Stadt der Zukunft

Die Stadt der Zukunft wird eine Hightech-Öko-Stadt mit fast dörflichen, verdichteten Wohnstrukturen und einer großen architektonischen und sozialen Vielfalt sein. So das Fazit der 15. Benediktbeurer Gespräche der Allianz Umweltstiftung.

 

München   -  10.05.2011

„Die Stadt von morgen wird durch den gebaut der sie neu zu denken wagt" Unter diesem Titel diskutierten Experten über die Zukunft der Stadt bei den 15. Benediktbeurer Gesprächen der Allianz Umweltstiftung am 6. Mai 2011.

Entwicklung der Städte

Dr. Lutz von Spandau (Vorstand der Allianz Umweltstiftung) eröffnete das Symposium mit der
Darstellung einer Statistik über die Entwicklung der Städte. Das Jahr 2007 stellte, einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit dar: Erstmals leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Viele von ihnen leben in Mega-Cities mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Inzwischen gibt es etwa 400 Städte mit über einer Million und 20 Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Die Zahl der Menschen, die weltweit in Städten leben, hat sich seit 1990 vervierfacht. Im Jahr 2030 werden 60% der Erdbevölkerung in Städten leben und im Jahre 2050 könnten sogar es 75% sein. In den Städten wird 75% der weltweit benötigten Energie verbraucht und 80 % des weltweiten CO² - Aufkommens produziert.

Die Großstädte, die am schnellsten wachsen, befinden sich in China, Indien und im Süden Afrikas. Schätzungsweise einer von drei Stadtbewohnern, also insgesamt etwa 1 Milliarde Menschen leben dort in Slums mit schlechten Häusern, unzureichender Trinkwasserversorgung und einer prekärer Sicherheitslage.

Nachhaltige Planung

Dr. Spandau betonte die Wichtigkeit einer nachhaltigen Stadtplanung, als Balance zwischen ökonomischen Wachstum und nachhaltiger Entwicklung. Dabei müssen die fieberhafte Expansion der Bauten und das historische Erbe dieser Städte in Einklang gebracht werden. Auch dem Anspruch der Bewohner auf individuelle Mobilität stehen die Grenzen des Verkehrs gegenüber. Beteiligung der Bürger Prof. Albert Speer (Architekt und Stadtplaner) bestätigte in seinem Vortrag den rasanten Umbruch der Gesellschaft und führte diesen vor allem auf die Geschwindigkeit der neuen Informations- und Kommunikationstechniken zurück.

Eine Stadt ist - so Albert Speer - ein lebendiger Organismus, der sich ständig verändert. Um die Stadt der Zukunft zu bauen, müssen Planer neu denken, dürfen aber die Geschichte der Vergangenheit nicht außer Acht lassen. Ein Stadtbild besteht aus vielen Elementen, dazu gehören Flair, Einmaligkeit, Sonderheit und die Entwicklung der Stadtgeschichte.

Für Albert Speer sind die Partizipation und die Diskussion mit den Bürgern von großer Bedeutung. Am Beispiel von Stuttgart 21 machte er die Notwendigkeit einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung deutlich und zeigte an Hand der Allianz Arena auf, dass Großprojekte auch in kurzer Zeit (4 Jahre) ausgeführt
werden können. Prof. Speer betrachtet es als eine wichtige Aufgabe der Planer - und meint damit die Planungsbüros und die Politik - Verfahren zu organisieren, zu strukturieren, zusammenhängend zu denken und Planungsprozesse nicht in Einzelteile zu zerlegen. Bei dieser Aufgabe fungiert der Planer als Dienstleister der Gesellschaft.

Reurbanisierung – Zurück in die Stadt

Dr. Dieter Salomon (Oberbürgermeister von Freiburg) machte auf die aktuelle Herausforderung der Städteplanung in Europa aufmerksam. Diese Städte benötigen eine nachhaltige, integrative und kooperative Stadtplanung, bei der Städteplaner, Verkehrsplaner, Architekten und Soziologen Hand in Hand arbeiten. Europäische Städte werden - seiner Meinung nach - in Zukunft nicht mehr wesentlich wachsen.

Dr. Salomon sieht die Herausforderung der Planung in der Nachverdichtung und dem Umbau
innerhalb der Städte mit einer kompakten Reurbanisierung und der Gestaltung lebendiger
Innenstädte. Auch er sieht es als besonders wichtig an, dass die Bürger in zukünftige Prozesse involviert werden.

Reflexion – weniger kann mehr sein

Prof. Dr. Harald Welzer (Soziologe und Sozialpsychologe) sieht das Hauptproblem bei der Planung
unserer Städte in der Schnelligkeit der ablaufenden Prozesse, da diese Schnelligkeit wenig Zeit zur
Reflexion zulässt. Durch die Ereignisse in Fukushima ist der Traum unserer Gesellschaft - die Unabhängigkeit von natürlichen Ressourcen - zerstört worden. Der heutige enorme Verbrauch unserer natürlichen Ressourcen ist vor allem ein Problem für die nachfolgenden Generationen. Daher müssen neue Infrastruktursysteme entwickelt werden.

Die größte Herausforderung ist die Übersetzung dieser Systeme in das Vorstellungsvermögen der
Menschen. Anhand einiger einfacher Beispiele zeigt er Möglichkeiten auf, wie Planer solche neuen Formen oft sehr einfach in die Tat umsetzen können: z.B. die Umwandlung des Broadways in New York in eine Fußgängerzone, die Prinzessinnengärten in Berlin – ein Projekt das von den Betreibern als mobile urbane Landwirtschaft bezeichnet wird - oder die Idee, Schrebergärten in Berlin als Catering-
Lieferanten für das Festival "Über Lebenskunst" in Berlin zu verwenden.

Nach Welzer sollte unser Leitmotiv für die Städteplanung der Zukunft sein: "Wie können wir mit
Weniger besser leben". Wer bestimmt wen: Der Verkehr die Stadt oder die Stadt den Verkehr?
Verkehr in der Stadt – war eines der Themen in der anschließenden Diskussion.

In der Vergangenheit hat das Auto die Stadtentwicklung bestimmt - in der Zukunft muss die
Stadtentwicklung den Verkehr bestimmen. Es ist die Aufgabe der Planer für die Stadt der Zukunft Visionen und Bilder zu entwickeln, die davor nicht gedacht wurden, weil wir Menschen die Vorbilder für die Zukunft häufig in der Vergangenheit suchen und für die Stadt der Zukunft werden wir neue Bilder benötigen.

Die Stadt der Zukunft ist eigentlich schon gebaut

Abschließend stellte Dr. Spandau fest, dass das Bild der Stadt der Zukunft wahrscheinlich gar nicht so
weit von dem jetzigen Bild der Stadt entfernt ist. Die Stadt von morgen ist eigentlich schon gebaut.
Wichtig sind neue Konzepte für energieoptimiertes Bauen im Bestand, energetische Sanierungen oder
Verhaltensänderungen der Menschen was die Mobilität betrifft. Diese Konzepte sind aber auch schon
für die Stadt von heute wichtig. Die Stadt der Zukunft wird eine „Hightech Öko-Stadt“ mit fast dörflichen, verdichteten Wohnstrukturen und einer großen architektonischen und sozialen Vielfalt sein.

Dipl.-Ing. Julia Stumpf

 

 

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