Bauwirtschaft vor Tarifverhandlungen

04.06.2004

Berlin (04.06.04) - Am 28. Juni 2004 werden die diesjährigen Tarifverhandlungen für das deutsche Baugewerbe aufgenommen.
Im Vorfeld dazu begrüßte der Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes und diesjährige Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, Werner Kahl, dass die Gewerkschaft die Beschäftigungssicherung in den Vordergrund ihrer Tarifpolitik stellt. „Schon lange sind wir der Auffassung, dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes Vorrang vor Lohnerhöhungen haben muss.“

Die Lohn- und Gehaltstarifverträge sind nach wie vor nicht gekündigt; eine Lohnforderung der IG BAU liegt nicht vor.
Kahl erklärte, die Arbeitgeber seien bereit, mit der IG BAU in Verhandlungen über ihr Konzept zur Beschäftigungssicherung einzutreten. Allerdings bedürfe es zur Beschäftigungssicherung aber in erster Linie einer größeren betrieblichen Flexibilität bei Löhnen, Arbeitszeit und Urlaub und einer Kostenentlastung der tarifgebundenen Betriebe.

Kahl nannte drei Verhandlungsschwerpunkte aus Sicht des Baugewerbes:
1. Weniger Regulierung und mehr betriebliche Flexibilität bei Löhnen und Arbeitszeit
„Gerade bei der Entlohnung müssen wir den Betrieben größere Spielräume lassen. Das ist unser erklärtes Verhandlungsziel.“ so Kahl. Wenn diese notwendigen betrieblichen Spielräume nicht zu Lasten der Einkommen der Beschäftigten gehen sollen, kann dies nur bedeuten, für den gleichen Lohn vorübergehend auch länger zu arbeiten. „Warum soll sich ein Arbeitnehmer nicht dafür entscheiden können, länger zu arbeiten, wenn dadurch sein Arbeitsplatz gesichert wird ? Wir glauben nicht, dass man solche Entscheidungen des Arbeitnehmers durch Tarifvertrag verbieten kann. Wir streben keine generelle Verlängerung der Wochenarbeitszeit an. Wir wollen aber die Möglichkeit der Arbeitszeitverlängerung mit oder ohne Lohnausgleich durch betriebliche Vereinbarung ermöglichen.“ erklärte Kahl weiter.

2. Neue Leistungsanreize
Die Motivation der Mitarbeiter durch ein neues Leistungslohnsystem zu erhöhen, ist für das deutsche Baugewerbe ein weiteres Verhandlungsziel. Dazu sollen Leistungsvorgaben für bestimmte Bauvorhaben betrieblich vereinbart werden können.
Mehrleistungen des Arbeitnehmers sollen durch entsprechenden Mehrverdienst (= Bonus), Minderleistungen des Arbeitnehmers aber konsequenterweise auch durch eine entsprechende Kürzung seines Lohnes (= Malus) ausgeglichen werden können.

3. Verringerung der Urlaubskosten
„Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Bauwirtschaft leidet auch unter der zu langen Urlaubsdauer und den zu hohen Urlaubskosten.“ erläuterte der Vizepräsident des ZDB.
Nahezu in allen Wirtschaftszweigen – einschl. des öffentlichen Dienstes – wird über eine Verringerung der Urlaubskosten verhandelt oder es sind bereits entsprechende Tarifabschlüsse vereinbart worden, die eine Verringerung der Urlaubstage und / oder des zusätzlichen Urlaubsgeldes vorsehen. Auch die IG BAU hat solche Regelungen bereits akzeptiert. „Sie kann sich deshalb dieser Diskussion im Baugewerbe nicht verschließen.“ appellierte Kahl an die IG BAU.

„Unter diesen Voraussetzungen sind wir auch bereit, über die Forderungen der Gewerkschaft zu verhandeln und uns gemeinsam mit der Gewerkschaft darum zu bemühen, die tarifvertraglichen Instrumente für eine Förderung der ganzjährigen Beschäftigung der Bauarbeiter weiter zu verbessern.“ so Kahl abschließend.

 

 

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