmittel, sei es auf der Straße oder auf der Schiene, geraten kapazitätsmäßig zunehmend an ihre Grenzen.
- Wir brauchen deshalb Mut, um auf neue Systeme zu setzen oder diese, ich sage dies ganz bewusst, schlicht einmal auszuprobieren, auch wenn das teuer ist.
- Und der Transrapid braucht dringend eine Referenzstrecke innerhalb Deutschlands – denn wir Deutschen sind bislang ja leider bekannt dafür, großartige Ideen zu entwickeln und dann das Geld verdienen den anderen zu überlassen.

Eine Transrapidstrecke in Deutschland wäre jedenfalls ein herausragendes Zeichen für die Kompetenz der Ingenieure – und solche Signale braucht unsere Branche.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich wünsche Ihrer Jahresversammlung einen guten Verlauf und freue mich auf eine hoffentlich angeregte Diskussion im Anschluss an die Vorträge.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


 

 

 

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