Ingenieure beim Denkmalschutz ausgezeichnet

Präsident Dr.-Ing. Schroeter übergab Ehrentafel des Bayerischen Denkmalpflegepreises in Waldsassen

 

München   -  09.01.2013

Erstmals ging 2012 der alle zwei Jahre ausgelobte Bayerische Denkmalpreis an ein Gebäude in der Oberpfalz. Gold in der Kategorie „Private Bauwerke“ erhielt die Historische Ofenhalle der Glashütte Lamberts in Waldsassen. Die Urkunden waren im September 2012 beim Festakt in Schloss Schleißheim übergeben worden. Am 20. Dezember 2012 überbrachte nun der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, die zum Preis gehörende Ehrentafel. Mit dem Preis werde neben der Initiative des Inhabers auch das Sanierungskonzept des Unternehmens ALS Ingenieure GmbH & Co. KG (Ingenieur-Büro Adelmann Landgraf Schäfer) in Amberg gewürdigt, so der Kammerpräsident.

Ähnliche Glashütten mit Ofenhallen gibt es, so Hans Reiner Meindl, geschäftsführender Gesellschafter der Glashütte Lamberts, nur noch zwei in Europa – in Frankreich und in Polen. Die 1896 in Nürnberg für die damalige Landesgewerbe- und Industrieausstellung als Musterhalle erbaute Hallenkonstruktion mit Bogenfachwerkbindern (nach dem patentierten System des Büros Stephan) wurde zehn Jahre später dort ab- und in Waldsassen für die neue, seit 1905 produzierende Glashütte wieder aufgebaut. In der vorliegenden Dimension mit einer Stützweite von über 28 Metern ist diese Konstruktion in Bayern und wohl auch darüber hinaus einzigartig.

Doch nach mehr als 100 Jahren nagte der Zahn der Zeit an dem Gebäude. Der stärkere Schneefall in der Oberpfalz war ein Grund, dass durch Feuchte- und Fäulniseinwirkungen an der Dach- und Bindekonstruktion Schäden an den Hölzern entstanden, die erhebliche Verformungen und letztlich den Bruch wesentlicher tragender Teile nach sich zogen. Und als 2009 der Betrieb stillstand, zeigten sich diese Defizite deutlich. Bei einer Überprüfung der Standsicherheit wurde akute Einsturzgefahr festgestellt. Für den seit November 2009 neuen Eigentümer Hans Reiner Meindl galt es, die Stahlkonstruktion zu verbessern, die Halle insgesamt zu sanieren und dafür ein passendes Konzept unter Bewahrung der alten Hallengeometrie zu finden.

Für die Ingenieure stellten sich folgende Aufgaben: Die Halle sollte bei laufendem Betrieb instand gesetzt werden. Das Ersatzmaterial stimmte man mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz ab. Anstelle der gebogenen Bretter wurden in Bogenform geschnittene Furnierholzplatten und statt Nägel nun Schrauben verwendet. Dadurch konnte die Form der ursprünglichen Konstruktion wiederhergestellt werden. Die schadhaften Teile der Konstruktion wurden ausgetauscht, zu schwach ausgebildete Teile verstärkt. Vorrang hatte bei der Sanierung der Erhalt des Charakters der Ofenhalle und die Wiederherstellung der Wirkungsweise der Konstruktion, die 1896 zu den herausragenden Ingenieursleistungen gehörte. Die größte Herausforderung waren die Materialien: Die Werkstoffplatten aus Furnierholz, aus denen die benötigten „Bretter“ herausgeschnitten wurden. Ein weiteres Zugeständnis seitens der Denkmalpflege war die Verwendung von Schrauben, da mit Nägeln wohl kaum zerstörungsfrei gearbeitet hätte werden können.

Mit dem Bayerischen Denkmapflegelpreis will die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auf die Tätigkeiten von Ingenieuren im Denkmalschutz hinweisen. „Ingenieure leisten viel nicht immer sichtbare Arbeit, dass Bauwerke nicht zusammenbrechen. Daher wollten wir besondere Anstrengungen prämieren, um diese öffentlich bekannt zu machen. Das ist ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft“, erläuterte Präsident Schroeter. Der Jury gehörten auch Vertreter der Denkmalpflege sowie Architekten an. „Denkmalpflege ist immer auch Teamarbeit“, betonte Schroeter und verwies auf die Zusammenarbeit von Bauherr, Denkmalpflege, Architekt und Ingenieur.

Im Teamwork brachten Kammerpräsident Schroeter und Glashütte-Inhaber Meindl dann auch im Eingangsbereich der Ofenhalle die Sieger-Plakette an. Als Anerkennung für die Leistungen der privaten Bauherren stellte die Ingenieurekammer zusätzlich 10.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Die 4.500 Euro für die Glashütte Lamberts konnte Inhaber Meindl bei der Investition von (netto) rund einer Million Euro - dafür 200.000 Euro Zuschüsse - gut gebrauchen. „Wir sind stolz darauf und werden die mit der Plakette verbundenen Leistungen weit in die Welt hinaustragen“, meinte der Glashütte-Chef und überreichte Kammerpräsident Dr.-Ing. Schroeter zur Erinnerung eine kleine Glasmedaille.

Quelle: Markus Bauer

 

 

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