Verhandlungen im Baugewerbe

29.06.2004

Berlin (29.06.04) Im Baugewerbe haben die Tarifverhandlungen begonnen. Arbeitgeber und IG Bau geben sich kompromissbereit — nur nicht bei der Verlängerung der Arbeitszeit:
Die Bau-Gewerkschaft lehnt eine generelle Arbeitszeitverlängerung grundsätzlich ab. Schon vor Beginn der Tarifverhandlungen sagte IG Bau-Chef Klaus Wiesehügel, das "Modell Siemens" könne kein Vorbild für seine Branche sein.
Die IG Bauen-Agrar-Umwelt hatte zum ersten Mal vor den Verhandlungen davon abgesehen, die laufenden Tarifverträge zu kündigen und mehr Lohn für die 800.000 Beschäftigten auf den Baustellen des Landes zu fordern.

Stattdessen hatte Wiesehügel schon Ende April ein Modell vorgestellt, das selbst bei den Betriebsräten der eigenen Gewerkschaft durchaus umstritten war:

Statt auf Lohnerhöhungen setzt die Gewerkschaft auf "ganzjährige Arbeitszeitkonten". Mit Hilfe eines Fonds sollen diejenigen Betriebe künftig eine Prämie erhalten, die ihre Mitarbeiter nachweislich das ganze Jahr beschäftigen. Dieser Bonus soll durch eine Lohnerhöhung um zwei Prozent finanziert werden, die aber nicht den Arbeitnehmern ausgezahlt wird, sondern als Umlage an die Sozialkasse des Baugewerbes gehen soll.

Bisher werden Bauarbeiter häufig zu Beginn der kalten Jahreszeit gekündigt, wenn der Betrieb auf den Baustellen ruht, und im Frühjahr wieder eingestellt. Nach Angaben der IG Bau arbeiten deshalb mehr als 200.000 Beschäftigte weniger als acht Monate im Jahr.


Die Arbeitgeber präsentierten bei dieser ersten Verhandlungsrunde ihr Gegenkonzept. Sie fordern eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 39 auf 42 Stunden ohne Lohnausgleich.
Die Betriebe sollten selbst darüber entscheiden dürfen. Zur Sicherung der Arbeitsplätze seien "drei Stunden Mehrarbeit zumutbar", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Karl Robl.

Zudem verlangt der ZDB eine Kürzung der Urlaubskosten und ein neues Leistungslohnsystem für bestimmte Bauvorhaben.

Die deutsche Bauindustrie ist von der Wirtschaftskrise besonders hart betroffen. Der Mangel an Aufträgen, auch an solchen der öffentlichen Hand, die Konkurrenz durch Billig-Lohnanbieter und nicht zuletzt die am Bau besonders grassierende Schwarzarbeit haben dazu geführt, dass über 350.000 Bauarbeiter arbeitslos gemeldet sind.
Innerhalb von nur zehn Jahren, also seit dem kurzlebigen Bauboom nach der Wiedervereinigung, ist die Zahl der Beschäftigten von 1,5 Millionen auf jene 800.000 gesunken, welche die IG Bau durch ihr ungewöhnliches Verhandlungsangebot nun sichern will. Außerdem möchte sie bei den Verhandlungen ein schärferes gemeinsames Vorgehen gegen die Schattenwirtschaft erreichen.

 

 

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