Politischer Abend der Bundesingenieurkammer in Brüssel

Perspektiven für Ingenieure im Binnenmarkt

 

Brüssel   -  21.03.2017

Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer,Am 20. März 2017 hatte die Bundesingenieurkammer (BingK) zu einem politischen Abend in die Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU in Brüssel geladen, um die Perspektiven für Ingenieure im EU-Binnen-markt zu diskutieren. In seinem Grußwort betonte der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, erneut, wie wichtig auch künftig die Qualität der Ingenieurausbildung sei. „Wir müssen sicherstellen, dass auch weiterhin viele gute Ingenieure in Deutschland ausbildet werden. Ohne diese werden wir keine Chancen auf dem Weltmarkt haben“, sagte Kammeyer. Aus Sicht der Bundesingenieurkammer ist es unabdingbar, dass Bachelor-Studiengänge des Ingenieurwesens eine breit angelegte grundständige Bildung vermitteln. Anderenfalls drohe die Qualität deutscher Ingenieurleistungen massiv hinter die, anderer Länder zurückzufallen.

Dr.-Ing. Werner WeiglDr.-Ing. Werner Weigl, 2. Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, betonte in seinem Grußwort, wie wichtig der direkte Austausch zwischen den Ingenieuren und der Politik sei. Besonders zwei Punkte seien der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und der Bundesingenieurkammer sehr wichtig: „Das ist zum Einen der Erhalt der mittelständischen Strukturen bei Ingenieurbüros. Und zum Anderen die Sicherung des Ausbildungsniveaus und Stärkung der Marke „Ingenieur“. Heute ist die Ingenieurqualität made in Germany international hoch angesehen. Wir müssen unser deutsches Ausbildungsniveau sichern und die Marke „Ingenieur“ weiter stärken! Im Interesse der gesamten Gesellschaft.“

Politischer Abend in BrüsselUnabdingbar sei es auch, die HOAI zu erhalten. Sie stelle sicher, dass die Büros auskömmliche Honorare erhalten und ein echter Leistungswettbewerb stattfindet. Weigl betonte die Wichtigkeit der Honorarordnung gerade für kleine und mittlere Ingenieurbüros. Ohne die Honorarordnung in ihrer jetzigen Form, würden „sehr schnell sehr viele Auftraggeber vorrangig nach dem Preis entscheiden“. Dem daraus folgenden Preisdumping könnten jedoch viele der kleineren Büros nicht standhalten.

Ein weiteres wichtiges Thema sei eine mittelstandsfreundliche Ausschreibungs- und Vergaberegelungen. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Regelungen getroffen werden, die für unseren Mittelstand praktikabel sind. Nur so können wir Arbeitsplätze erhalten und sichern, gerade auch im ländlichen Raum. Und nur so können wir Planungs- und Bauqualität sichern“, so Weigl.

(Foto v.l.: Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, Dr.-Ing. Werner Weigl, Dr. Ulrike Raczek, Dipl.-Ing.Univ. Michael Kordon, Dr.-Ing. Markus Hennecke)

Markus Ferber Auch Markus Ferber MdEP (EVP-Fraktion), Sprecher des Parlamentskreises Mittelstand im Europäischen Parlament, vertrat in seiner Rede die Auffassung, dass „gerade was Ingenieurstudiengänge betrifft, mit dem Bachelor immer noch sehr wenig anzufangen ist.“ Der Bachelor habe sich „nicht in der Art und Weise entwickelt, wie das im Bologna-Prozess ursprünglich gedacht war.“ Ein weiteres Thema zu Sicherung von qualitätvollem Planen und Bauen ist nach Auffassung der Bundesingenieurkammer die Beibehaltung der Mindest- und Höchstsätze der Honorar- und Gebührenordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Mit seiner Einschätzung, dass diese in ihrer jetzigen Form „europafest“ sei, unterstützte Markus Ferber in einem weiteren Punkt die Meinung der Bundesingenieurkammer.

Martin FrohnNach Ansicht von Markus Ferber, dürfe das Dienstleistungspaket nicht das „Herkunftslandprinzip“ durch die Hintertür einführen. Das sehe die Dienstleistungsrichtlinie nicht vor. Damit stellte er sich gegen die Ansicht der EU-Kommission. Martin Frohn, Referatsleiter Binnenmarkt bei der EU-Kommission, betonte: "Uns geht es (mit dem "Dienstleistungspaket") nur um den Binnenmarkt.“ Er glaube auch nicht, dass das „Dienstleistungspaket“ Subsidiaritätsprobleme verursache. Neben weiteren Ländern hatte sich Deutschland Anfang März für die Einlegung einer Subsidiaritätsrüge gegen Teile des „Dienstleistungspaketes“ ausgesprochen.

Der politische Abend in Brüssel machte einmal mehr deutlich, dass die deutschen Ingenieure zu Europa stehen, jedoch eindringlich an die Europäische Kommission appellieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Bilder zur Veranstaltung finden Sie hier:
https://www.flickr.com/photos/128856188@N02/albums/72157681674692155

Weiterführende Informationen zu europapolitischen Themen:

(Quelle: Bundesingenieurkammer)

 

 

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